3. Etappe Rhone-Route von Brig nach Andermatt

Die dritte Etappe und letzte unserer Rhone-Route startete im touristisch geprägten Alpenort Brig und endet im eher ruhigen und kleinen Alpendorf Andermatt. Beide Orte mag ich sehr – sie haben etwas besonderes. In Andermatt beginnt zudem der Rheinradweg, der bis in die Niederlande führt.

Jedenfalls hatten wir – mein Kumpel David und ich – heute eine anstrengende und anspruchsvolle Etappe vor uns.

Eigentlich sollte es heute über den Furkapass gehen, aber der war im Oktober schon gesperrt, so dass wir für dieses Stück den Zug nehmen mussten. Aber auch ohne Furkapass hatte die Etappe viel alpines zu bieten. Das Flussradweg-Feeling vom Vortag war vorbei.

Es ist spannend, dass so eine Etappe zur Nationalen Radroute 1 der Schweiz gehört. Denn einmal wie zwischen Bächerhäusern und Außerbinn im Gebiet hoch oben der Binn gab es einen richtigen Offroad-Streckenabschnitt.

Dadurch sind alle drei Etappen der Rhone-Route höchst unterschiedlich. Das macht diesen abwechslungsreichen Reiz dieses Schweizer Fernradwegs aus. Die ersten beiden Etappen findet ihr hier:

Brig, das Hotel Good Night Inn, bei der Rhone-Route.
Das „Good Night Inn“ in Brig, unser Hotel in der Nacht zuvor und natürlich unser Startpunkt.

Auf der alpinen Rohne-Route von Brig in das Alpengelände nach Ernen

Der Morgen war trüb in Brig. Der Himmel war komplett mit einer Wolkendecke verhangen. Zuerst ist es noch flach. Bis Bitsch hat der Radweg noch Flussradwegcharakter.

Anschließend wird es schon leicht ansteigend, aber nur leicht. Man fährt die ganze Zeit auf der Furkastraße, die als gefährlich ausgewiesen ist. Aber eigentlich ist das nur eine normale Schnellstraße, nicht ungefährlich. Bei so wenig Verkehr wie heute war das aber kein Problem.

Man erreicht schließlich die Kapelle weiße Kapelle mit dem schönen Namen „Kapelle zen Hohen Fluehen“. Diese steht direkt an den Felsen und am Straßenrand. Für Besucher ist sie nicht ungefährlich, weil hier Steinschlag möglich ist.

Die Kapelle zen Hohen Fluehen in Bitsch - Rhone-Route
Eine Kapelle zen Hohen Flühen direkt unter den Felsen.

Im nächsten Ort in Mörel und Filet ist man im Skigebiet der Riederalp. In diesem Skigebiet war ich mal als Kind, aber ich konnte mich nicht mehr so groß erinnern. Vom Namen her kannte ich es allerdings und war auch etwas überrascht als ich ein Schild dazu sah.

Wir wollten dann nach denbeiden Dörfern rechts den Berg hinauffahren. Dort geht die offizielle Rhone-Route weiter und jetzt richtig in die Berge. Der Pass ist eine kleine, enge Straße, die einen oberhalb von Grengiols entlang führt.

Man kann nach Mörel-Filet im Übrigen auch nicht in die Berge nach rechts fahren, sondern der Straße entlang folgen. Dann hat man mehr Verkehr und folgt auch nicht der offiziellen Rhone-Route. Für uns war die Strecke durch alpines und Offroad-Gelände die richtige Entscheidung, weil das einfach Spaß macht!

Man kommt durch kleine Siedlungen und Dörfer, aber von denen nahmen wir nicht so viel wahr, da wir uns vor allem auf die Straße und den Anstieg konzentrieren mussten.

Beim Pässe-Erklimmen geht es vor allem um Geduld und die richtige Einschätzung, was der eigene Körper so leisten kann. Man sollte sich auf keinen Fall am Anfang zu arg verausgaben und in den anaeroben Bereich kommen. Das bringt gar nichts. Eher ruhig und bedächtig jeden Meter genießen ist wichtig und was ich immer tue, über irgendein intellektuelles Thema nachdenken, was mich positiv stimmt.

Zwischen Filet und Birchl ging es auf der Rhone-Route durchaus den Berg hinauf.
Hinter Filet hat man eine solche immer ansteigende Straße vor sich. Wir quälten uns, wir Säue.

Die enge Straße wandelt sich auf dem Weg nach oben. Am Anfang hatten wir noch angenehmen, gut ausgebauten Asphalt. Später aber wurde der Belag anspruchsvoller.

Bis Grengiols-Oberdorf hat man noch Asphalt, ab dort folgen aber quasi betonnierte Fahrrinnen. Ich würde von Kopfsteinpflaster sprechen.

Kopfsteinpflaster in den Alpen – so etwas hatte ich, ehrlich gesagt, auch noch nicht erlebt. Teilweise wird es hier richtig steil, so dass ich an einer Stelle sogar mal schieben musste. Und das aber mit einem rennradähnlichen Gravelrad, was doch gewichtsoptimiert ist.

Nach den ersten Kilometern Anstieg waren wir auch etwas platt und quälten uns weiter hinauf. Die Kopfsteinpassagen waren mitunter die schwersten.

Kopfsteinpflaster mitten in den Bergen bei Grengiols in den Alpen.
Kopfsteinpflaster, holprig und hart ging es bergauf.

Nach den Kopfsteinpflasterpassagen folgt sogar Schotter. Das fand ich dann sogar wieder etwas einfacher zu fahren. Auch war es nicht mehr so steil.

Die Wege hier waren eng und der höchste Punkt war dann bei der Kapelle des heiligen Jakob oder wie der Volksmund dort sagt: Die Kapelle St. Jakob Uff dum Blatt.

Hier kann man eigentlich eine Pause machen. Wir aber wollten weiter. Zudem war es ja weiter trüb und auf dieser Höhe dann auch durchaus etwas kalt.

Es geht jetzt nur noch durch den Wald und erst steil hinunter und nach der historischen Schärtbrücke wieder hinauf.

Diese Brücke hier mitten im Wald ist schon kurios, man hat einen tollen Blick auf den Fluss. Die Brücke hat keine hohen Mauern aus Stein, so dass wir auch vorsichtig über sie drüber führen. Sie wurde erst 1976 wieder instand gesetzt.

Nach der Brücke hat man nochmal ein Stück durch den Wald und schließlich durch eine Wiese. Wir konnten kaum glauben, dass das die Nationale Radroute 1 der Schweiz war. Aber wir waren richtig und erreichen schließlich wieder die Straße von Ausserbinn, zu der man nach Ernen kommt.

Historische Schaertbruecke bei Ausserbinn - Spannende Brücke am Rhoneradweg.
Die Historische Schärtbrücke, die über einen Zufluss der Rhone – die Binna – führt.

Von Ernen via Oberwald durch den Furkatunnel nach Andermatt

Nachdem man die Straße in Ausserbinn erreicht hatte, war das Gröbste geschafft. Denn ab sofort hat man eine Abfahrt auf einer Asphaltstraße vor sich. Das macht das folgende Stück einfach und man schafft endlich ein paar Kilometer.

Nach Ausserbinn folgt Ernen. Der Walliser Ort hat mit seinen alten Bauerngebäuden, die vielfach aus Holz bestehen gleichzeitig etwas Schönes und Altes.

Man kommt jetzt wieder hinunter vom Berg und fährt wieder parallel zur Schnellstraße und parallel zum Fluss der Rhone.

Nach Ernen geht es weiter bergab durch die Dörfer Steinhaus und Niederwald.

Ernen - typisch Schweizerische Holzhäuser am Rhone-Radweg.
Das Dorf Ernen in den Alpen.

Bei Niederwald überquert man die Rhone wieder und kommt nah an den Bahnhof. Allerdings hatten wir jetzt wieder Schotterwege vor uns. Das war kein leichter, sondern grober Schotter, bei dem man sich konzentrieren musste.

Ich hatte ja ein Gravelbike, während mein Begleiter David ein Rennrad hatte. Für ihn war der grobe Schotter ein größeres Problem. Da wir beide keine Lust hatten, dass er einen Platten bekommt, entschlossen wir uns also den Schotterweg zu verlassen und auf der Straße in Richtung Bahnhof Oberwald bzw. Obergoms weiterzufahren.

Wir verließen also den offiziellen Weg und kamen auf die Straße, die etwas, aber nicht allzu viel befahren war.

Allerdings hatten wir ein ganz anderes Problem. Der Gegenwind war wirklich hart, so dass wir gar nicht so schnell vorankamen. Ich hatte damit sogar mehr Probleme als David und fuhr in seinem Windschatten.

Der Wind war kalt und stark. Er schlug uns richtig entgegen.

Nach Orten wie Geschinen erreichte man in Obergesteln schließlich Obergoms, den letzten Ort unserer Reise vor der Durchfahrt durch den Furkatunnel. Es wurde durch die Häuser links und rechts der Straße etwas ruhiger.

Nach Obergesteln kommt dann bald ein Tunnel. Dort war aber richtig Stau. Wir konnten dankenswerterweise an diesem vorbeifahren. Vor dem zweiten Tunnel verließen wir die Straße, fuhren um ihn herum und waren am Bahnhof.

Wir waren die einzigen Radfahrer hier. Das war gut. Denn als Autofahrer hätten wir noch ewig warten müssen, so konnten wir aber gleich einsteigen. Den nächsten Zug konnten wir schon nehmen. Er fuhr in ein paar Minuten los und machte uns so das Leben im kalten Oktober auf der Rhone-Route einfach.

Zug durch den Furkatunnel mit zwei Rennrädern - Autoverlad in Oberwald.
Bahntransfer durch den Furkatunnel mit Start in Oberwald. Wir waren die beiden einzigen Radfahrer, alle anderen waren mit dem Auto da.

Wahrscheinlich ist hier im Sommer richtig viel los. Aber da es so kalt war, wollte hier wohl keiner wandern und radfahren.

Uns war das nur recht. Wir hatten Platz!

Die Fahrt ist nur kurz, aber natürlich ist so ein Tunnel eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Ohne diesen Tunnel hätten wir jetzt echt ein Problem gehabt!

Nach dem Tunnel ist man im kleinen Realp. Der Furkapass ist überwunden. Bis Andermatt sind es jetzt noch 8-9 Kilometer. Das war machbar und schaffbar. Das Ziel der Rhone-Route war in greifbarer Nähe.

Schön ist es von der Strecke nicht, weil man direkt auf der Straße fährt. Aber viel Verkehr war nicht. Dafür hatte man eine prächtige Aussicht auf die Alpen.

Der Wind war zwar nicht mehr so stark, aber durchaus noch da und kalt. Dazu war ich etwas durchnässt, was einen schnell krank machen kann. Ich musste mich dringend umziehen!

Das Alpendorf Andermatt am Ende unserer Rhone-Route.
Das kleine Dort Andermatt in den Alpen. Es ist das Ziel der Rhone-Route und auch der Start des Rheinradwegs.

Schließlich kamen wir in Andermatt an. Uns war einigermaßen warm. Auch wegen Corona mussten wir draußen essen und konnten nichts in Warme. Deshalb trank ich zwei Tee und aß ein leckeres Falaffel.

Kurz ging ich ins Restaurant und zog mich um. Ich glaube, ich hatte alles an, was ich dabei hatte. Super-Zwiebel-Look.

Wir fuhren durchs kleine Andermatt, in dem ich dieses Jahr schon war. Ich zeigte David noch die Punkte, an denen ich schon war. Hier geht es ja auch zum Oberalppass hoch, dem Beginn des Rheinradwegs.

Wir fuhren noch hinunter bis Göschenen. Eine schöne und spektakuläre Strecke, aber durch das Abfahren auch recht kalt. David froren fast die Finger ab. Ich hatte ja sehr warme Handschuhe und damit keine Probleme.

Von Göschenen ging es dann via Zürich mit dem Zug zurück nach Tübingen. Wir hatten die extremst abwechslungsreiche Rhone-Route geschafft. Wir waren glücklich, hungrig, zufrieden und kaputt!

Schreibe einen Kommentar