Alpe-Adria-Radweg 4. Etappe: Venzone – Grado – Von den Alpen an die Adria

Die letzte Alpe-Adria-Weg mit dem Fahrrad! Heute war ich irgendwie langsam und platt. Warum auch immer. Aber es ging jetzt endlich an die Adriaküste.

Die Etappe war sehr spannend. Denn ich kam durch Udine, durch die ehemalige Römerstadt Aquileia und dann eben zum Urlaubsort Grado.

Meine bisherigen Etappen am Alpe-Adria-Weg sind hier aufgeführt. Falls ihr wissen wollt, was bisher geschah:

Um die 120 Kilometer würde ich heute fahren. Das Profil der Etappe war eigentlich nicht besonders schwierig, da es jetzt raus aus den Alpen ging. Im Laufe der Etappe verliert man zudem auch den Blick auf die Alpen.

Die Etappe war von der Struktur her nicht mehr so klar wie die gestrige, wo es kilometerlang nur geradeaus ging. Man musste gut auf die Wegweiser achten, damit man nichts verpasst. Darüber hinaus war sie eben auch länger.

Venzone - Rathaus - Alpe-Adria-Radweg
Das Rathaus von Venzone ist ein schönes altes steinernes Gebäude.

Von Venzone nach Udine auf dem Alpe-Adria-Weg

Start war heute direkt das Hotel an der Straße nach Venzone-Carnia. Das schöne und große Hotel war nicht unbedingt in einer schönen Gegend. Aber es erfüllte seinen Zweck vollends.

Doch 5 Kilometer weiter ist wohl eine der schönsten Städte Norditaliens: Venzone selbst (und eben nicht sein Vorort Carnia).

Die Stadt ist echt schön und voller steinener Gebäude, hat aber auch ein schweres Schicksal hinter sich. Es gab hier 1976 ein Erdbeben, welches praktisch die komplette der Stadt zerstörte.

Die Stadt wurde dann anschließend auf sehr interessante Weise wieder aufgebaut: Man wollte sie genau so wieder zusammenbauen wie vor dem Erdbeben.

Dabei wurden alte Fotos verwendet, um dem Früheren so nah wie möglich zu sein. An den alten Stellen wurden im Gegensatz zu den neuen keine Fassaden angebracht. So sieht man den Unterschied zwischen altem und neuem in dieser wundebaren historischen  Stadt Venzone sehr gut.

Auf dem Radweg fährt man direkt durch die nicht allzubreite Innenstadtstraße, die mit steinernen alten Gebäuden gesäumt ist. Vor allem die Kirche sieht wunderschön aus.

Direkt nach Venzone verfuhr ich mich einmal, da ich ein Schild übersehen hatte. Auf dieser Etappe muss man etwas genauer auf die Wegweiser achten, da es nicht mehr so klar geradeaus wie tags zuvor ging. Es gab ab mehr Abzweigungen nach Venzone.

Wildfluss Tagliamento hinter Venzone - Alpe-Adria-Weg
Der Wildfluss Tagliamento mit seinem weit auslaufenden Flussbett.

Hinter Venzone fährt man jedenfalls erstmal eine Schleife, überquert den Fluss Tagliamento, um dann durch einen dicht bewachsenen, mediterran anmutenden Weg Richtung Bordano und schließlich nach Braulis zu gelangen. Das sind alles kleine Orte am Fuße der Alpen, die aber aus meiner Sichtweise an diesem Tag schon von den Bergen wegführten.

Dabei muss man sich den Weg manchmal mit Autos teilen, aber das ist nicht so problematisch, da man hier nicht viel Verkehr hat.

Nach Braulis wird der Fluss Tagliamento (der ein Wildfluss mit sehr breitem Flussbett ist) wieder überquert. Es geht gen Osoppo, einer kleinen italienischen Gemeinde, von der man nur das Industriegebiet streift.

Es wechseln sich jetzt Dörfer, Wirtschaftswege und auch Feldwege miteinander ab. Langsam verliert sich der Blick auf die Berge.

Ich verfuhr mich nun nicht mehr, aber man muss schon genau auf die Beschilderung achten. Die braunen Alpe-Adria-Wegweiser sind oft sehr klein.

Feletto Umberto - Alpe-Adria-Weg mit Fahrrad
Das ist Feletto Umberto – kurz vor Udine.

Beim Fussball-Stadion fuhr ich dann in Udine ein. Man merkte: Mehr Verkehr, dichtere Bauweise – jetzt fängt die Stadt endlich an.

Das Stadion von Udine heißt Stadio Friuli. Der bekannte Club dazu heißt Udinese Calcio und spielt in der Serie A in Italien (2019/20). Bekannt ist er bei mir zumindest, da dort früher Oliver Bierhoff spielte. Damals in den 90ern war er Stürmer in Deutschland und wechselte irgendwann nach Italien.

Besonders schön ist der Weg nach Udine hinein nicht, aber es gibt auf der zentralen Straße, die in Richtung Stadt führt, auch einen geraden Radweg, der mit gelb vom Autoverkehr getrennt ist. Immerhin würde ich deshalb sagen!

Auf diesem Weg gab es neben den Reiseradlern (meist mit E-Bikes), die man auch hier immer wieder sah, auch viel urbane Radfahrer*innen.

So etwas freut mich immer. Stadtverkehr mit Fahrrad das beste. Und jeder Radler sorgt dafür, dass weniger Autos unterwegs sind.

Nach diesem langen Radweg erreicht man schließlich das Zentrum der Stadt Udine. Sie hat immerhin fast 100.000 Einwohner, wirkt aber größer, wie ich finde, da sie das Zentrum der Region Friaul-Julisch Venetien ist.

Udine - Piazza Liberta - Fussball EM-U21 - Alpe-Adria-Radweg
Der Piazza Liberta mit Emblemen der Fussball-EM U21. Diese fand im Juni derzeit in Udine statt!

Von der “Großstadt” Udine in den Urlaubsort Grado

Nun hatte ich nicht mehr viel Zeit. Deshalb fuhr ich eher recht schnell durch Udine. Die Stadt ist fühlt sich wie eine typische italienische Großstadt an, obwohl sie so groß gar nicht ist. Viele beeindruckende Gebäude, viel Verkehr, viel Troubel.

Mit dem Fahrrad kommt man eher schwierig durch Udine. Aber immerhin gab es dann doch Radwege durch die Stadt. Zumindest am Anfang. Für mich geht das. Wenn man auf dem Fahrrad aber noch nicht so erfahren ist, stelle ich mir das eher komplizierter vor.

Es war gerade die U21 Fussball EM in Udine. Deshalb war hier auch viel geboten auf dem Piazza della Liberta, der ein Highlight der Stadt ist.

Dort steht eine große Statue mit großer Säule, die wiederum vor einer bogenförmigen weißen Säulenhalle steht. Dort daneben befand sich auch das Livestreaming für die Fussball-EM. Dazu waren die Embleme der teilnehmenden Nationen aufgehängt.

Nachdem ich den schönen Platz besucht hatte, war ich recht schnell wieder aus der Stadt draußen und befand mich auf einem Feldweg, der wieder von viel Schotter geprägt war.

Es wechselte sich aber Schotter und Asphalt ab. Wobei der Asphalt oft aufgerissen ist und etwas holprig. Die Wegebeschaffenheit war auf diesem Teilstück nicht immer dir beste. Ich empfehle ein stabiles Rad.

Palmanova - Panorama - Alpe-Adria-Weg mit Fahrrad
So sieht der komplette Platz, der Piazza Grande, in Palmanova aus.

Was mich total fasziniert hat, das war die Stadt Palmanova. Diese war nach Udine das nächste Highlight auf dem Alpe-Adria-Weg. Auch sie ist eine alte Römerstadt, aber das war es in dem Fall nicht, was mich faszinierte.

Palmanova ist eine Stadt, die sternenförmig angeordnet ist und in der Mitte einen sehr großen Platz hat. Sie ist eine Planstadt.

Wohl wurde diese im 16. Jahrhundert so angelegt und existiert bis heute so. Sie ist mit einer Stadtmauer umgeben, die man nur von drei Seiten anfahren kann. Der Alpe-Adria-Radweg führ direkt mitten durch die Stadt.

Der Platz ist auch beeindruckend groß. Piazza Grande heißt er und man blickt auf fantastische Gebäude. An dem Tag war auch eine Feier gewesen. Es wurden gerade Bühnen abgebaut.

Nachdem man Palmanova über die einzige Möglichkeit verlässt, kommt man in den Vorort Sevegliano.

Hier allerdings fehlte ein Schild. Normalerweise sind die Wegweiser recht gut angeordnet auf dem Alpe-Adria-Radweg. Doch hier fehlte eines.

Als ich das endlich gefunden hatte und links an den Wohngebäuden vorbei war, landete ich wieder auf einem Schotterweg.

Es geht dann durch viele kleine Orte weiter.

Erst in Cervignano del Friuli fährt man wieder durch eine größere Stadt. Doch dadurch ist es leider nicht so spannend. Man fährt mitten durch, vor und hinter dem Autoverkehr. Das macht nicht so Spaß.

Hinter Terzo d‘Aquileia geht es endlich nur geradeaus auf einem Radweg, der entlang der Straße führt. Zuerst fährt man noch auf dem Bürgersteig, doch dann hat man wieder seinen eigenen Radweg.

Jetzt ist der Alpe-Adria-Radweg wieder einfach. Man muss einfach geradeaus fahren. So kommt man erst nach Aquileia und später zum endgültigen Ziel: nach Grado.

Aquileia te salutat - Aquileia grüßt Dich! - Begrüßung auf dem Alpe-Adria-Radweg
Aquileia te salutat – Aquileia grüßt Dich!

Aquileia ist historisch superspannend. Sie ist eine der wichtigsten Städte im römischen Reich gewesen, bevor sie später unterging.

Hier findet man unglaublich viele Schätze, wenn man sich für Geschichte interessiert.

Jedenfalls wird man in Aquileia schon mit „Aquileia te salutat“ begrüßt, was lateinisch einfach „Aquileia, grüßt Dich!“ heißt. Das ganze Marketing der Stadt ist also  auf die römische Geschichte aufgebaut.

Es gibt hier auch zwei Museeen, die über die Ausgrabungen und die Geschichte der Stadt informieren. In einem von den beiden war ich auch! Früher in der Römerzeit hatte Aquileia einmal um die 100.000 Einwohner, was für die späte Antike auch noch richtig viel war. Heute sind es nur noch um die 3.300 Einwohner.

Damals hatte die Stadt zudem – aus wirtschschaftlicher und militärischer Sicht – einen der wichtigsten Häfen  im römischen Reich. Heute ist sie weit davon entfernt. Aber der Mythos lebt.

Römische Säulen Aquileia reatauriert - Fahrrad - Alpe-Adria-Weg
Alte römische Säulen in Aquileia,, die allerdings wieder restauriert wurden. Davor befindet sich mein Fahrrad!

Nun also fährt man weiter geradeaus und geradeaus und landet schließlich an der Küste von Grado.

Man hat hier schon einen beeindruckenden Blick auf die Stadt. Es sollte jetzt auch langsam dämmern, aber man sah noch einiges.

Es erscheint einem ein weites Blau. Mit dem sanften Himmel ist das besonders schön! Dahinter die vielen hohen Gebäude, die von weitem wie Spielzeughäuser aussahen.

Ich verweilte hier erstmal, machte einige Photos und konnte mich von dem Anblick kaum satt sehen.

Grado - Halbinsel - Mit Fahrrad - Alpe-Adria-Radweg
Kurz vor Grado am Ende des Alpe-Adria-Radwegs. Man muss nur noch geradeaus fahren.

Um auf die Halbinsel Grado zu fahren, so fährt man auf dem dünnen Landstrich entlang. Man hat weiterhin einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Doch auch rechts von einem erstreckt sich das weite, blaue Meer mit ein paar grünen Inselstrukturen, die man erblickt.

Es gibt einen vom Autoverkehr klar abgetrennten Radweg, mit dem man direkt am Wasser fährt. Das macht das ganze besonders romantisch.

Der Radweg ist hier noch fast 6 Kilometer lang bis man nach Grado reinkommt. Die Insel ist ein reiner Touristenort. Mit der Ruhe, die man auf dem gesamten Radweg erleben durfte, ist es nun vorbei.

Es war jetzt abend, aber es war hier noch überall etwas los. Mein Hotel war sogar ganz auf der anderen Seite der Insel.

Ich hatte somit noch ein Stück zu fahren. So fuhr ich aber über die ganze Insel, die ich so kennen lernte durfte. Diese hatte immerhin durchgehend einen Radweg.

Am Ende kam ich also in dem Ferienhotel an. Es war jetzt fast 22 Uhr. Ich war dennoch glücklich, da ich es geschafft hatte!

410 Kilometer von Salzburg nach Grado! Ein absolut abwechslungsreicher und durch seine Landschaft sehr beeindruckender Radweg.

Oft kann man sich an der Landschaft nicht satt sehen. Man fährt durch Berge, an Flüssen entlang hin zum Meer.

Am nächsten Tag würde ich noch zurückkommen müssen (und das entpuppte sich als problematisch). Aber ich hatte es geschafft und chillte am nächsten Tag als Belohnung noch etwas in der heißen Sonne am Strand.

Grado am Strand - Ende Alpe-Adria mit Fahrrad
In Grado am Strand. Mit Fahrrad! Ab dann ging es zurück.

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