200-Kilometer Gravel-Tour: Neckar & Schwarzwald

Nachdem ich mir jetzt endlich ein Gravelbike zugelegt habe, wollte ich es mal wissen: Eine 200 Kilometer Gravel-Tour – schaffe ich so etwas überhaupt?

Ich hatte mir vom Aufbau her eine einfache Tour überlegt. Erst würde ich den Neckarradweg von Tübingen bis kurz vor Sulz fahren und dann schließlich nach Glatt – so bin ich noch nie gefahren.

Anschließend würde es von Glatt am Glattalradweg weitergehen und mein Ziel wäre dann Loßburg. Dort würde ich auf den Kinzigtalradweg wechseln, den ich auch schon kannte. Das Ziel war dann Wolfach an der Kinzig – von dort aus, würde ich einfach wieder zurückfahren wollen.

Die Herausforderung war nur: Nicht auf dem identischen Weg. Das wäre zwar einfacher gewesen und hätte nicht viele Höhenmeter gebraucht. Aber ich wollte die Herausforderung.

Deshalb ging es von Wolfach über Bad Rippoldsau-Schappach bis Zwieselberg erstmal 35 Kilometer nur bergauf und die restlichen 70 Kilometer bis nach Hause waren dann einfach nur noch Formsache.

Neckar und das Glatttal

Beginn meiner kleinen Graveltour war ein für mich schon sehr bekannter Weg: Der Neckartalradweg.

Die Strecke von Tübingen nach Horb habe ich schon ausführlich beschrieben, so dass ich das jetzt hier nicht mehr tue. Insgesamt eine sehr einfache und flache Strecke, bei der man schnell vorankommt. Insbesondere das Neckartal zwischen Rottenburg und Horb-Mühle fasziniert mich jedes Mal, obwohl es direkt vor der Haustüre ist.

Von Horb aus geht es dann in Richtung Sulz. Es kommen aber zuerst Dettingen und Neckarhausen. Hier ist jetzt wichtig, dass man nicht mehr am Neckartal entlang weiterfährt, sondern abbiegt. Es geht durch den Wald und den Berg hinunter ins Dorf.

So kommt man nach Glatt und vor allem zum Wasserschloss Glatt – ein Warhzeichen des Neckartals, das ich aber so noch nie gesehen habe, da der Neckarradweg nicht direkt daran vorbei führt.

Wasserschloss Glatt mit Rennrad
Das Wasserschloss in Glatt mit meinem Rennrad in der Front.

Es folgt ein schönes und idyllisches Stück Glattal, welches einen über Hopfau nach Bettenhausen führt – alles kleine Dörfer.

Erst ab Leinstetten verlässt man die Glatt und das Glattal. Eine schöne Tour, die man auch einfach mal so alleine für sich fahren kann! Sehr empfehlenswert!

Das Ziel ist jetzt Loßburg bei Freudenstadt. Der Abschnitt zwischen Leinstetten und Loßburg ist dann nochmal anspruchsvoll: Über Schotter geht es durch den Wald hinauf. Hier ist die Tour also eine richtige Gravel-Tour!

Dieses Stück musste man also erstmal überwunden haben, um endlich ins Kinzigtal zu gelangen. Das war sozusagen der Schluss meiner heutigen drei Flussradwege.

Im Glatttal am Fluss Glatt radfahren - Gravel-Tour
Das schöne Glatttal…

Kinzigtal – Wunderschöne Abendstimmung

In Loßburg war ich dann endlich an der Kinzig. Zuerst fühlt sich das aber noch nicht so an, da man erst einmal durchs Gewerbegebiet muss: Dann hat man aber die Möglichkeit auf eine schöne Abfahrt.

Mit meinem Gravelbike war diese umso schöner. Erst neulich war ich hier an der entscheidenden Stelle hinter Loßburg gewesen und war (noch knapp vor dem Corona-Lockdown) von hier aus zum kleinen Ort Vierundzwanzig Höfe und dann weiter gen Süden. Dies war der Schwarzwald-Panorama-Radweg, den ich im März diesen Jahres gefahren war.

Doch nun ging es rechts ab, in den Wald, entlang der Kinzig bis nach Alpirsbach.

Alpirsbach Abfahrt Schwarzwald Kinzigtalradweg - Gravel-Tour
Hier geht es hinunter nach Alpirsbach!

Die folgende Strecke ließ mich die Schönheit des Gravelns spüren. Keine ruckelige Abfahrt, die ich hier über mittelgroben Schotter fahren durfte, nein ich gleitete über den Waldboden dahin.

Es fühlte sich toll an und ich kam richtig schnell voran, ums schon bald Alpirsbach zu erreichen.

Hier gönnte ich mir ein leckeres Wasser und ein Eis. Ein Stand durfte offensichtlich wieder offen haben. Das war alles draußen und insofern unrproblematisch. Das Eis schmeckte gut und das Wasser umso mehr.

So konnte ich die letzten Kilometer des Kinzigtalradwegs angehen. Diese waren kein Problem und über Asphaltradwege oder direkt auf Straßen durch die Dörfer schnell zu fahren.

Eis in Alpirsbach gegessen auf Radtour - Gravel-Tour
Eis essen in Bad Alpirsbach. Vanilleeis, lecker…

Ich kam durch Schenkenzell und Schiltach und schließlich durch Wolfach.

Was mir nur noch aufgefallen war: In Schiltach war Hansgrohe am Start. Das ist mir natürlich bekannt von dem Radsportteam Bora Hansgrohe und von dem Wasserhahn, der in meiner Wohnung eingebaut ist.

Ich wusste ehrlich gesagt nicht, dass diese dort ihren Stammsitz haben. Beim ersten Mal Kinzigtalradweg war mir das nicht aufgefallen.

Kinzigtalradweg - 200-Kilometer-Radtour
An der Kinzig entlang ist es einfach nur idyllisch und schön!

“Königsetappe” – Über Rippoldsau-Schappach

Nach Wolfach war es dann soweit: Der entscheidende Berg stand an. Jetzt war ich richtig im Nordschwarzwald und da heißt es eben manchmal: Lange Berge zu überwinden. Der Nordschwarzwald ist eigentlich ein Paradies für Rennradfahrer. Gerade wenn man es etwas anstrengender haben möchte.

Wolfach war sehr belebt, nicht ungewöhnlich für die Coronazeit, da man sich dann eben doch draußen aufhält. Natürlich mit Abstand!

Und Wolfach hat auch eine schöne Fußgängerzone. Die konnte ich aber nur kurz begutachten. Ich fuhr über den Fluss entlang des Wohngebietes raus aus dem Ort.

Schließlich gelangt man zu einer schönen – noch flachen – Strecke, die einen nach Oberwolfach führt. Hier legte ich eine Pause ein, aß etwas und genoß noch die Sonne und einen Blick aufs Grüne.

Oberwolfach - grün Fahrradlenker - Cockpit des Fahrrades mit drei Kameras
In Oberwolfach mit meinem Gravelbike und drei Kameras.

Dann aber ging es richtig los! Erstmal nach ich nach Oberwolfach. Dort wechselte ich auf die Straße und hatte nun einen langen und anstrengenden Anstieg vor mir!

Ich hatte Geduld und Zug um Zug schaffte ich den Anstieg. Er ist nicht richtig steil, zieht sich aber: 30 Kilometer am Stück bergauf.

Man kommt an kleinen Siedlungen vorbei und auch am alternativen Wolf- und Bärenpark im Nordschwarzwald. Doch für das alles hatte ich keinen Blick – ich wollte oben ankommen!

Als ich in Bad Rippoldsau oben war und mein Rad an der Kirche anlehnte, dachte ich mir: “Jetzt habe ich das härteste geschafft, es muss jetzt bergab gehen!”

Bad Rippoldsau Schapbach Kirche
Die Kirche in Bad Rippoldsau. Hier dachte ich wäre der Scheitelpunkt, aber ich musste noch 5 Kilometer bis nach Zwieselberg fahren.

Doch Pustekuchen! Die folgende Straße forderte mich nochmal umso mehr. Es wurde jetzt steiler und ich hatte weitere 5 Kilometer zu absolvieren. Oben war der Zwieselberg. Ein kleiner Teilort, der zwischen Alpirsbach und Freudenstadt liegt und etwas abgelegen umgeben von Bäumen den Scheitelpunkt ausmachte.

Es war jetzt schon abend und ich hatte immerhin noch 70 Kilometer vor mir. Ich hätte gedacht, dass ich das alles schneller schaffen würde, aber so ist das eben manchmal.

Es kommt eben nicht nur auf die Kilometer, sondern vor allem auf die Höhenmeter an – und die haben es hier im Nordschwarzwald eben in sich.

Landstraße zwischen Bad-Rippoldsau-Schapbach und Zwieselberg - Gravel-Tour
Landstraße zwischen Bad-Rippoldsau-Schapbach und Zwieselberg. Bergauf!

Wieder nach Hause nach Tübingen (teils im Dunkeln) – Das lange Ende meiner Gravel-Tour

Doch nun durfte ich erstmal aufatmen. Ein kleines Stück Straße in Richtung Freudenstadt lag vor mir – und schließlich durfte ich in den Wald in Richtung Loßburg.

Das war dann eine schöne Downhill-Strecke, die über Schotter führte. Mit Reiserad wäre das alles beschwerlicher gewesen, aber ich gleitete durch den Wald nur so hin. Der geringe Reifendruck, die breiten Reifen und die guten Scheibenbremsen machen einem das Radfahren so einfacher.

In Loßburg bog ich gleich durchs Wohngebiet ab. Eigentlich war die Strecke ab jetzt angenehm bis auf einen Anstieg bei Schopfloch. Hier musste ich nochmal richtig Körner lassen. Problem war, dass ich etwas zu wenig trinken dabei hatte. Essen war nicht das Problem – ich habe ja auch meine Polster.

Horb-Altheim bei Nacht Radtour
In Horb-Altheim. Es dämmert.

Nach Schopfloch war es vom Höhenprofil nun einfacher. Jedoch war ich einfach platt und quälte mich die letzten Kilometer noch so durch. Es folgte irgendwann Horb-Altheim, Vollmaringen, Bondorf und schließlich und endlich: Rottenburg-Obernau!

Von dort aus wusste ich, dass ich bald daheim sein würde, den die Strecke kannte ich. Über Ammerbuch-Pfäffingen und Tübingen-Unterjesingen geht es in den Westen meiner Heimatstadt nach Hause.

Würde ich so eine Radtour nochmals machen?

Jederzeit! Denn mit Gravel-Bike ist das Touren durchaus viel einfacher und effizienter als mit dem Reiserad. Ich war die nächsten Tage gar nicht mehr so kaputt wie ich das gedacht hätte.

Irgendwann würde ich dann auch mal die 250 Kilometer oder gar 300 Kilometer knacken. Jedenfalls ist durch diese Gravel-Tour Baden-Württemberg für mich ein bisschen kleiner geworden.

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