Alleine radreisen oder mit anderen?

Seit 2016 bin ich jetzt nun intensiv auf dem Fahrrad unterwegs. Zuerst mit Reiserad, später mit Gravelbike. Meistens bin ich allein auf meinen Radreisen. Gerne bin ich Solitär und genieße auch die Ruhe.

Doch allein auf dem Fahrrad zu reisen kann auch anstrengend sein. Vollständig ohne soziale Kontakte verarmt man als Mensch. Dabei kann das Alleinreisen eben auch für die Seele ziemlich gut sein und ein gelungener Ausgleich sein.

Ich will hier die Vorteile und Nachteile des Allein-Radreisens beleuchten!

Mit anderen radzufahren ist manchmal kompliziert. Erst einmal muss man jemanden finden, der den gleichen Rhythmus wie man selbst hat. Das darf man nicht unterschätzen.

Außerdem erfordert mit andern Radzureisen mehr Organisation. Auch das will ich in dem Artikel aus meinem Erfahrungsschatz beleuchten. Denn ich bin auch schon in Gruppen unterwegs gewesen.

Wenn man zu zweit oder zu mehreren Rad fährt, geht es nicht ohne Kompromisse: Beim Aufstehen, bei der Geschwindigkeit, Sehenswürdigkeiten, welches Essen etc. Vermeintliche Kleinigkeiten können bei einer Radreise schwer zu schaffen machen.

Historische Schaertbruecke bei Ausserbinn - Spannende Brücke am Rhoneradweg.
Allein über eine Brücke… Allerdings war ich damals mit Begleiter unterwegs (der Fotograf).

Manchmal fahre ich auch mit anderen Fahrrad. Für mich ist das eine gelungene Abwechslung. Doch meistens bin ich allein auf dem Rad.

Jedenfalls möchte ich im folgenden beide Möglichkeiten vergleichen. Kommen wir erst zum Thema „Alleinreisen auf dem Rad„:

Alleine auf Radreisen: Erfahrungen

Wer alleine mit dem Fahrrad unterwegs ist, der muss vor allem mental stark sein. Dazu muss man es mögen. Für einige Menschen wie für mich kann das Alleinsein auf dem Fahrrad sogar gut für die Seelenhygiene sein. Man kann komplett abschalten.

Ich bin gerne in Gesellschaft und Gemeinschaft, aber oft brauche ich unbedingt Ruhe vor ihr. Wenn ich Radtouren mache, finde ich diese und erlebe gleichzeitig einiges.

Dazu kommt: Wenn man allein reist, ist man quasi auf andere angewiesen. Ich bin nicht die extrovertieste Person und komme dennoch leicht mit Menschen ins Gespräch, wenn ich allein radfahre.

Zum Beispiel, wenn mir eine Fahrradpumpe fehlt oder wenn ich in der Bahn im Fahrradabteil Leute treffe und über Radrouten mit ihnen spreche.

Was ein Vorteil beim Alleinreisen ist, dass man nicht auf andere Leistungsvermögen achten muss. Jeder hat sein eigenes Tempo und wer mit anderen reist, muss sich auf sie einstellen.

Wer vielleicht zu zweit oder zu dritt ist, der ist eine geschlossene Einheit und seltener kommen Leute auf einen zu. Man unterhält sich untereinander und „braucht“ niemanden andern. Wobei es natürlich drauf ankommt: Es gibt Menschen, die ziehen andere geradezu an und es ist egal, ob sie in Gruppen oder alleine unterwegs sind. Ich glaube, ich bin kein solcher Mensch.

Pause in Marktheidenfeld am Mainradweg
Pause machen kann man, wenn man alleine reist ziemlich spontan!

Alleine, finde ich, kommt man mehr ins Denken oder manchmal auch ins Nicht-Denken und Seele baumeln lassen. Das Alleinereisen hat etwas Meditatives. Man kann sich vergessen und kommt zu neuen Gedanken.

Dabei denke ich auch oft an nichts. Das kommt auch vor und schweife in der Landschaft herum.

Das erste was verloren geht, wenn man zu mehreren ist, ist die Sponteanität. Wenn man eine Sehenswürdigkeit anschauen will, wenn man mal eine Abzweigung nehmen will oder eben auf dem Weg bleiben will: Man muss immer Kompromisse machen. Spontan eine andere Richtung einschlagen kann man besser alleine.

Was man auch besser machen kann, wenn man alleine auf dem Fahrrad reist, ist Podcasts hören. Das mache ich definitiv nicht immer. Aber für monotone Strecken oder welche, die man schon kennt, ist das sehr empfehlenswert.

Berlin-Leipzig-Radweg - Ende Hauptbahnhof Leipzig
Alleine von Berlin nach Leipzig geradelt… Hier im Leipziger Hauptbahnhof!

Alleine auf Radreisen als Frau

Zwar bin ich keine Frau, aber ich interessiere mich sehr für Radreisen-Berichte von Frauen, von denen einige auch allein gereist sind. Natürlich kann das Radreisen für eine Frau ganz anders sein.

So ist der Sicherheitsaspekt sicherlich ein Thema, aber vielleicht auch nur gefühlt, weil einem Mann eben auch etwas passieren kann. In muslimisch geprägten Ländern müssen Frauen oft Kopftuch tragen. Dennoch soll es laut z.B. Radreiseberichten von Carmen Mickley im Iran so sein, dass die Leute dort wunderbar gastfreundlich sind. Also hat man hier als Frau wohl keine größeren Probleme.

Es gibt also sogar mutige Frauen, die sogar einmal mit dem Rad um die Welt fahren. Ich bin übrigens gar nicht selbst sicher, ob ich mir das zutrauen würde. Carmen Mickley ist eine, die schon zum zweiten Mal auf einer Fahrradweltreise ist oder die Dauer-Fahrradweltreisende Dorothee Fleck.

Radreisen zu zweit oder mit mehreren

Das Radreisen zu zweit oder zu mehreren erfordert im Vorfeld einen größeren Organisationsaufwand. Das fängt schon damit an, dass man erstmal zur gleichen Zeit Urlaub nehmen muss oder eine Zeit finden muss, wann man Fahrrad fahren will.

Dazu muss man sich in vielen Fragen aufeinander abstimmen:

  • Um wieviel Uhr steht man auf?
  • Wie viele Kilometer pro Tag?
  • Wann, was und wo will man essen?

Das geht nicht mehr alles so spontan, sondern man muss Kompromisse finden.

Die Sponteanität ist das erste was bei einer Radreise mit anderen Personen flöten geht. Klar, wenn man sich immer einig ist, dann ist das vielleicht anders. Aber in welchen Fällen ist das schon so? Es muss schon eine ziemlich starke Seelenverwandtschaft geben, sofern man gemeinsam spontan sein kann.

Problematisch ist auch, wenn der Reisepartner oder die Reisepartnerin vorher abspringt. Dann muss man umplanen oder muss im schlimmsten Fall die Reise canceln.

Dazu kommt die körperliche und mentale Unterschiedlichkeit bei der Leistungsfähigkeit. Wenn einer aufgeben muss, ist immer die Frage: Ist es egoistisch, wenn der andere weitermacht? Solche Fragen versucht man besser im Vorfeld schon einmal gedanklich durchzugehen. Auch wenn es natürlich klar ist, dass man in der bestimmten Situation sicherlich immer angepasst auf diese entscheiden muss.

Place de Tübingen in Monthey - Radtour zu zweit
Hier war ich zu zweit mit meinem kommunalpolitischen Kollegen aus Tübingen unterwegs. Wir fahren beide gerne Rad!

Der große Vorteil beim Gemeinsam-Reisen ist der Sicherheitsaspekt. Sofern man stürzt und/oder verletzt, so hat man immer noch einen Begleiter dabei. Gerade in Notsituationen kann das wichtig sein. Dann wird man im Zweifel sofort gerettet oder der andere kann schneller Hilfe holen.

Außerdem kann man zu zweit (oder mit mehreren) genug Erste-Hilfe-Pakete einpacken. Allein hat man oft nur eins.

A propos Packliste und Ausrüstungsgegenstände: Wenn man zu zweit oder mehreren reist, muss nicht jeder alles mitnehmen. Man kann so Platz sparen oder gar noch mehr mitnehmen.

Man braucht z.B. nur einen Kocher, nur 1x Werkzeug, nur eine Luftpumpe, nur ein Zelt, gemeinsame Luftmatratze (sofern man nicht mit einer ganzen Gruppe reist).

Fahrradfahrer Rotterdam - viele
Ganz viele Radfahrer…

Beim Übernachten spart man darüber hinaus viel Geld. Falls man ein Hotel nimmt: Ein Doppelzimmer zur Hälfte zu bezahlen ist immer teurer als wenn man ein Einzelzimmer alleine nimmt.

Klar, wenn man ein Zelt hat, fällt das nicht so ins Gewicht, aber auch da: Zwischendurch will man mal, um Kleidung zu trocken oder zu waschen auch mal in Hostel oder Hotel.

Wenn man die Reise dann Revue passieren lassen will, gibt es den Vorteil, dass man Erfahrungen teilen kann. Über das Erlebte kann man hinterher sprechen, weil man es eben gemeinsam erlebt hat.

Dokumentation: Sowohl filmen als auch Fotos voneinander zu machen, ist zu zweit einfacher. So kann man sich bei entsprechender Kameravorrichtung auch von Weitem filmen oder fotografieren. Alleine hat man immer die Schwierigkeit, dass man keine Fotos von sich selbst hat (außer Selfies).

Das Einkaufen ist auch ein Vorteil beim Radreisen zu mehreren. Es kann immer einer vor dem Supermarkt warten und auf die wertvollen Räder aufpassen. Man hat nicht immer die Möglichkeit das komplette Gepäck wegzunehmen. Gerade wenn man nur schnell etwas kaufen will. Da ist es schließlich sicherer und einfacher, wenn jemand beim Rad bleibt.

Nur was definitiv fehlt, das ist die Rückzugsmöglichkeit beim Radreisen mit anderen. Denn wenn man ein Zelt teilt oder ein Zimmer, dann hockt man sich ständig auf der Pelle. Man muss sich gut verstehen und selbst wenn man das tut kann man sich trotzdem auf die Nerven gehen.

Mit Fahrrädern am Rheinfall - Bodenseeradweg - Rheinradweg
Zwei Fahrräder am Rheinfall.

Fazit: Vor- & Nachteile des Alleinreisens/Gemeinsamreisens

Kurzum: Es gibt eben – wie so oft – Vor- und Nachteile beim Alleinreisen und beim Gemeinsamreisen. Ein klares Bild finde ich hier nicht vor.

Man muss sich ja gar nicht endgültig entscheiden. Ich werde weiterhin beides tun, obwohl das Häufigere nach wie vor das Alleinradreisen sein wird. Gemeinsam werde ich reisen, wenn sich das einfach mal eben ergibt.

Schauen wir mal. Jedenfalls ist das ganze auch Typsache und deshalb nicht ganz klar entscheidbar. Dieser kleine Aufsatz soll nur ein paar Anhaltspunkte geben.

4 Gedanken zu „Alleine radreisen oder mit anderen?“

  1. Ja, du hast tolle Touren und ich habe schon so einiges von dir inhaliert.
    Alleinfahren hat schon sehr großen Vorteil, man kann Pause wie man
    und wo man will.

    Ist man wie ich der 26 europäische Länder bereist hat alleine, ist das sehr gut um sich seiner Sprachkenntniserweiterung zunwidmen.

    Insbesondere der skandinavischen , jeg elsker Norge og folk fra Norge und Norge er alt for meg.
    Reisen ist anstrengend, Reisen bildet und wenn man zuhause ist, ist man sich erst bewusst was man hinter sich gelassen.
    Meine längste RAD-reise betrug 12000 RAD-Kilometer und auch meine schönste.

    Kannst du mir sagen wie viel Co² ich bei dieser Reise eingespart habe:.
    Ich rechne das so, also 6 Liter Diesel auf 100 km x 12 d.s. 720 Liter und?????? kg CO²
    Bin gespannt auf deine Rückmeldung.
    Mit freundlichen RADlergrüßen (RAD-und Gabelbruch)
    Friedrich, Pedalritter aus Leidenschaft.

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    • Hallo Friedrich,

      super, 26 europäische Länder habe ich sicherlich noch nicht, vielleicht die Hälfte. 🙂

      Wie viel CO2 Du gespart hast, kann ich dir nicht sagen. Im Prinzip kommt das ja darauf an, wenn man ehrlich ist. Zugfahren (ich fahre superviel Zug) verbraucht auch CO2. Aber klar: Wenn man das alles mit dem Diesel gefahren wäre, wäre das ökologisch etwas ganz anderes.

      Ich sehe das so: Das Radfahren populär zu machen und sich daran zu gewöhnen, sorgt auch dafür, dass man im Alltag gar nichts mehr anderes fahren will. So geht es mir. Und wenn man das geschafft hat, dann spart man natürlich Unmengen an CO2…

      Viele Grüße,
      Markus
      (RadtourenChecker)

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