Der Nagoldtalradweg – eine Sommerherbst-Tour durch den Nordschwarzwald

Nachdem ich letztes Jahr im Herbst den Enztalradweg gefahren bin, war dieses Jahr der Nagoldtalradweg dran. 90 Kilometer führt dieser von Urnagold nach Pforzheim.

Der Radweg erinnert ein bisschen an den Enztalradweg. Er hat zumindest eine ähnliche Struktur. Nur dass der Enztalradweg bis an den Neckar führt und der Nagoldtalradweg bis nach Pforzheim. Beide starten aber im Nordschwarzwald und haben ihre Quellen nicht weit voneinander entfernt.

Dazu muss man wissen, dass die Nagold in Pforzheim in die Enz fliesst. Die Nagold ist also hier zu Ende, während die Enz noch einige Kilometer bis in den Neckar fliesst. Mit dem Fahrrad brauch man von Pforzheim nach Besigheim noch fast 60 Kilometer. Beide Flüsse sind also Teil des Flusssystems des Neckars und speisen ihn.

Dazu beginnen beide im Nordschwarzwald. Damit meine ich nicht nur die Flüsse, sondern auch die dazu passenden beide Radwege. Der Enztalradweg beginnt in Enzklösterle und der Nagoldtalradweg in Seewald-Urnagold.

Dazu beginnen sie beide landschaftlich ähnlich und gehen tendenziell bergab. Zuerst stark (im Nordschwarzwald) und dann werden sie zunehmend flacher.

Also, sie haben wirklich eine vergleichbare Struktur und beide sind landschaftlich und auch kulturell sehr interessant.

Nagoldquelle - Urnagold - Seewald - Nagoldtalradweg
Die Nagoldquelle in Urnagold.

Der Nagoldtalradweg als Nagoldtalradweg: Wunderschön von Seewald-Urnagold bis nach Nagold

Zuerst musste ich natürlich zur Quelle der Nagold gelangen. Diese befindet sich im kleinen Örtchen Urnagold.

Allerdings gibt es hier in Seewald oder Urnagold keinen Bahnhof. Kleine Bahnhöfe gibt es nur an der KVV-Regionalbahnstrecke, die über Baiersbronn führt. Hier bin ich am nähesten Bahnhof ausgestiegen: In Baiersbronn-Huzenbach.

Nun war aber erstmal ein krasser Anstieg angesagt. Und teilweise ein abenteuerlicher Weg. Mein Fahrradnavi von Teasi führte mich auch über einen Wanderweg, der voller Wurzeln und Steine war.

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Bergauf konnte ich hier nur schieben. Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit von Huzenbach nach Urnagold zu gelangen, aber wohl war das die schnellste mit nur ca. 6 Kilometern.

Von Seewald muss man dann ein Stück aus dem Ort heraus fahren bis nach Urnagold. Und hinter der Gaststätte “Café Nagoldquelle”, wieder mitten im Wald, befindet sich dann die Nagoldquelle. Sogar ein Stück über reinen Rasen muss man dort fahren, um dorthin zu gelangen.

Also ein ziemlich abenteuerlicher Weg, um erstmal an den Start des Radwegs zu kommen.

Anschließend fuhr ich wieder zurück nach Seewald und man biegt dann links ab bei einer kleinen Kirche. Dort befindet sich auch das erste Nagoldtalradweg-Schild, das so aussieht:

Seewald - Fahrradwegweiser - Nagoldtalradweg - Erzgrube
Seewald – der erste Wegweiser, den ich am Nagoldtalradweg gesehen habe. In 10 Kilometern ist man in Erzgrube.

Das schöne ist: Nach dem anstrengenden Start, geht es nun meist bergab. Ein ziemlich langes Stück sogar.

Zuerst fährt man noch durch kleine Weiler wie Schorrental. Nach einem Holzwerk ging es dann noch kurz bergauf und man würde dann ein ziemlich langes Stück durch den Wald fahren. Doch das ist ebena gleichzeitig ein wunderschönes Stück Nordschwarzwald mit seinen Fichten und Kiefern.

So geht es weiter bis man schließlich in Erzgrube ankommt. Dieser Ortsteil gehört auch noch zu Seewald. Man hat aber nun schon 10 Kilometer des Nagoldradwegs geschafft.

Nach dem kleinen Ort Erzgrube folgt dann der See Nagoldtalsperre. In diesen künstlichen See fließt die Nagold nun. Die Nagoldtalsperre diente vor allem als Schutz vor dem Hochwasser.

Obwohl es schon in Richtung Herbst ging, hatte es heute etwas Sommerliches. Es war gleichzeitig Herbst und Sommer. Die Blätter fielen schon, aber die Sonne schien heftig und es wurde jetzt richtig warm. Das schafft natürlich an so einem See eine besondere Stimmung.

Auf dem Radweg an der Nagoldtalsperre war nun auch recht viel los. Richtig schön. Ich kam innerlich richtig ins Schwärmen. Manchmal ist Radfahren halt total genial.

Nagoldtalsperre - Seewald-Erzgrube - Nagoldtalradweg
Die Nagoldtalsperre, die sich hinter Seewald-Erzgrube befindet.

Um den See fährt man einmal links herum und landet dann auf der Landesstraße. Die ist recht wenig befahren und war derzeit noch weniger befahren, weil dort Waldarbeiten waren.

Da aber keine Alternative ausgeschildert war, blieb mir ohnehin nichts übrig dort weiterzufahren. Das ist immer ärgerlich, da bei Umleitungen nie an Fahrradfahrer gedacht wird. Dann muss man halt pragmatisch sein – und die ganze Strecke war auch frei bis auf ein einziges Waldfahrzeug.

Man kommt nun durch Altensteig durch. Ein Ort, der auch ein kleine, süße Innenstadt an und viel an Hängen gebaut wurde. Hier muss man als Radfahrer Ausdauer haben, wenn man hier wohnt.

Ab Altensteig gibt es wieder richtig einen Fahrradweg entlang der Straße und man muss nicht mehr direkt auf der Landesstraße fahren. Zwischen der Nagoldtalsperre und Altensteig sollte man ohnehin mal einen Radweg bauen, finde ich.

Es folgen Ebhausen und Rohrdorf und nach einem flachen leicht abfallenden Stück ist man schon in Nagold. Als erstes sieht man die Burgruine Nagold, dann kommt man in die Stadt selbst. Damit waren über 40 Kilometer geschafft.

 

Von Nagold über Calw nach Pforzheim

Nagold ist echt sehr schön, wenn man dort an der Nagold entlang ankommt. Die Uferpromenade ist hier sehr schön aufbereitet worden von den Stadtplanern.

Zuerst kommt man jedoch an einem Freibad vorbei. Hier könnte man auch im Park verweilen und eine Pause machen, aber ich wollte gleich weiter. Strecke machen war angesagt (ich hatte morgens eine Stunde verschlafen).

Anschließend kommt die wunderschöne Nagolduferpromenade mit Café. Es war dort viel los und nochmal richtig sommerlich. Auch die Altstadt blinzelt hier durch mit schönen Fachwerkhäusern. Ich machte mich aber gleich nach Calw auf.

Ich war früher, während meiner Schwarzwald-Rennradtouren als 16-jähriger dort schonmal gewesen. Doch ich hatte die Stadt nicht so schön in Erinnerung, war damals aber auch nicht an der Uferpromenade des Flusses Nagold gewesen.

Nagold - Fluss Nagold - Nagoltalradweg
Das wunderschöne Nagold. Direkt am Fluss Nagold.

Jedenfalls ist man auch gleich wieder raus aus Nagold. Nur 27 Kilometer würden es bis nach Calw sein. Das sagt jedenfalls der Wegweiser.

Lustig war, dass Nagold ja gar nicht weit weg ist von meiner letzten Tour, dem Jettinger Panoramaradweg.

Von daher: Vor 2 Wochen war ich hier schon einmal in der Nähe gewesen. Jettingen ist nur 6 Kilometer weg (auch wann man dazu einen Berg hochfahren muss).

Nach Nagold wird es nochmal sehr idyllisch. Man fährt abwechselnd durch Wald und über Feldwege.

Nächster Ort ist dann Wildberg – auch ein schöner Schwarzwaldort. Er liegt auch – wie viele Orte hier – zu großen Teilen am Hang.

Schön war auch die Mühle, die es hier noch gibt und die weiter gepflegt und betrieben wird. Das war mein Highlight in Wildberg. Ich fuhr ansonsten gleich wieder hier raus.

Mühle in Wildberg - Nordschwarzwald - Nagoldtalradweg
Eine Mühle in Wildberg. Da fährt man direkt vorbei, wenn man den Nagoldtalradweg fährt.

Zuerst geht’s durchs Kohlerstal mit einem kleinen gleichnamigen Ort. Als nächstes erreicht man schließlich Bad Teinach-Neubulach, einen Ort, den ich auch von meinen Radreisen als Jugendlicher noch kannt. Allerdings bin ich damals quer zur jetzigen Route gefahren.

Der Ort besteht nur aus einem Betrieb und einem Hotel und hier ist komischerweise immer viel Verkehr.

Nur kurz muss man hier aber auf die Straße, um diese dann gefährlich überqueren zu müssen. Die Autos kommen einem hier gleich doppelt entgegen und man muss nach links auf den rettenden Radweg.

Auf diesem fährt man nun nach Kentheim und ist schließlich in der Hesse-Stadt Calw.

Diese ist auch wieder durch Fachwerkhäuser geprägt. Sie hatte ich auch nicht do idyllisch in Erinnerung. Wahrscheinlich lag mein Empfinden am Wetter, das zwar schon sommerlich war, aber durch welke Blätter und sanftem Wind etwas vom Herbst hatte.

Hier in Calw gibt es auch das Hermann-Hesse-Museum und das Geburtshaus von Hermann Hesse. Beide habe ich aus Zeitgründen nicht besucht.

Der Literat Hermann Hesse wurde nicht nur in Calw geboren, sondern ist hier auch aufgewachsen. Später wurde er übrigens Schweizer.

Aber die Stadt ist immer noch von ihm geprägt. Auch Literaturfiguren stehen hier direkt vor der Sparkasse etc.

Hermann-Hesse-Platz Calw - Nagold - Nagoldtalradweg
Der Hermann-Hesse-Platz in Calw.

Nun also wollte ich Fullspeed weiter. Denn ich wollte einen bestimmten Zug bekommen, der direkt ohne Umsteigen von Pforzheim nach Tübingen fuhr. Es waren von Calw aus dorthin noch 25 Kilometer.

Nach Calw folgt noch das kleine Hirsau und Bad Liebenzell. Liebenzell ist genauso wie Teinach bekannt für seinen Sprudel. Beide trinke ich sehr gerne. Ich bin ein großer Sprudel-Fan.

Der Radweg ist hier echt super, auch über Unterreichenbach. Waldstücke wechseln sich mit Wegen ab, die lichter sind. Aber man befindet sich immer nah der Natur.

Kurz vor Pforzheim ist man noch in Dillweißenstein. Das ist bekannt für seine Burgruine, die heute dennoch noch genutzt wird. Die Burgruine Rabeneck oder Weißenstein, die heute als Jugendherberge dient. Sie liegt direkt an der Nagold und man sieht sie vom Nagoldradweg aus auch.

Bald spürt man schon, dass man in der Nähe einer Stadt, in der Nähe von Pforzheim ist. An einer Nagoldwiese war viel los und es wurde gegrillt.

Hier auf Pforzheimer Gemarkung fließt nun auch die Würm in die Nagold. Später schließlich, schon direkt in der Stadt, endet dann auch die Nagold.

Sie fließt dann in die Enz. Hier treffen also Nagoldtalradweg, Enztalradweg und auch ganz in der Nähe der Würmtalradweg aufeinander.

Und das passt ganz gut, weil ich im Oktober diesen Jahres noch gerne den Würmtalradweg fahren möchte.

Nun aber hatte ich den Nagoldradweg geschafft. Ich war im geschäftigen Pforzheim und schaffte es gerade so die Bahn zu erreichen.

Als ehemalige Goldstadt wurde Pforzheim im 2. Weltkrieg sehr zerstört und gilt heute nicht als die schönste Stadt Baden-Württembergs.

Aber an den Flüssen, finde ich, ist es doch sehr gemütlich. Hier lässt es sich aushalten und man spürte die abendliche Sommerstimmung. So endete der Nagoldtalradweg für mich hier, der leicht zu fahren ist und wirklich ein Familienradweg ist.

Außerdem führt er durch eine abwechslungsreiche Nordschwarzwald-Natur und Kultur kann man z.B. in der Hesse-Stadt Calw auch erleben!

Pforzheim - Nagold in die Enz - Nagoldtalradweg in den Enztalradweg
Hier in Pforzheim hinten fließt irgendwo die Nagold in die Enz. Der Nagoldtalradweg trifft den Enztalradweg.

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