Eine Weltreise mit dem Fahrrad? Oder besser “Nah”-Reisen mit dem Fahrrad?

Die Inspiration für diesen Blog und für meine derzeitigen Radfahr-Exzesse, habe ich von einer wachsenden Reiseradler-Szene. Dass diese Szene wächste, nehme zumindest nicht nur ich wahr.

Laut dem Blog Bike-Tour-Global waren im Jahr 2016 59 Radlerinnen und Radler im deutschsprachigen Raum unterwegs, die über über 10.000 Kilometern absolviert haben oder planen dies zu tun. Und der Blog legt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ich habe zwar auf meiner Radtour durch Europa nur knapp über 5.000 Kilometer geschafft. Aber wenn ich mehr Zeit gehabt hätte (so vielleicht 4-6 Monate) wäre ich sicherlich auch über 10.000 Kilometer gefahren.

Aber auf die Kilometerzahl kommt es ja auch nicht nur an. Es geht einfach um Erfahrungen, um Spaß und durchaus auch ums Quälen. Viele dieser Reiseradler finde ich faszinierend und lese gerne ihre Blogs. Doch ich überlege mir auch: Man kann in unmittelbarer Nähe so viele Radtouren fahren. Warum weit reisen, wenn das gute so nah ist?

Deshalb bin ich dazu übergegangen, Radwanderwege in Deutschland, Österreich und Schweiz zu recherchieren. Hier gibt schließlich auch sehr vieles zu entdecken.

Oder auch Frankreich, Italien und die Benelux-Länder sind nicht weit von meinem Heimatort Tübingen entfernt.

Außerdem mag ich Osteuropa sehr gerne. Ich war auch noch nie in Prag und möchte unbedingt gerne mal mit dem Fahrrad nach Prag fahren (lediglich in Brünn war ich auf meiner Europa-Radtour).

Anstatt also eine Weltreise mit dem Fahrrad zu planen, will ich gerne in der Nähe Fahrrad fahren. So bin ich zudem nicht wochenlang von meiner Heimat weg. Was ich ohnehin nicht sein könnte, da ich in meiner Heimatstadt Tübingen Stadtrat bin.

Erfahrungsbericht für den Donauradweg: Der Ulmer Münster
Am Donauradweg entlang landet man auch am Ulmer Münster. Ulm ist nicht weit weg von mir, aber dennoch das Tor zu unglaublichen Radreisen (z.B. nach Wien).

Über Weltreiseradler, die mich faszinieren und inspirieren

Meine este Inspiration waren Hoeppner & Hoeppner. Die beiden sind im Jahr 2013 mit dem Fahrrad von Berlin nach Shanghai gefahren. Über 13.000 Kilometer. Teilweise über den Himalaya auf 5.000 Meter Höhe. Beeindruckend!

Diese beiden Zwillinge haben mich nicht nur wegen der Tour fasziniert. Ihr Video ist auch äußerst unterhaltsam. Das zeichnet sie gegenüber vielen Reiseradlern aus.

Der bekloppteste – im positiven Sinne – Reiseradler ist wohl Heinz Stücke. Der ist in den 60er Jahren losgefahren und hat seitdem über 500.000 Kilometer absolviert. Eine lebenslange Fahrrad-Weltreise!

Interessanterweise hat Heinz Stücke auf der ganzen Tour ein Dreigang-Rad verwendet. Die heutigen Reiseradler sind natürlich fahrradtechnisch deutlich besser ausgestattet.

Sehr gut finde ich auch den Blog von Martin Moschek. Hier erfährt man allerhand über Technik und viel praktische Tipps. Er war auch neulich im Interview auf SPON und hat selbst allerhand Reiseradler interviewt.

Auf seinem Blog findet man die ausführlichsten Infos über die komplette Reiseradler-Szene. Ein sehr guter Fahrrad-Blog! Ein Fahrrad-Weltreise-Blog, wenn man so will!

Auch cool finde ich Carmen Mickley mit Ihrer Vegan World Friendship Tour. Sie ist schon (Stand März 2017) 2 Jahre unterwegs und ich verfolge gerne ihren Blog. Eine wirklich mega-krasse Weltreise mit dem Fahrrad hat sich die Hamburgerin da vorgenommen (in Richtung Südostasien).

Ich selbst bin ja Vegetarier und habe mir schon überlegt, ob man das Vegetariersein auf so einer langen Reise überhaupt durchhalten könnte. Man wird ja sicherlich mal eingeladen und es wäre dann vielleicht unhöflich, die dortigen Gerichte abzulehnen.

Umso krasser wenn man es schafft, diese ganze Radreise vegan durchzukommen! Respekt und viel Glück und so…

Eine Legende ist natürlich noch Tilmann Waldthaler. Der aus Südtirol stammende gelernte Koch fährt auch schon seit Jahren mit dem Fahrrad um die Welt.

Er ist in den 70ern losgefahren und hat dabei über 200.000 Kilometer zurückgelegt. (Ich denke es sind mehr – auf Wikipedia habe ich nur die großen Touren gefunden.)

Dorothee Fleck ist auch spannend. Sie ist als Frau vollkommen allein unterwegs und ist auch nicht mehr weit weg von den 50.000 Kilometer (sagt ihre Webseite im März 2017).

Sie ist derzeit durch Afrika unterwegs, was ich mir nicht nur kompliziert vorstelle wegen der Infrastruktur, sondern auch anstrengend wegen dem unterschiedlichen Klima. Dorothee Fleck war mit Infos über ihre Fahrrad-Weltreisen auch schon bei Markus Lanz zu sehen.

Ich beneide sie alle ein bisschen um ihre Weltreise mit dem Fahrrad, aber letzlich hängt das auch von persönlichen Lebensumständen ab, ob man so etwas machen kann oder nicht.

 

Warum man beim Fahrradfahren vielleicht erst an die Sehnsucht der Ferne denkt und die Nähe vergisst

Jetzt möchte ich noch die Frage erörtern, warum man beim Reiseradeln vielleicht zuerst an “weit weg” denkt und die Radtouren in seiner unmittelbaren Nähe dabei vergisst.

Denn zuerst liegt interessanterweise der Gedanke an die große Weltreise mit dem Fahrrad (oder vielleicht Europareise) nahe und dann erst kommt der Gedanke an den Neckarradweg, an den Enztalradweg oder den Altmühltalradweg.

Aber warum ist das so? Und: Muss das so sein?

Natürlich haben die meisten Menschen in ihrem Leben schon einmal eine normale Fahrradtour gemacht. Aber ich denke hier nicht an Fahrradfahren an sich, sondern an Reiseradfahren.

Auch denke ich weniger an die Sportler, die Rennrad fahren. Denen ist es meist egal, wo sie sind. Es geht ihnen um Sport.

Das spezifische des Reiseradfahrens in dem von mir gemeinten Sinne besteht darin, dass man neben der sportlichen Betätigung noch nach mehr strebt.

Mein Fahrrad mit Taschen am Mittelmeer
Sehnsuchtsort Mittelmehr mit Fahrrad (eher weit weg von Tübingen, meiner Heimatstadt)

Ein mancher wird dabei an Abenteuer denken, ein anderer an Kultur und Geschichte und ein Dritter an das Kennenlernen von Menschen, um über Land und Leute etwas zu erfahren. Oder es kann sogar um Politik und einen sozialen Zweck gehen.

Primär geht es bei diesem Reiseradfahren um die Erfahrung. Nicht darum, um möglichst schnell zu sein, sondern um ein Erlebnis. Letztlich geht es auch um Geschichten, die man während des Reiseradfahrens erlebt.

Um diese spezifische Art des Reiseradfahrens geht es mir.

Wenn man daran denkt, dann ist es sogar berechtigt zu sagen, dass man in der weiten Ferne sicherlich am ehesten zu Geschichten kommt und auch zu Erlebnissen.

In der unmittelbaren Nähe bekommt man diese eher nicht. Denkt man zumindest.

Doch auch wenn es wohl richtig ist, dass man in der Ferne eher abgefahrene kulturelle Erlebnisse als in der Ferne hat, so gilt das nur unter der Voraussetzung, dass man seine unmittelbare Heimat kennt.

Und in einer globalisierten Welt kommt das eben vor. So soll es Hamburger geben, die zwar schon in China waren, aber noch nie etwas von der schwäbischen Kehrwoche gehört haben.

Und hier kann man ansetzen: Das Erlebnis (des Radfahrens mit dem Reiserad) kann auch jenseits der Ferne nahe der Heimat gefunden werden.

Es ist nachvollziehbar, dass man beim Reiseradfahren zuerst an die Ferne denkt. Der Gedanke an die Weltreise mit dem Fahrrad liegt nahe. Aber reisen kann man auch in der Heimat.

 

Mein Plan: Erstmal die Radwanderwelt um mich herum erkunden – und später vielleicht in die Ferne radeln

Ehrlich gesagt muss ich sagen, dass mein Radreisetum ja auch mit einer langen Radtour durch Europa begonnen hat.

Zwar keiner Weltreise mit dem Fahrrad, aber immerhin.

Nach meiner zweimonatigen Rundtour durch Europa habe ich mir gesagt: Das kann es doch nicht gewesen sein.

Ich will weiterfahren, möchte das aber auch mit meinem Job im Internet-Business, meiner Musik (SongSlams) und mit meinem Amt als Stadtrat in Einklang bringen.

Da kam mir die Idee: Wieso nicht einfach alle nur erdenklichen Radwanderwege in der näheren Umgebung abfahren! (Donauradweg, Neckarradweg, Bodenseeradweg, Elberadweg etc.).

Radtouren Checker Bodenseeradweg Bodensee Radtour
Ich mit Fahrrad am Bodensee im Januar 2017.

Damit bin ich dann auch eine Weile beschäftigt (ein paar Jahre) und kann doch irgendwie immer zu Hause bleiben.

Ein Vorteil diese Fahrradfahrens in der Nähe ist zudem: Die Leute können es eben auch mal nachfahren. Wenn man jetzt durch den Iran oder China fährt, gibt es nicht so viele Leute, die das spontan nachradeln können.

Deshalb macht für Nah-Touren ein Blog eigentlich mehr Sinn als für Ferntouren. Der Fahrrad-Nahreise-Blog ist zumindest für den Otto-Normal-Fahrradfahrer praktischer als der Fahrrad-Weltreise-Blog.

Es sei denn, man möchte sich halt darüber informieren, wie es in Russland, China, im Iran etc. aussieht.

Und mit Leuten, die meine Radrouten nachradeln sollen, meine ich natürlich Sie, ihr und Dich! Also Euch alle, die ihr hier diesen Blog lest!

Fahrt sofort los, wenn eine meine Radtouren (hier der Überblick) direkt bei Euch in der Nähe ist!

Aber ich werde mal sehen. Jetzt will ich möglichst viel meine Umgebung checken. Das heißt aber auch in ganz Deutschland. Gerne auch Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und etwas Osteuropa.

Vielleicht werde ich aber in der Zukunft dennoch ein Jahr Auszeit nehmen und schließlich auch eine Weltreise mit dem Fahrrad in Angriff nehmen.

Wer weiß denn das so genau?

Denn es gibt nicht die eine Fahrradfahrer-Wahrheit – sondern tausende oder Millionen!

 

 

2 Gedanken zu „Eine Weltreise mit dem Fahrrad? Oder besser “Nah”-Reisen mit dem Fahrrad?“

  1. Hi Markus,
    wenn man Deine Seite durchblättert, könnte man gerade wieder Lust zum losradeln kriegen… Meine Weltumradelung mit Peter liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, smile, aber die Abenteuer sind mir sehr präsent.

    Ich wünsche Dir viele tolle Erlebnisse auf Deinen Touren und grüsse herzlich aus Freiburg i.Br.,
    Elena Erat

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    • Hi Elena,
      danke für Deine Motivation! Aber 45.000 Kilometer wie Du das geschafft hast, da bin ich noch weit davon weg. Nicht schlecht, also sehr gut, meine ich!
      Und dann durch 5 Kontinente.
      Ich fahre derzeit fast nur in Deutschland und etwas in Europa… Mehr lassen meine Lebensumstände gerade leider nicht zu.
      Aber jeder halt so wie er will und kann,
      Hau rein,
      Markus

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