Der Enztalradweg im Herbst – Von Enzklösterle nach Walheim am Neckar

Den Enztalradweg wollte ich gerne schon länger einmal fahren. Er führt von Enzklösterle bis an den Neckar nach Walheim.

Mit Enzklösterle verbindet mich, dass ich als 15- oder 16-jähriger immer dorthin mit dem Rennrad gefahren bin. Das war damals mein traditionelles Ziel im Nordschwarzwald.

Ich war damals so fasziniert davon, dass nur ein paar Kilometer von uns zuhause in Ehingen (bei Böblingen) entfernt, so ein kulturell anderes Leben herrscht. Das Schwarzwald-Leben.

Enzklösterle ist klein. Es hält sich mit ein bisschen Tourismus über Wasser. Es gibt dort einen Adventure Golfpark. Dazu natürlich viele  Wander- und Fahrradfahrmöglichkeiten.

Dazu ist es von den Immobilienpreisen einer der günstigsten Ort in Baden-Württemberg.

Eigentlich müsste man bei den Immobilien zuschlagen. Vielleich wird Enzklösterle einmal der krasseste High-Society-Ort in der Welt werden. Dann würde man richtig Reibach machen. 🙂

Enzquelle Enzklösterle Gompelscheuer Enztalradweg
Enzquelle in Enzklösterle-Gompelscheuer. Mein Fahrrad hat sich dort sichtlich wohl gefühlt.

Zuerst mal Enzklösterle erreichen – und schließlich auf dem Enztalradweg nach Pforzheim

Nach Enzklösterle zu kommen ist allerdings gar nicht so einfach.

Denn ein Zug fährt dort nicht hin. Noch weniger einer nach Gompelscheuer. Das ist der Ortsteil von Enzklösterle, wo der Enzursprung ist. Dort startet auch der Enztalradweg.

Im Sommer soll es dort einen Shuttle-Bus dorthin geben. Doch der fährt einfach im Oktober dort nicht hin. Auf dieser Seite findet man mehr Infos zu diesem Shuttle-Bus. Alle anderen Orte außer Enzklösterle sind sehr gut mit der Bahn angeschlossen. Es gibt auch einen Radexpress im Sommer. Hier kann man all das buchen:


Von daher entschied ich mich mit der Regionalbahn bis zu einem Ort zu fahren, der zumindest in der Nähe von Gompelscheuer ist. Den Rest wollte ich mit dem Fahrrad fahren.

Ich war nicht so ganz sicher, welche der beste Halt wäre, und guckte mir am Ende die Haltestelle Kirschbaumwasen aus. Doch leider hat diese einen verkürzten Bahnsteig. Als ich die Tür der Bahn öffnete sah ich nur ein Stück Abgrund vor mir – keinen Bahnsteig. Ich versuchte noch mit dem vollgepackten Fahrrad nach vorne zu kommen. Doch ich war viel zu langsam. Die Bahn fuhr weiter.

Schließlich stieg ich eine Station später in Raumünzach aus.

Die Orte hier liegen übrigens alle an der Murg. Sie folgen deshalb auch parallel dem Murgtalradweg – ich kannte diese Strecke ja schon von einer früheren Radtour. Das war ein bisschen hilfreich, aber nur ein bisschen. Ich wollte ja nicht nochmals den Murgtalradweg fahren.

Als ich dann in Raumünzach ausgesteigen war, versuchte ich immer wieder einen Weg zu finden, mit dem ich den Berg zwischen dem Murgtal und Gompelscheuer hätte durchsteigen können.

Das gelang mir leider nicht. Google Maps zeigte mir gar Wege an, die gar nicht existierten. Dazu verpasste ich schon kurz nach Raumünzach eine Einfahrt und vor Schönmünzach eine weitere, die über den Berg nach Gompelscheuer geführt hätte.

In Schwarzenberg fand ich schließlich in der Nähe des Panoramastübles einen Durchstieg durch den Berg. Der war zwar heftig, aber nichts anderes ist im Schwarzwald zu erwarten. Wenigstens hatte ich es nach 3 Stunden Versuch und Irrtum endlich geschafft.

Aber dafür bin ich ja auch der Radtouren-Checker. Ich checke halt Radwege aus, bis ich die richtigen gefunden habe.

Auch wenn der Enztalradweg schwierig zu finden ist – ich finde ihn!

Nächstes Mal steige ich übrigens in Schönmünzach oder direkt in Schwarzenberg aus. Dort ist es nicht weit zum Panoramastüble. Und so kann ich dann nach Gompelscheuer kommen.

Nach einem heftigen bergauf und bergrunter war ich nun am Ursprung in Enzklösterle. Ich war sehr froh darüber. Ich verbrachte nicht viel Zeit dort und fuhr direkt los.

Man fährt erstmal bergab von Gompelscheuer nach Enzklösterle. Also in den Hauptort hinein. Der Ursprung der Enz ist ja in Gompelscheuer, einem Teilort von Enzklösterle.

Die Landschaft ist hier sehr ursprünglich. Es gibt Wälder, Brunnen, Holzlager, Natur – und noch ein Leben das von Landwirtschaft geprägt ist. Das findet man wohl nicht mehr so oft in dieser ursprünglichen Form. Hier fühlt es sich jedenfalls nach Ursprünglichkeit an.

Bis Bad Wildbad ging es viel bergab. Aber es gibt auch immer wieder leichte Steigungen.

Man befindet sich nach diesen Steigungen oberhalb des Flusses und hat so einen tollen Blick auf die Enz. Man kommt durch die Ortschaft Nonnenmiss, fährt auch etwas durch den Wald, um am Ende im schönen Bad Wildbad zu landen.

Bad Wildbad Enz Enzklösterle
Bad Wilbad mit der jungen Enz.

Bad Wildbad ist die erste größere Ortschaft an der Enz. Die Enz ist hier schön ins Stadtbild eingeflochten.

Es hat dort eine wunderschöne Fußgängerzone. Viele Cafés, Bäcker und Restaurants gibt es hier. Und bei diesem guten Wetter hier im Oktober kann man es sich auch richtig gut gehen lassen, was auch viele taten. Es war recht belebt hier.

Eine Kurstadt ist Bad Wildbad übrigens auch. Ich holte mir kurz etwas vom Bäcker und es ging dann gleich weiter.

Nach Bad Wildbad fuhr ich noch an Schafen vorbei. Sehr gute Schafe. Es war trotz der Schafe etwas städtischer als am Beginn des Radwegs bis Bad Wildbad. Ich fuhr an Straßen entlang und durch Wohngebiete.

Calmbach hieß der Ortsteil mit den Wohngebieten. Anschließend folgt Höfen an der Enz. Dort wird es dann wieder etwas ruhiger und ländlicher.

Kurz vor Neünburg (so heißt der Ort wirklich) fährt man idyllisch durch einen Wald. In Neünburg selbst macht die Enz schließlich eine Schleife.

Man fährt in der Stadt recht enznah. In Neuünburg gibt es auch ein Schloss, dass mir allerdings nicht so aufgefallen ist. Vielleicht sieht man es vom Weg aus nicht – oder ich war einfach zu verpeilt.

Nun ist das nächste große Ziel natürlich Pforzheim. Zuvor kommt man allerdings noch in Birkenfeld vorbei.

Pforzheim Enz Enztalradweg
Pforzheim gilt nicht als die schönste Stadt auf der Welt. An manchen Ecken, an der Enz, finde ich sie aber ganz und gar nicht häßlich.

Enztalradweg von Pforzheim nach Walheim an den Neckar

Wenn man nach Pforzheim hineinfährt – am Enztalradweg entlang – dann findet man die Stadt gar nicht so schlimm, wie immer alle sagen.

Ich habe sogar schon von einheimischen Pforzheimern gehört, dass sie die Stadt als “häßlich” empfinden. Vielleicht kommt es aber darauf an, wo man fährt.

Die Enzpromenade außerhalb und innerhalb von Pforzheim ist ganz nett geworden. Es ist ein recht guter Fahrradweg. Nur an ein zwei Stellen muss man vielbefahrene Straßen überqueren. Ohne dass es groß eine Ampel gibt, wenn ich mich recht erinnere.

Ansonsten ist es recht schön durch Pforzheim durchzufahren bei diesem guten Wetter, das ich hatte. Die ehemalige “Goldstadt” wurde im 2. Weltkrieg sehr arg zerstört, so dass sie ihren alten Charme verloren hatte.

Man hat es anscheinend nicht mehr geschafft, diesen wieder herzustellen. Wahrscheinlich passiert das aber erst nach und nach. Pforzheim ist ja da nicht die einzige Stadt. Z.B. ist Heilbronn auch sehr zerstört worden – und sogar Stuttgart.

Was ich allerdings in Pforzheim merkte: Ich hatte zum Start meiner Tour wirklich viel Zeit  verplempert. Die vielen Versuche von Räumünzach nach Gompelscheuer zu gelangen, hatten doch viel Zeit gekostet, die mir jetzt fehlte.

Ich würde auf jeden Fall im Dunkeln in Walheim ankommen. Also entschied ich mich ab Pforzheim den Turbo einzuschalten.

Allerdings: Panik hatte ich nicht besonders. Ich würde es zeitlich schon schaffen – und ganz zur Not könnte ich z.B. in Vaihingen an der Enz in die Bahn steigen.

Vaihingen an der Enz – das war jetzt auch mein nächstes großes Ziel. Von Pforzheim nach Vaihingen sind es ca. 30 Kilometer.

Zuvor kam ich jedoch noch in Mühlacker vorbei. 13 Kilometer hinter Pforzheim. Dort habe ich das schöne Titelbild dieses Blog-Beitrags mit der Burg und mit der Enz geschossen.

Hier hatte ich eine echt schöne Abendstimmung. Die Sonne stand schon tiefer und mitten in der Stadt überquert man schließlich eine Enzbrücke. Es geht auf der anderen Enzseite weiter.

Es waren jetzt – vor und hinter Mühlacker – vor allem Feldwege, die ich fahren musste. Es ging nicht mehr so viel bergab wie am Beginn des Radwegs und man merkte, dass man den Schwarzwald nun verlassen hatte.

Es gibt hier jetzt nicht mehr so viel Schwarzwaldfichten. Die Landschaft verändert sich. Der Enztalradweg verändert sich.

Die Sonne verließ mich jetzt langsam. Dafür konnte ich jetzt ein besonderes Naturschauspiel begutachten.

Kurz vor Vaihingen an der Enz bei Roßwag (ein Stadtteil von Vaihingen) kommt man an die Enzaue. Das ist ein Naturschutzgebiet – ein wirkliches Highlight auf dem Enztalradweg. Die Wiese, die Bäume und Baumgruppen am Enzufer sollen hier geschützt werden.

Man konnte nun beobachten wie sich ein sanfter Nebel auf die Landschaft legte. Es war nicht wirklich nebelig, man konnte alles gut sehen. Aber auf den Wiesen befand sich so etwas wie ein weißer Schleier voll von Luftfeuchtigkeit.

So wie Zuckerguß sah das aus. Ich konnte mich kaum sattsehen – so schön war das dort.

Seit 1984 ist die Enzaue hier wohl ein Naturschutzgebiet – und das zurecht!

Rosswag Enzaue Vaihingen an der Enz Nebel Enztalradweg
Das hier ist die Enzaue in Rosswag (Vaihingen an der Enz). Echt beeindruckend mit diesem Nebelschleier, der sich hier über das Land zieht.

Nun wurde es sichtlich bald dunkel. Die Landschaft veränderte ich kurz vor Vaihingen wieder. Die ersten Weinhänge kamen zum Vorschein.

Das erinnerte mich etwas an den Neckarradweg. Der aber würde ja auch nicht weit sein. Wenn man in Besigheim und Walheim am Neckar ist, so hat es dort überall Weinhänge. Überall dort wird Wein angebaut.

Als ich vor Vaihingen an der Enz war, da war es dann schließlich schon dunkel. Das Schloss Kaltenstein, das einem hier entgegentritt, konnte ich nur noch im starken Dämmern fotografieren. Insofern sah ich jetzt nicht mehr viel.

Es hätte sich auch nicht mehr so richtig gelohnt, jetzt noch mehr Dunkelheit zu fotografieren.

Ich wollte jetzt bald auf den Zug. Doch nach Walheim waren es von hieraus doch noch ca. 30 Kilometer.

Schloss Kaltenstein Vaihingen an der Enz Enztalradweg
Das Schloss Kaltenstein in Vaihingen an der Enz im Dunkeln.

In Oberriexingen gab es noch eine kleine, nicht ausgeschilderte Umleitung. Ich fand den Umweg aber schnell. Anschließend war mein Ziel Bietigheim-Bissingen. Dorthin fuhr man entlang der Straße, war aber durch einen kleinen Wald von ihr getrennt.

Von Bietigheim-Bissingen sah ich des Nachts jetzt nicht so besonders viel. Es war jetzt auch etwas kalt, so dass ich möglichst nicht mehr stehen blieb, sondern durchfuhr.

Ich kam hinter Bietigheim-Bissingen noch an einem Fussballspiel, einem Flutlichtspiel vorbei. Das mag ich immer sehr gerne. Diese nächtliche Stimmung versprüht irgendwie etwas gemütliches.

Denn im Gegensatz zu den Fussballern mache ich ja kein Sport. Ich fahre ja nur Fahrrad! Und das ist viel weniger anstrengend und hat zuweilen auch etwas meditatives.

Ich kam nun in Besigheim an. Die Stadt kannte ich schon vom Neckartalradweg. Wer Fotos von dort sehen will, kann das gerne hier tun, indem er auf den Link klickt. Eine schöne Altstadt hat Besigheim mit engen mittelalterlich anmutenden Gässchen.

Jedenfalls kommt nach Besigheim noch Walheim am Neckar. Dort fließt die Enz schließlich in den Neckar – genau zwischen Besigheim und Walheim. Gemarkungsmäßig ist man dann jedoch in Walheim.

Dort suchte ich nur noch den Bahnhof, den man nach 2 Kilometern auch erreicht. Ich war im warmen Zug und fuhr schnell heim nach Tübingen.

Mein Fazit: Der Enztalradweg ist etwas besonderes, weil man durch so verschiedene landschaftliche Gebiete kommt. Auf den ersten Blick hat man gar nicht das Gefühl, dass diese Gebiete etwas miteinander zu tun hätten. Der Enztalradweg verbindet den tiefsten Nordscharzwald mit dem städtischen Pforzheim und dem württembergischen Neckartal.

Besigheim Walheim Neckar Enztalradweg
Besigheim am Neckar bei Nacht. Es waren dort nur noch 2 Kilometer bis ans Ziel nach Walheim am Neckar.

 

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