Auf dem Weserradweg von Bremen nach Bremerhaven: Wind, Regen, Deiche – und sehr viele Schafe!

Nachdem ich im Norden zwei Etappen von Hamburg nach Bremen gefahren bin (Hamburg-Bremen-Radweg – Etappe 1 & Etappe 2), wollte ich nun noch nach Bremerhaven gelangen. Der Weserradweg war also an diesem regnerischen Tag endlich dran!

Bremerhaven liegt nicht direkt bei Bremen, sondern ist mit dem Fahrrad ca. 82 Kilometer entfernt. Mit dem Auto kommt man schneller hin. Da sind es, glaube ich, nur 50 Kilometer, wenn man rechts der Weser fährt. Trotz alledem gehört jedoch Bremerhaven verwaltungstechnisch zum Bundesland Bremen.

Dazwischen fährt man aber nochmals durch das Land Niedersachsen. Die Strecke ist sehr geprägt von Dämmen und Deichen.

Zudem gibt es hier unglaublich viele Schafe, die auf diesen Dämmen und Deichen leben und grasen. Diese Tiere haben etwas sehr beruhigendes und sympathisches. Ich konnte sie immer wieder genau studieren, da es eben so viele waren.

Der Weserradweg verläuft hier im Wesentlichen links der Weser. Bremerhaven liegt aber rechts. Um nach Bremerhaven zu gelangen muss man also mit der Fahrrad-Fähre fahren. Diese startet linksseitig in Nordenham-Blexen und fährt eben ein paar Minuten nach Bremerhaven. Und das ziemlich regelmäßig, so dass man ohne Probleme hinüber kommt.

Schiff auf Weser in Bremen - Am Weserradweg im Regen
Auch bei Regen sieht Bremen einfach toll aus. Ein wunderschönes Schiff!

Der Weserradweg von Bremen nach Elsfleth

Zunächst muss man aber aus Bremen hinauskommen. Ich hatte auf der linken Seite der Weser übernachtet – nicht weit weg vom Werdersee. Der Radweg fängt hier schön und idyllisch an. Obwohl es ziemlich regnete, empfand ich es derart.

Zuerst allerdings fährt man nun wieder über die Wilhelm-Kaisen-Brücke hinein in Richtung Altstadt. Man befindet sich nun für kurze Zeit rechts der Weser. Der überwiegende Rest der Etappe war dann wieder linksseitig, nachdem man die Altstadt verlassen hatte.

Wenn man nach der Wilhelm-Kaisen-Brücke nicht abbiegt und dem Weserradweg folgt, müsste man nur geradeaus fahren, um dann auf den Marktplatz zu kommen. Dort stehen auch die Bremer Stadtmusikanten.

Bremer Stadtmusikanten mit Fahrrad - unweit des Weserradwegs
Die Bremer Stadtmusikanten mit meinem Fahrrad! Aufgenommen, als es hier wieder trocken war. Beim Start am morgen des Tags der Arbeit regnete es heftig! Norddeutsches Wetter mit Sturm und so.

Wenn man dem Weserradweg folgt, biegt man aber nach der Brücke ab und muss ab dann geradeaus fahren. Eine ganze Weile. Ich mag die Stadt hier wirklich sehr. Eine wunderbare Architektur. Irgendwie viel ansprechender und einladender als Hamburg.

Unterhalb der Stephanibrücke führt dann ein kleiner Radweg entlang. Über diesen kommt man dann wieder auf die linke Seite der Weser.

Der Rest des Radwegs bleibt jetzt hier auf der linken Seite, bevor man in Nordenham wieder mit dem Schiff auf die rechte Seite fährt.

Durch die Vorstadt Bremens (Woltmershausen) empfand ich es nun ein bisschen trostlos. Aber das mag auch eher am Regen gelegen haben. Jedenfalls würde es später wirklich landschaftlich beeindruckend werden.

Und zwar genau dann wurde es wieder schön, wenn man in Seehausen war. Denn ab dort fuhr man dann wieder direkt neben der Weser und hatte sowohl die Wohngebiete Bremens durchfahren als auch den Bremer Hafen einmal umkurvt.

Flüsse haben eben immer so ihre eigene Ästhetik. Insbesondere wenn sie so groß und mächtig wie die Weser sind. So etwas kenne ich z.B. auch vom Rhein.

Bardenfleth (Berne) an der Weser - wunderschön - Weserradweg
Der Weserradweg bei Bardenfleth. Sieht echt toll aus und ist eigentlich die ganze Zeit so beeindruckend. Trotz Regen.

Der Radweg führt jetzt nur noch direkt an der Weser entlang. Es war trotz des Regens wirklich beeindruckend. Die Radwege sind hier auch wirklich gut. Es war richtig flach. Man fährt nun fast immer auf Asphalt.

Dazu kam der Wind, der manchmal zwar schwer zu fahren war, wenn es Seitenwind gab. Aber meistens kam der Wind von hinten, so dass ich einfach eben noch schneller vorankam. Dafür war ich super dankbar. Rückenwind!

Man fährt hier nur durch kleine Orte wie Lemwerder oder Bardenfleth, die allerdings gleich wieder vorbei sind.

Die Weser ist hier schon relativ nah bebaut. Aber es gibt einen Streifen neben dem Wasser, der eben nicht bebaut ist. Dort führt auch der Weserradweg entlang. Hier gibt es einfach nur Schafe und Deiche. Das hat eine ganz eigene Idylle für sich.

Kurz vor Elsfleth hat man zwei Möglichkeiten zu fahren. Ich habe mich für diejenige entschieden, die über eine sehr enge Eisenbahnbrücke führt, die über einen Zufluß der Weser – der Hunte – geht. Schwenkbrücke wurde sie auf einem Schild auch genannt.

Die andere Möglichkeit wäre über das Huntesperrwerk zu fahren. Dort würde man aber eben nicht durch Elsfleth hindurchkommen, sondern erst dahinter wieder die Halbinsel “Elsflether Sand” verlassen. Der Übergang über das Huntesperrwerk ist immer nur zur vollen Stunde für Radfahrer*innen möglich.

Problematisch an meine Weg über die Schwenkbrücke war aber, dass auf dem holprigen Feldweg hin zur Huntebrücke der Wegweiser in die falsche Richtung zeigte. So bin ich erstmal falsch gefahren, bevor ich 2 Kilometer später erkannte, dass ich umdrehen musste.

Ich fuhr zurück und man gelangt über einen Naturweg, der hauptsächlich aus Wiese besteht zu dieser sehr seltsamen Brücke.

Hier ist man nur mit Gitterstäben vor dem Fall in die Hunte gesichert. Zudem windete es sehr stark. Ich konnte mich also kaum halten, aber es war ein Geländer dort, so dass ich keine Sorge davor haben musste herunterzufallen.

Letzlich eine Brücke, die vielleicht nicht zu den sichersten gehört. Aber so ein kleines Abenteuer muss halt auch mal sein.

Wer das nicht will, der kann ja eben übers Huntesperrwerk fahren. Das ist wohl sicherer.

Eisenbahnbrücke kurz vor Elsfleth - über die Hunte - Weserradweg
Diese Eisenbahnbrücke mit kleinem Fahrradweg an der Seite führt über die Hunte. Das ist ein Nebenfluß der Weser. Kurz vor Elsfleth befindet man sich hier. Ganz schön hakelig, wenn es heftig windet!

Von Elsfleth über Brake nach Nordenham – und schließlich mit dem Fahrradschiff-Shuttle über die Weser nach Bremerhaven

Schließlich kommt man dann nach Elsfleth hinein und wird dort mit ein paar Kanonen begrüßt, die hier vor einem Denkmal stehen. Man ist dann gleich auch in einer schönen kleinen Innenstadt.

Ich mochte die gemütliche Architektur hier übrigens sehr, sehr gerne. In den kleinen Orten hier fühlte man sich sehr wohl.

Der nächste Ort nach Elsfleth ist dann Brake. Bis dahin fährt man auch weiterhin schön an der Weser entlang – ist aber durch einen Damm von ihr getrennt, so dass man sie meist nicht sehen kann.

In Brake gibt es nun das Schifffahrtsmuseum Unterweser. Es befindet sich in einem schönen Ziegelsteinhaus mit Turm. Es ist ein Museum, das über die dortige Schifffahrt aufklärt. An diesem 1. Mai hätte es jedoch ohnehin nicht offen gehabt. Wobei ich auch keine Zeit gefunden hätte.

Das Gute war inzwischen: Der Regen hatte schon wieder nachgelassen. Das Wetter wurde langsam besser. Als ich übrigens meinen Radweg gefahren war – in Bremerhaven – wurde es auf einmal superschönes Frühlingswetter. Ich hatte mir also genau die heftigste Regenzeit zum Fahren ausgesucht. Aber so ist das nun einmal. 🙂 Es gibt ja gute Kleidung!

Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser - Brake (Unterweser) - Weserradweg
Das Schifffahrtsmuseum in Brake an der Unterweser. Beeindruckendes Klinkergebäude mit Turm.

Zurück meiner Radtour. Ins Museum wollte ich jedenfalls sowieso nicht. Ich wollte weiter, um bald in Nordenham-Blexen eine Fähre zu bekommen, um nach Bremerhaven zu gelangen. Ansonsten würde ich auch keinen Zug dort bekommen können (den hatte ich vorher schon gebucht).

Nach Brake (Unterweser) weicht der Radweg nun über das letzte Stück bis Nordenham etwas von der Weser ab. Man fährt leicht ins Landesinnere.

Es folgt zuerst Rodenkirchen. Dort musste ich etwas Schildersuchen, um den richtigen Weg zu finden. Anschließend die kleinen Orte Kleinensiel und Großensiel, um am Ende durch die Stadt Nordenham zu kommen.

Nordenahm ist auch wieder eine kleine, schöne belebte Stadt ganz im Norden Deutschlands. Hier ist auch der Endbahnhof linksseitig der Weser. Der Zug würde hier, wenn er immer weiter nach Norden fährt, irgendwann in der Weser landen. 🙂

Was auch noch schön war kurz vor Nordenham: In der Regel stehen die Schafe ja hinter einem Zaun und fressen gemütlich Gras. Doch zwischen Kleinensiel und Großensiel fuhr man an einem Deich entlang, an dem die Schafe nicht eingezäunt waren.

Kleinensiel Großensiel Schafe Fahrrad Weser Weserradweg Nordenham
Zwischen Kleinensiel und Großensiel fährt man direkt durch eine ganze Menge von Schafen hindurch. Diese sind nicht durch einen Zaun vom Radweg getrennt. Dadurch kommen solche lustigen Bilder zustand.

Zwar war der Radweg an sich eingezäunt, aber es gab eben keine Trennung zwischen Deich und Weg. So liefen die Schafe eben überall herum. Ich war sehr vorsichtig; denn Schafe haben ja eigentlich sehr viel Angst vor Menschen.

Doch Schafe sind halt auch sehr verpeilt und so manches Schaf lief mitten auf dem Weg und bemerkte mich erst sehr spät. Ich kam dennoch gut durch. So einen lustigen Weg mitten durch Tiere hatte ich selten erlebt.

Nur in den Alpen war ich mal einen Wanderweg gefahren, der eben direkt über eine Kuhweide führte. Doch hier am Weserradweg hatte ich so etwas nicht erwartet.

Jedenfalls war ich am Ende dieses Weges am Anfang Nordenhams. Jetzt ging es fast nur noch durch halb-urbanes Gelände. Zuerst, wie gesagt, die Stadt Nordenham – und dann ging es aus hier wieder heraus. Aber man befand sich weiterhin neben Wohngebieten.

Es folgte ein kurzes Stück Straße und ehe ich mich versah war ich dann plötzlich schon am Hafen von Blexen. Ich realisierte das gar nicht so schnell.

Und ich hatte sehr viel Glück. Die Fähre fuhr schon bald! Nach 5 Minuten Wartezeit ging es über die Weser nach Bremerhaven. Glück gehabt!

Das war wirklich eine schöne Fährfahrt, weil die Skyline Bremerhavens von dort wirklich beeindruckend aussieht. Ich war nicht der einzige Fahrradfahrer hier. Nachdem ich den ganzen Tag niemanden getroffen hatte, war hier jetzt auf einmal richtig viel los.

Ich kann mir vorstellen, dass wenn gutes Wetter hier ist, die Radwege hier sehr belebt sind.

Die Skyline von Bremerhaven. Hier befinde ich mich auf der kleinen Fähre, die mich von Nordenham-Blexen nach Bremerhaven führte.

In Bremerhaven angekommen besuchte ich noch das deutsche Auswandererhaus. Zumindest von außen schaute ich es mir an.

Das steht da, weil viele Deutsche vor allem im 19. Jahrhundert ausgewandert sind. Viele gingen eben über Bremerhaven nach Amerika. Sowohl Brasilien als auch die USA hatten einen hohen Anteil deutscher Einwanderer.

So ändern sich die Zeiten! Heute ist Deutschland eher Einwanderungsland als Auswanderungsland. Jedenfalls wäre das bestimmt ein spannendes Museum. Es hatte auch am Feiertag auf.

Aber ich hatte Hunger und wollte noch kurz durch die Innenstadt Bremerhavens. Eine tolle Fußgängerzone. Und jetzt wurde das Wetter gegen Nachmittag noch richtig schön.

Bald würde ich meinen Zug nehmen, zurück nach Bremen fahren und von dort aus nach Hannover, um dann den Nachtzug zurück in meine Heimat zu nehmen. Sehr schön war es hier. Fahrradfahren im Norden: Gerne wieder!

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