Filly around the world – Wie ein Kumpel von mir eine noch viel krassere Fahrradreise als ich durchführt: Fahrradweltreise

Zwar fahre ich sehr viel Fahrrad, aber ich bewundere auch Menschen, die noch viel krassere und längere Sachen als ich machen. So kenne ich einen wunderbaren Jazzmusiker und Kulturaktivisten aus Ulm, der sich seit Juli 2017 mit seinem Fahrrad einmal um die Welt – oder zumindest halbe Welt – aufgemacht hat.

Philipp Zey heißt er und ich kenne ihn von meinem PARTEI-politischen Engagement. Er selbst war aber davor vor allem in der Kulturpolitik in Ulm unterwegs, hat Musiker-Booking für den Sauschdall?? in Ulm gemacht und war Kulturreferent der Uni in Ulm.

Filly – wie er in aller Kürze heißt – wollte nach seinem Studium der Physik in Ulm es mal richtig krachen lassen, bevor halt die bürgerliche Verantwortung irgendwann kommt.

Ulm - Donauradweg - Markus Vogt und Philipp Zey
Ich so mit Filly in seiner eigenen Wohnung. Ein paar Tage vor der Abreise. Ich bin am nächsten Tag Donauradweg gefahren. Filly ein paar Tage später aufgebrochen, um bis ans Schwarze Meer zu fahren: Und darüber hinaus!

Er ist erstmal die Donau runtergeradelt bis ans Schwarze Meer in Rumänien, dann in die Ukraine und nach Russland (u.a. Moskau). Von Georgien aus hat er dann ein Flugzeug nach Sri Lanka genommen und ist inzwischen in Indien.

Dabei verfolgt er aber wohl einen etwas anderen Ansatz als ich. Während ich während meiner Touren fast nur Fahrrad fahre und hin und wieder vom Weg aus etwas anschaue, ist er da etwas lockerer.

Er schaut sich auf Musik-Festivals an, spielt dort auch mit, arbeitet auch (z.B. auf einer Straußenfarm in Bulgarien) – oder fährt mal abseits des Weges, um bestimmte Sehenswürdigkeiten zu erblicken.

Z.b das Buzludja Monument in Bulgarien. Ein altes sozialistisches Denkmal, das allerdings heute baufällig ist und im inneren kaum begehbar (Filly war dennoch drin).

Wenn ich jetzt die Donau runterfahre, dann würde ich wohl eher straight den Fluss entlang runterfahren – glaube ich. Den kompletten Donauradweg habe ich ja für die nächsten Jahre noch geplant. (Bisher habe ich es von Donaueschingen nach Passau geschafft.)

Filly allerdings, der fährt halt einfach mal hierhin, mal dorthin – und plant auch gar nicht soo megaviel im Voraus. Damit meine ich nicht, dass er gar nichts plant. Denn solche Radtouren sind immer ein gewisser logistischer Aufwand und man braucht eine grobe Route.

Moskau - Philipp Zey - Fahrradweltreise
Moskau!

Jedoch improvisiert er eben mehr als ich. Auf meiner Europatour 2016 hatte ich für 2 Monate schon vorher alles genau geplant, wo ich genau übernachten würde etc. So ist Filly nicht. Das hat seine Vorteile, weil man oft spontan sein kann und einfach mal im Wald übernachten kann. Manchmal allerdings auch im Regen unter einer Bushaltestelle, wenn es gerade nix anderes gibt!

Aber lest selbst noch etwas was er so gemacht hat. Auf Freefm könnt ihr auch immer wieder Radioshows von ihm hören.

Das ist ein Ulmer freier Radiosender, den man auch online hören kann (z.B. wenn man jetzt auf diesen Link klickt). Auf Soundcloud findet man auch öfters Folgen von ihm.

Ich finde das cool mit den Radioshows (die er inzwischen auf englisch abhält, damit ihn auch seine Begegnungen auf dem Radweg verstehen). Diese Radioshows mit “Filly around the world” kann man einfach so nebenher hören und muss gar nicht wegfahren – und befindet sich so gefühlt dennoch auf Fahrradurlaub! Ich höre sie sehr gerne.

Filly mit Posaune in Passau Donauradweg - Philipp Zey
Fillly in Passau mit Posaune. Am Dreiflüsseeck.

Über ein paar Erlebnisse eines verrückteren Fahrradfahrer als ich es bin: Philipp Zey aus Ulm, Jazzmusiker, Physikstudierter & Kulturaktivist

Ja, was ich auch sehr bekloppt finde (im positiven Sinn). Filly hat eine Posaune dabei. Als Funkmusiker der Ulmer Band Brassmaniacs und Vollblutmusiker kann er wohl nicht ohne.

Dazu hat er einen Fahrradanhänger dabei gehabt, den er aber dann von Georgien aus nach Hause geschickt hat. War wohl zu viel Gepäck, das er dabei hatte. Vor allem im bergigen Kaukasus. Aber die Posaune hat er dann weiter bis nach Sri Lanka und auch nach Indien mitgenommen.

Da praktische ist, mit so einem Instrument kommt man durchaus schnell mal mit anderen Leuten ins Gespräch und kann eben auch bei Jamsessions mitmachen.

Unglücklicherweise wurde Filly die Posaune in Sri Lanka dann gar geklaut! Aber er hatte Glück und konnte sie wiederfinden. Dafür hatte er überall Zettel hingehängt. Insgesamt unglaubliche 100 Zettel! Dort stand sowas wie:

“Hello I’m Philipp from Germany I lost my music instrument, when I get it back I will pay you a reward…”

Sein Mundstück war zwar weg – aber später in Indien konnte er wieder eines auffinden.

Von daher: Am Ende ist es nochmal gut gegangen. Ich hoffe, dass ihm die Posaune nicht nochmal geklaut wird. Denn ohne Posaune ist Filly wahrscheinlich nur ein halber Mensch! 🙂

Filly in Indien mit Helm
Filly so in Indien. Daumen ist oben!

Was er auch noch dabei hat neben der Posaune: Einen Golfschläger und ein Spätzlesbrett. Das braucht er. Denn er ist Schwabe und ohne Spätzle funktioniert der Schwabe nicht. Ich kenne das gut!

Ich kann Euch jetzt nicht alle Highlights der Tour von Filly in so einem kurzen Blogartikel darlegen, aber ein paar lustige Dinge schon:

In Bulgarien hat er eine Straußenfarm besucht und gar dort gearbeitet. Ehrenamtlich! Der Straußenfarmbetreiber war ein Brite, der vorher in der Finanzindustrie gearbeitet hat und dem sein Bürojob zu langweilig wurde.

Auf der Straußenfarm passiert jeden Tag was spannendes. Zum Beispiel, wenn die Strauße einfach abhauen. Er kann davon so etwas leben und hat auch immer wieder freiwillige Helfer dabei. Einer davon war eben Filly für 10 Tage!

Straußenfarm Warna Bulgarien - Strauß und Filly
Auf der Straußenfarm in Warna in Bulgarien. Die Greenbirdfarm. Links: Ein Filly – Rechts: Ein Strauß.

Von Sri Lanka nach Indien ist Filly mit dem Flugzeug geflogen. Denn dort ist Meer und er hat kein Schwimmfahrrad dabei.

Anscheinend ist es dort so, dass man nach Indien nicht einreisen kann, wenn man nicht ein Ticket für die Ausreise hat. Filly will aber ja mit dem Fahrrad ausreisen.

Problem war, dass er diese Information erst kurz vor seinem Abflug erhielt. Dazu ging dann das Internet noch nicht – und am Ende musste er ein vollkommen sinnloses Ticket zurück nach Sri Lanka kaufen. Sonst hätte er nicht nach Indien einfliegen können.

Ich hoffe, er konnte es stornieren. Aber das sind dann die Dinge, die auf seiner Reise schonmal Nerven kosten können. Im Nachhinein vielleicht alles nicht so schlimm, aber wenn man auf der Reise ist, so kann das schon nervenaufreibend sein.

In Sri Lanka war er dann in einer Taucherschule und hat dort auch wieder etwas gearbeitet. Auch wieder ehrenamtlich und ohne Bezahlung. Er probiert also alles mögliche aus.

Und dazu hat er ein Festival besucht (irgendwo in Indien) mit einer Metalband, die es schwer hat Auftritte zu finden. Metal ist wohl noch nicht so populär in Indien. Aber die Band war sehr, sehr gut!

Aktuell ist er noch in Indien (er war in Mumbai) und  hat auch schon etwas darüber im Radio berichtet. Die Menschen seien sehr hilfsbereit dort. Wenn er einen Platten hat, dann ist ihm schnell jemand zur Hilfe.

Ich mag seine unkonventionelle und unterhaltsame Art zu Reisen. Anscheinend ist sein Ziel wohl Australien. Mal sehen, wie er da so hinkommt. Oder was für Änderungen es in der Reiseplanung des Improvisationskünstlers (musikalisch und auch radfahrerisch) Filly noch so gibt.

Irgendwann wird er heil in Ulm ankommen und dann besuche ich ihn auch nochmal mit Fahrrad.

Kurz vor seiner Abreise war ich in Ulm und bin damals meine Bayern-Donauradweg-Tour gestartet. Das war im Juni. Doch Filly ist weit über Bayern hinausgekommen!

Er hat mich damals auch interviewt. Das Interview veröffentliche ich hier irgendwann mal in Blog-Form.

Zu guter Letzt: Wenn ihr Lust habt, dann spendet Filly (oder Philipp Zey) ein bisschen was. So eine Radtour kostet halt auch ebbes. Nur wenn ihr wollt. Ich hab auch ein bissle was gespendet. Hier seine Paypal-Adresse: mr.muchnicer …daskomischeÄhhhT-Zeichen… gmail.com.

3 Gedanken zu „Filly around the world – Wie ein Kumpel von mir eine noch viel krassere Fahrradreise als ich durchführt: Fahrradweltreise“

  1. Cool!
    Schöner Artikel. Die ganze Geschichte gibt’s dann Mal wenn ich wieder daheim bin. Bei einem schönen kalten Bier!
    Dann strebe ich eine Art Reise Dokumentation an und vielleicht ein Hörbuch.
    Ich mag es immer nicht so das zu tun was andere machen.
    Z.b. andere schreiben einen Blog und ein Buch oder einen Film. Ich mach ne Radiosendung und was für die Ohren.

    Ich danke Markus an dieser Stelle herzlichst!
    Er hat mir beigebracht einen Termin zu setzten und los zu fahren. Alles was man vergessen hat, kann man unterwegs auch nochmals einkaufen. Viele Menschen trauen sich aber nie los zu fahren da der druck und die Anspannung im Kopf zu hoch ist.

    Zuletzt möchte ich jeden sagen! Radfahren ist geil!!! Ich habe nie eine Radtour vor dieser Reise gemacht. Ich war durch mein Umfeld immer so eingespannt, dass es sich nie ergeben hat und allein wollte ich natürlich auch nie los.
    Mittlerweile bin ich über 7 Monate allein unterwegs. Allein?! Ich bin selten allein! Nur wenn man allein sein will kann man allein sein. Aber durch eine aufgeschlossene Art gegenüber anderen Menschen öffnen sich sich so manche Türen und das Leben spielt einem bekanntlich immer die lustigsten Kapriolen.
    Im Augenblick begleite ich ein kamera Team in Indien, die ich vor einer Woche bei einem Bier auf einer Dachterrasse kennen lernte.

    So long keep on cycling
    Filly

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    • Man muss auch keinen Blog machen. Man kann, man muss nicht. Als Turbomusiker passt gerade eine Turbo-Radiosendung sehr gut…
      Ganz allein bist Du ja nicht, weil Du ständig neue Leute kennen lernst. Ich bin glaub schüchterner als Du bei sowas…

      Und bin gespannt auf die Video-Aufnahmen des Kamera-Teams!

      Hau rein!!!

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