Schönbuch-Radweg im Winter und ein bisschen Neckartalradweg

Ich habe etwas umgeplant. Eigentlich wollte ich die Bodensee-Radtour, also den Bodenseeradweg am heiligen Dreikönigstag (Feiertag!) checken. Aber ich habe mich umentschieden, weil ich mich noch nicht genug vorbereitet gefühlt habe.

Deshalb bin ich einmal durch den Schönbuch gefahren. Von Tübingen-Bebenhausen nach Herrenberg. Zuvor – am Mittwoch – gab es aber ein Stück Neckarradweg, das mich herausgefordert hatte. Es schneite und das verändert doch einiges beim Radfahren.

 

Neckartalradweg: Tübingen nach Plochingen im Schnee

Meine erste Test-Tour im Schnee war sogar länger als die Schönbuch-Tour zwei Tage später. Es ging von Tübingen nach Plochingen. Am Neckartalradweg entlang. Hin und zurück sind das ca. 90 Kilometer.

Alles normalerweise kein Problem – am Fluß entlang. Allerdings mit Schnee doch etwas schwieriger. Die Wege ohne Schnee waren meist sogar ganz ok befahrbar. Es gab aber nicht viele davon auf dem Weg.

Natürlich fährt man bei Schnee langsamer, aber es ist machbar, wenn man sich konzentriert. Die Konzentration ist eigentlich das wichtigste. Damit man nicht stürzt.

Ich fahre in der Regel sehr vorsichtig und bei Kurven wähle ich einen großen Radius, damit man nicht wegdriftet. Außerdem empfiehlt es sich nicht High-Speed zu geben, wenn man mal bergrunter fährt.

Was aber am meisten nervte, war der Schnee zwischen Schutzblech und Reifen. Den gab es halt deshalb, weil es schneite. Ich habe den Schnee dann mit den Fingern oder Handschuhen weggemacht. Ist nervig – geht aber irgendwie!

Hier noch ein paar Schnee-Bilder (Reutlingen & Nürtingen):
reutlingen-altenburg-neckarradweg-im-winterneckarradweg-reutlingen-stauwehrnuertingen-bei-nacht-fahrradtour-neckarradweg-winter

 

Der Schönbuch – einst plante man hier einen Flughafen, heute röhren hier doch lieber die Hirsche und wühlen die Wildschweine. Mein Start in Bebenhausen

Jetzt zur eigentlichen Tour. Meiner Fahrt durch den wunderbaren Schönbuch. Ein wunderbarer Startort für alle möglichen Schönbuch-Radtouren ist immer der Parkplatz in Tübingen-Bebenhausen.

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Bebenhausen war mal früher eigenständig, gehört heute aber zur sehr guten Unversitätsstadt Tübingen.

Historisch ist der Ort allerdings trotz seiner nur ca. 300 Einwohner sehr relevant. Der letzte württembergische König lebte hier nach seiner Abdankung.

Auch ein Bundeskanzler ist mit dem Ort sehr verbunden. Der 3. der Bundesrepublik Kurt-Georg Kiesinger spazierte dort, “während Willy Brandt an seinem Stuhl sägte” (Schwäbisches Tagblatt). Allerdings muss Kiesinger eher kritisch betrachtet werden als ehemaliger NSDAP-Funktionär.

Ich hoffe und glaube nicht, dass die heutigen Bebenhauser besonders stolz auf ihn sind.

Es gab in Bebenhausen außerdem ein Kloster, das heute ein Museum für die württembergische Königszeit und Geschichte beherbergt.

Dass man hier einen Flughafen früher plante, stimmt übrigens. Das war in den 60ern. Kommunalpolitiker und Bürger schafften aber dies zu verhindern. Heute gibt es hier ein Wildgehege (Saurucken) und die Wildschweine müssen nach Leinfelden-Echterdingen gehen, wenn sie mal Urlaub auf Ibiza machen wollen.

 

Die königliche Jagdhütte – auf einer Erhebung, wo früher Könige und Bundeskanzler jagten

Mein erstes Ziel war die königliche Jagdhütte. Natürlich ist die königliche Jagdhütte auf einer Erhebung. Denn Könige sind meistens oben, während die Untertanen unten sind.

Gut, dass es keine Könige mehr in der Bundesrepublik gibt.

Königliche Jagdhütte - Schönbuch Radtour
Die Königliche Jagdhütte im Schönbuch

Der entscheidende Grund dafür, dass sie oben ist, ist allerdings wohl: Die Jagdhütte wurde früher fürs Jagen verwendet und von oben jagt es sich besonders gut.

Ich bin nicht so der große Fan des Jagens. Als Vegetarier esse ich eher wenig Fleisch (nur Salat-Fliegen und nachts auch Spinnen, die sich in meinem Mund verirren).

Allerdings ist die Hütte einfach ein sehr gutes Ziel im Schönbuch. Über einen steilen Schönbuch-Radweg gelangt man zu ihr. Früher habe ich mich tausendmal verfahren und die Jagdhütte nicht gefunden (die Schönbuch-Durchquerung war die Standardtour meiner Kindheit und Jugend).

Spätestens seit dem Wegweiser-Update der baden-württembergischen Landesregierung ist aber alles etwas einfacher im Schönbuch zu finden. Die Wegweiser sind jetzt wirklich sehr gut.

Nach der könglichen Jagdhütte folgt in Richtung Herrenberg noch ein Mammut-Baum, der anscheinend aus Kalifornien stammt.

Der Weg nach oben zur königlichen Jagdhütte ist mit Schnee etwas beschwerlich. Ich fahre da ein Drittel bis die Hälfte langsamer.

Aber auch bergrunter ist es wieder nicht so einfach. Ohne Schnee kann man es ja laufen lassen. Aber mit Schnee riskiert man beim Laufenlassen einen Sturz.

Es gibt bestimmt Leute, die mehr Risiko eingegen als ich. Ich bin ehrlich gesagt ein Schisser. Aber ich will ja noch 1 Mio. Kilometer mit dem Fahrrad fahren und da wäre es blöd jetzt schon einen Sturz zu riskieren.

Mit 90 oder 100 Jahren geht man bestimmt mehr Risiko ein, wie ich aus dem Film Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand weiß.

 

Und Schwupps ist man in Herrenberg…

Es war eine richtige Erleichterung nach der Fahrradfahrt auf dem Schnee wieder auf Asphalt zu fahren, als ich am Waldfriedhof Herrenberg ankam. Ich verließ dann den Schönbuch, fuhr über den Parkplatz und bog links ab.

Dann aber natürlich war dennoch Vorsicht geboten. Es könnte ja glatt sein. Also wieder: Beim Herunterfahren auf Nässe lieber etwas weniger Speed.

Schließlich kommt man durch die Stadt Herrenberg, fährt ein bisschen Straße, da es hier noch nicht so viele Fahrradwege gibt. Biegt bei der großen Kreuzung links ab und ist dann bald schon am Bahnhof in Herrenberg, wo die Ammertalbahn abfährt.

Hier soll mein persönlicher Schönbuch-Radweg auch enden.

Herrenberg Wegweiser Radtour
Wegweiser in Herrenberg

Zurück nach Tübingen mit der Ammertalbahn

Nach der Ankunft in Herrenberg bin ich dann mit der Ammertalbahn heimgefahren. Das Ammertal ist eines der schönsten Täler auf der Welt.

Es ist sehr praktisch, dass dort eine Bahn fährt. Auch wenn man mit dieser – sofern man nach Stuttgart fährt – oft den Anschlusszug verpasst.

Ich habe deshalb einfach mal in einer Facebook-Gruppe vorgeschlagen, dass man das Ammertal, welches von Tübingen im Westen bis nach Herrenberg führt, einfach verlängert. Es bis nach Stuttgart zu verlängern wäre gut, weil man dann auch die Ammertalbahn auch verlängern müsste.

Die Resonanz auf Facebook war positiv. Jetzt muss es nur noch Flussexperten geben, die die wunderbare Ammer verlängern.

Als nächstes sollte ich vielleicht noch vorschlagen, den Schönbuch zu vergrößen bis nach Leinfelden-Echterdingen. Auf so einen Flughafen kann man ja verzichten, wenn man ein Fahrrad hat, oder nicht?

Außer die Wildschweine, die nach Ibiza wollten, wären etwas verärgert. 🙂

5 Gedanken zu „Schönbuch-Radweg im Winter und ein bisschen Neckartalradweg“

  1. An jenem Tag dachte ich, er hätte nur Spaß gemacht… Aber nun sehe ich den Beweis: Markus war tatsächlich bei diesem brutalen, unwirklichen und gnadenlosen Wetter auf Tour durch den rauen Schönbuch. Was ich aber immer noch nicht glaube ist, dass er dort den Jeti gesehen haben will. Ich war zu dieser Zeit nicht im Wald (meine Kegelfreunde und das Rote Kreuz können dies bestätigen)!

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    • Doch den Yeti habe ich tatsächlich gesehen, er war aber so schnell weg, dass ich ihn weder filmen noch fotografieren konnte. Er ist auch eher kamerascheu… Aber gut, dass Du beim Roten Kreuz bist, dann kannst Du mich retten und zusammennähen, falls mich nächstes mal der Yeti fressen will!

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  2. Voll schön, ich war auch schon mal in Bebenhausen – allerdings nicht mit dem Rad 🙂 Kann einen Ausflug dorthin aber auf jeden Fall empfehlen. Ich hab damals eine Führung im Kloster gemacht, also wer eine Pause vom biken braucht… das ist wirklich spannend!

    Cooler Blog & weiter so 🙂

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