1. Etappe Rhone-Route von Genf nach Monthey

Eine meiner letzten Touren 2020 sollte die Rhone-Route sein. Ich war nicht alleine unterwegs, sondern mit meinem Kumpel und (ehemaligen) Gemeinderatskollegen David Hildner. Der fährt auch supergerne Rennrad!

Wenn man der Wissenschaft zugehört hat, war es ja klar, dass irgendwann die zweite Corona-Welle kommen würde. Es war nur nicht sicher wann. In Genf war sie schon im Herbst am Anrollen. Es war uns aber möglich (sofern wir unter 48h dort blieben) nochmal in die französische Schweiz zu fahren. Auf dem Rad ist man ja ohnehin meistens kontaktlos unterwegs.

Jedenfalls ist das eine spannende Route, denn ab Genf kann man bis ganz ans Mittelmeer fahren. Ich habe das 2016 sogar teilweise gemacht, indem ich entlang der Rhone nach Avignon gefahren bin.

Doch jetzt ging es genau umgekehrt in die andere Richtung. Wir wollten von der Nationalen Radroute 1 der Schweiz bis nach Andermatt kommen. Dabei sollten wir zuerst Teile der französischen Schweiz und dann große Teile der deutschen durchqueren.

In Brig waren wir sogar fast in Italien. Aber eben nur fast. Ganz am Ende würde der Furkapass kommen, der aber gesperrt war. Dafür gab es einen Zug, der durch einen Tunnel unter dem Berg entlang führte.

Genfer See, französisch Lac Leman, am Vorabend in Genf - Rhone-Route.
Der Genfer See (Lac Leman auf französisch) am Vorabend unseres Starts in Genf.

Der Rhone-Route-Start: Von Genf nach Lausanne

Genf ist eine Weltstadt, wahrscheinlich die Weltstadt was wichtige Institutionen anbelangt. Wir hatten keine große Zeit die Stadt zu auskundschaften. Dennoch fuhren wir an der inzwischen nicht mehr so wichtigen (aber heute marginalisierten) WTO vorbei, der Welthandelsorganisation. Ziemlich am Start der Rhoneroute war das.

Der Radweg geht geht ja nicht direkt am dichtbesiedelten Genfer See vorbei. Der Start ist an einer Schnellstraße, an der es einen Radweg gibt. Damit hatten wir dann die ersten 6 Kilometer schon absolviert.

Man fährt übirgens den größten Teil über Land etwas entfernt vom See, der auf französische Lac Leman heißt.

Genf WTO - Welthandelsorganisation Gebäude - gesehen auf der Rhone-Route.
Die WTO, die Welthandelsorganisation in Genf. Heute spielt sie nicht mehr so eine große Rolle wie vor 10 Jahren. Aber es gibt sie noch!

Das erste Ziel ist nun das kleine Versoix, hier bogen wir im Kreisverkehr ab, um durch den Ort zu kommen. Eigentlich hätten wir – soweit ich sehe – schon früher ab gemusst. Aber wir hatten wohl die Beschilderung übersehen.

Es geht jetzt durch schöne kleine, gemütliche Wohngebiete. Hier ließe sich es sehr gut aushalten. Aber wir wollen natürlich weiter. Die Fahrt durch besiedeltes Gebiet entschleunigt immer etwas. Aber das war nicht schlimm – wir hatten Zeit mitgebracht.

Der Genfer See ist sehr stark besiedelt. Direkt nach Versoix, kamen dann gleich weitere Orte mit Namen Mies und Founex. Alle Orte gehören zum Kanton Waadt oder eben auch Vaud auf französisch, was man hier spricht.

Das Wetter war heute übrigens für einen Oktobertag richtig super. Sehr schönes Radwetter. Die Regentage und kalten Tage sollten noch kommen. Heute konnte man teilweise seine Jacke ausziehen, so warm war es.

Aussicht bei Founex auf den Genfer See.
Aussicht bei Founex auf den Genfer See.

Auch wenn man nicht direkt am See fuhr, hatte man eine faszinierende Aussicht auf ihn. Besonders die Kombination: Weinberge plus Genfer See plus Alpen im Hintergrund ist wirklich faszinierend.

Hinter Founex hatten wir dann endlich mal wieder ein Stück Wald mit Gravelanteil, also mit Schotterweg. Das wurde mir zum Verhängnis. Es war so holprig, dass meine Kamera aus meiner Food-Tasche löste, die ich am Lenker und Vorbau befestigt habe.

Die Kamera befindet sich mit einer Art “Selfie-Stick” in der Tasche und ist nur lose befestigt. MIr war nicht so klar, dass das so schnell ging. Aber der Stick zerbröselte bei der Fahrt über einen Hubbel, während die Kamera in Ordnung blieb.

Ich hob alles auf, den zerbrochen Stab und dessen Brösel und weiter ging es nach Nyon. Solche Fehler passieren halt mal, kein Grund sich lange aufzuregen.

Nyon ist dann wieder eine etwas größere Gemeinde mit Bahnhof und Burger-King. Durch ein bisschen Verkehr durch gelangt man bald schon wieder raus aus der Stadt auf die Felder.

Zuerst fährt man ein Stück entlang der Bahnstrecke in Richtung Gland, kommt an einem kleinen Flughafen vorbei und fährt dann durch das kleine Gland.

Wieder folgen Wirtschaftswege und Felder, so geht es dann weiter bis Rolle bis man hinter Perroy in den Weinbergen ist und mit den Wolken eine spektakuläre weite Aussicht auf den Genfer See und die Alpen hat.

Genfer See - Blick auf die Alpen bei Perroy in der französischen Schweiz
Super Aussicht mit Weinbergen hinter Perroy.

Es kommen weitere kleine Orte wie das mittelalterliche Buchillon und Saint-Prex. Zumindest empfang ich es so, dass es hier mittelalterlich aussah. Alles, was mit alten Steinen und Mauern zu tun hat ist irgendwie mittelalterlich.

Wenn man übers Land fuhr, war der Radweg meist ruhig und wenig befahren. In den Orten selbst hatte man es doch mit Verkehr zu tun und der Radweg verlor seinen touristischen Charakter.

Wie in Morges, das zwar eine schöne Kirche hat, aber in der Stadt selbst ist es dann doch etwas eng. Einen extra Radweg gab es auf dem Weg nicht. Man muss also vorsichtig sein bei dem hohen Verkehrsaufkommen am Genfer See.

Morges - Kirche - Rhone-Route Lac Leman
Kirche in Morges.

Von Morges war es nicht mehr weit bis zu unserem ersten Zwischenziel Lausanne. Dort wollten wir eine kleine Minipause einlegen. Wir hatten schließlich auch Hunger!

Nach Morges fährt man ein Stück auf der Hauptstraße entlang, der Rue de Lausanne, um dann bei Preverenges abzubiegen. Man kommt da durchs Wohngebiet und ist endlich mal wieder direkt am See.

Durch das gute Wetter hatte man einen super Blick auf ihn. Hier ist Campinggebiet und hier gibt es Stände.

Über eine kleine, süße, aber enge Brücke, auf der man absteigen muss, kommt man über das Flüsschen “La Venage”.

Von Lausanne selbst sieht man vor allem die Hafen und die Parks. Das ist sehr schön. Man kommt direkt, unmittelbar am Internationalen Olympischen Komitee vorbei. Das gläsere, lamellenförmige Gebäude fällt auch sofort auf.

Lausanne ist so etwas wie die Hauptstadt von Olympia. Hier tagt das Komitee und hier ist auch unter anderem der Internationale Sportsgerichthof. Am Hafen gibt es eine Uhr, die anzeigt, wann die nächsten olympischen Spiele sind.

An der Promenade war heute nicht allzuviel los, aber es ist sicherlich hier ein Platz zum Verweilen. Die Stadt ist nicht so groß und mächtig wie Genf und hat dennoch einen großstädtischen Charme. Ich mochte es hier.

Kurz vor dem Ende von Lausanne gönnten wir uns noch einen kleinen Snack. Auf der gegenüberliegenden Seite eines Schlosses war David so nett zwei Paninis zu besorgen, die wir ein paar hundert Kilometer weiter am See dann verdrückten.

Lausanne - Hafen Ouchy - am Genfer See an der Rhone-Route.
Der Hafen Ouchy in Lausanne. Ich bin mir nicht sicher, was das von hier aus umgedrehte C bedeutet.

Rhone-Route von Lausanne nach Monthey in die französische Schweiz

Nach Lausanne hat man den größten Teil des Rhoneradwegs am nördlichen Genfer See geschafft. Dennoch kommt jetzt noch ein spannender Part bis Vevey und Montreux.

Erstmal geht es noch direkt am See entlang, an dem ich mich nie sattsehen werde können.

Doch schon bald verlässt man den Genfer See schon wieder und fährt auf der Hauptstraße, dieses Mal der Route de Vevey. Wieder gab es hier keinen richtigen Radweg. Für ungeübte oder Familien ist die Nationale Radroute 1 der Schweiz eher weniger geeignet.

Lediglich in Lutry ist man nochmal kurz am See. Dort hat man wieder eine schöne Promenade, Restaurants und einen Hafen mit Yachten.

Doch das ist dann das letzte Mal fürs erste. Nach Lutry geht es hinauf in die Weinberge.

Der Radweg zwischen Lutry und Vevey ist spektakulär. Teilweise ist es hier richtig steil, so steil, dass ich selbst mit meinem nicht allzu schweren Gravelbike absteigen musste. David schaffte es jedoch ohne Absteigen.

Lutry am Genfer See - Rhone-Route
Die wunderschöne Promenade von Lutry am Genfer See (Lac Léman).

Während die Steigung direkt am See durchaus moderat ist, so ist sie hier in den Weinbergen teilweise richtig heftig!

Das macht Spaß – ist aber auch anstrengend. Da die Wege auch nicht allzu breit sind, muss man sich beim Steuern bergab auch sehr konzentrieren.

Außerdem ist hier alles unterwegs: Radler, Fußgnänger und fette SUVs.

Nach Lutry geht es erstmal steil bergauf. Man kommt schnell 100 Meter höher. Anschließend kommen Weindörfer wie Aran, Grandvaux und Riex.

Hier waren einige Radler unterwegs, aber auch SUVs, die nervten. Meistens blockierten sie hier oben einfach nur die Straße, so dass man nicht voran kam. Die engen Straßen sind für solche Autos einfach nicht gemacht, sie gehen ja auch kaputt davon.

Ab Epesses hat man dann den höchsten Anstieg zu absolvieren bis auf 520 Meter über dem Meeresspiegel (der Genfer See liegt so bei 380). Nach diesem höchsten Punkt geht es steil bergab.

Aussicht Epesses Weinhänge am Genfer See - Rhoneradweg
Spektakuläre Aussicht von den Weinhängen aus auf den Genfer See. Wunderschön!

Und auch das ist nicht unbedingt Erholung. Denn hier war viel los und man musste sich beim Steuern konzentrieren.

Dafür hatte man die ganze Zeit eine wirklich wundervolle und spektakuläre Aussicht, die noch spektakulärer war als die spektakuläre von vorhin. Dieser Teil ist wirklich der schönste Abschnitt des Rhone-Radwegs bisher.

Erst oberhalb von Saint Saphorin kommt man wieder auf eine halbwegs passable normale Straße, mit der man sich dann in den Verkehr nach Vevey stürzt. Auf einer Straße geht es dann gleich weiter nach Montreux.

In Vevey und auch den ganzen Weg bis Montreux war wirklich viel auf den Straßen los. Sowohl von Leuten her als auch vom Verkehr.

Stau in Montreux am Genfer See bzw. an der Rhoneroute.
Stau in Montreux. Hier kam man selbst mit dem Rad schwer durch.

In Montreux gab es dann Stau, an dem selbst wir als Radfahrer nicht so einfach vorbeikamen. Ich versuchte den Verkehr clever zu umrunden, aber mein Kollege David konnte meinen “genialen” Schachzügen nicht so wirklich folgen.

Deshalb wartete ich und wir waren dann beide froh bald wieder aus Montreux raus zu sein. Dort wartete zwar erst ein Abschnitt Schnellstraße vor uns, aber wir kamen wenigstens voran.

Ab Villeneuve, von dem mir vor allem die Tankstelle in Erinnerung ist, ist dann die Straße wieder vorbei und man biegt in ein schönes ländliches Gebiet ein mit viel Grün, mit Feldern, mit Pferden, aber auch vielen Böschungen. Man ist jetzt noch unterhalb des Genfer Sees, aber nicht mehr lange. Man verlässt ihn bald und fährt nur noch an der Rhone entlang.

Rhone bei Monthey mit Alpenblick - Rhone-Route
Jetzt endlich: Am Flussradweg der Rhone, kurz vor Monthey.

Kurz vor Bouveret (das man nicht sieht und in das man nicht hineinkommt) überquert man dann die Rhone auf einer Radbrücke und fährt von uns aus gesehen rechts von ihr nach Süden.

Jetzt ist der Weg wirklich idyllisch und ein Flussradweg. Es sind aber noch 19 Kilometer bis zum Ziel nach Monthey, die wir aber jetzt richtig genießen konnten. Insgesamt würden es heute 128 Kilometer werden.

Nur noch an Vouvry kommt man bis Monthey vorbei. Sonst gibt es über die Strecke nicht mehr große was zu erzählen. Auf der anderen Flussseite wäre Aigle gewesen, aber dort mussten wir nicht hin.

Bahnhof von Monthey in der Nähe der Rhone-Route.
Bahnhof von Monthey. Hier in der Nähe war unser Hotel!

In Monthey angekommen stellten wir freudig fest, dass dort gerade Kommunalwahlen sind. Monthey ist die Partnerstadt von Tübingen und wir hatten ein paar der Stadträte schon persönlich bei einer offiziellen Angelegenheit getroffen. Wir erkannten also diese auf den Bildern der Plakate teilweise.

Wir genoßen noch draußen und coronakonform eine Pizza und schliefen bald schnell ein. Morgen sollte es ja weitergehen an der Rhone-Route. Wir wollten bis nach Brig kommen. Außerdem sollte das Wetter nicht mehr so gut sein.

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