Bodenseeradweg 2021: Komplette Umrundung am Stück geschafft!

Endlich habe ich es geschafft. Zwar nicht schnell, aber Hauptsache geschafft! Im November 2021 habe ich erstmals den Bodenseeradweg komplett umrundet. Das sind 260 Kilometer insgesamt, die weitgehend flach verlaufen. Nur bei… gibt es einen Berg.

Bei den ersten beiden Malen war ich gescheitert. Ich brauchte einfach zu lange. Das erste Mal war ich im Winter mit Reisefahrrad auf 160 Kilometer gekommen (von Konstanz bis Friedrichshafen), das zweite Mal waren es immerhin 200 Kilometer gewesen (bis Bregenz in Österreich).

Luxusrestaurant in Konstanz - Bodenseeradweg Umrundung.
Luxusrestaurant in Konstanz.

Jetzt hatte ich immerhin das richtige Rad. Mit dem Gravelbike sollte ich es schaffen. Ich war zwar langsam, aber egal. Hauptsache umrundet!

Der 3. Versuch klappt endlich…

Die ersten beiden (gescheiterten) Versuche könnt ihr hier nochmals nachlesen (das war alles in den Anfangszeiten meines Blogs):

Man muss dazu sagen, dass ich damals noch ganz am Anfang meiner Radreise-Tätigkeiten war und ich noch nicht wusste, in welche Richtung das geht. Außerdem ist ein Gravelbike eben sehr viel leichter als ein Reiserad mit Packtaschen.

Start beim Luxus-Restaurant in Konstanz (Smiley) – und ab durch die Dunkelheit

Start war in Konstanz vor einem „Luxusrestaurant“. Das einzige, das noch offen hatte. Ich bestellte dort einen vegetarischen Burger, eine Pommes und eine Cola, was man halt so in Luxusrestaurants bestellt.

Ich war auch nicht der einzige. Das Konstanzer Partyvolk war unterwegs. Nach einer Stunde war ich schließlich bereit. Ich machte mich auf den Weg in Richtung Grenze nach Kreuzlingen. Hier war es noch beleuchtet. Ich kannte mich aus und kam erstmal gut voran (nach ein paar obligatorischen Fotos).

Start an der Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz (zwischen Deutschland und der Schweiz).
Start an der deutsch-schweizerischen Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz.

In der Schweiz sollte es dann so richtig losgehen. Im Dunkeln ging das alles gar nicht so schnell. Dennoch war ich beim ersten gefühlten „Checkpoint“ in Stein am Rhein ganz gut in der Zeit.

Von der schönen Innenstadt sieht man nur Konturen. Überhaupt war hier gar nichts los. Der Bodenseeradweg, der sonst so frequentiert ist, war total ruhig. 200.000 Radler sollen im Jahr um ihn fahren. Im November, nachts, sind sie aber nicht da.

Man muss sagen: Die Dunkelheit machte mich schon langsamer. Ich habe zwar ein gutes Fahrradlicht von SON. Aber dazu hatte ich noch einen Leuchter dabei, den ich anstecken kann. Allerdings ist der nicht mehr neueste. Da sollte ich mir mal wieder was zulegen. Der ging dann übrigens auch irgendwann aus, so dass ich lediglich mein (allerdings sehr gutes) Standard-Licht von SON hatte, das an einem Nabendynamo hängt.

Stein am Rhein bei Nacht am Bodenseeradweg - komplette Umrundung 2021.
Stein am Rhein im Dunkeln. Das erste Stück geschafft.

Der Berg und endlich hell

Ich fahre ja immer erst von Kreuzlingen nach Westen und dann eben über die Höri wieder zurück nach Konstanz. Das Gute war: Ich war definitiv schneller als beim letzten Mal. Da war es in Allensbach schon hell geworden. Jetzt war ich hinter Konstanz in Wallhausen.

Kurz vor dem einzigen krassen Anstieg am Bodenseeradweg wurde es rechtzeitig hell. Das stimmte mich optimistisch. Schnell war ich nicht, aber das wichtigste war, dass ich es schaffen würde.

Pause in Ludwigshafen am Bodensee - Bodenseeradweg Umrundung.
Pause in Ludwigshafen am Bodensee.

Durch Konstanz war ich komplett im Dunkeln gefahren. Erwähnenswert ist noch, dass die Radwegeführung sich zwischen Allensbach und Konstanz geändert hat. Hier wurde der Radweg verbessert, soweit ich das sehe. 2019 war ich das letzte Mal hier gewesen.

In Ludwigshafen am Bodensee machte ich eine Pause. Die hatte ich mir verdient. Ich hatte auch richtig Mega-Hunger und gönne mir ein bisschen etwas zu essen.

Nach einer dreiviertel Stunde fuhr ich dann weiter. Wichtig war, dass es mir nicht kalt werden würde. Dann könnte es auch vorbei sein. Doch es ging von der Temperatur her.

Ziel war jetzt schnell nach Friedrichshafen zu gelangen. Dort besuchte ich noch einen Bäcker und machte noch eine Pause. Vielleicht eine Pause zu viel. Aber sonst hätte ich nicht durchgehalten.

Die Strecke zwischen Friedrichshafen und Lindau war dann auch die schnellste für mich. Nach Lindau drohte schon wieder die Dämmerung. Es ist halt im Winter mehr dunkel als hell.

Friedrichshafen am Bodenseeradweg - Umrundung 2021.
Friedrichshafen Innenstadt bei der Umrundung des Bodenseeradwegs.

Lindau: Nur noch schlappe 80 Kilometer

Jedenfalls war ich froh, es nach Lindau schon einmal geschafft zu haben. In Lindau war jetzt auch tatsächlich etwas Radverkehr unterwegs, aber eben nur in der Stadt.

Bregenz am Bodenseeradweg - Umrundung 2021.
Hier musste ich umdrehen. Der Uferweg in Richtung Bregenz war gesperrt.

Auf die Insel fuhr ich nicht. Dafür hatte ich keine Zeit. Am Kreisverkehr ging es dann einfach geradeaus. Schnell wollte ich in Österreich sein.

Erschwerend kam hinzu, dass der schöne Uferweg bei Bregenz gesperrt war. Verständlich. Besser jetzt zu sperren als im Sommer, wo hier richtig viel los ist.

Aber für mich war es doof. Ich musste die Straße entlang fahren, war dann aber beim Hafen wieder in Bregenz. Jetzt waren es noch ca. 70 Kilometer. Ich würde es schaffen!

Ich beeilte mich und so beim Rheindelta fing es an zu dämmern. Als ich in Rheineck, wieder in der Schweiz war, war es dann dunkel. Jetzt ließen auch die Kräfte wieder etwas nach.

Aber der Wille war da! Ich wollte es schaffen.

Riesenrad von Kreuzlingen aus gesehen am Bodenseeradweg - Umrundung 2021.
Riesenrad am Ende des Radwegs!

Geschafft! Langsam, aber egal: Der Bodenseeradweg ist umrundet

Jedenfalls eierte ich die letzten ca. 60 Kilometer durch die Schweiz. Den Weg kannte ich meistens. So war das kein Problem.

Konstanz am Bahnhof - Bodenseeradweg Umrundung geschafft.
Geschafft! Wieder am Bahnhof in Konstanz nach 260 Kilometern.

Aber die Schrauben meiner Ritzel vorne lösten sich wieder. Ich wusste nicht, was da los war. Ein paar Wochen später, als ich einen Fahrradmechaniker zu Hand hatte, wusste ich es: Problem war, dass die Kassette hinten einfach durch war. Ich konnte also auch nicht so richtig durchtreten. Intuitiv fuhr ich auch etwas vorsichtiger (das machte mich auch etwas langsamer).

Jedenfalls war ich so glücklich, als ich endlich in Kreuzlingen war! Dort gibt es eine Stelle, wo man auf den Bodensee blicken kann, wenn es hell ist. Von dort aus sah man ein Riesenrad, das beleuchtet war.

Nur noch wenige Meter waren es dann über die Grenze bis nach Konstanz. Wieder den letzten Zug nahm ich nach Tübingen. Nur die Bahn konnte mir einen Strich durch die Rechnung machen, was sie aber netterweise nicht tat.

In Radolfzell hatte ich noch Zeit und gönnte mir schnell einen Döner, den ich wirklich schnell verputzte.

Das erste Mal in meinem Leben war ich 260 Kilometer am Stück gefahren. 19 Stunden hatte ich gebraucht. So schnell wie Jonas Deichmann, den Weltumradler, werde ich nicht mehr werden. Aber vor 200-Kilometer-Touren habe ich definitiv keine Angst mehr.

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