Limesradweg 1. & 2. Etappe: Bad Breisig – Marienfels – Glashütten

Wir – ja, dieses Mal wir – machten uns auf für einen wirklich, richtig anspruchsvollen Radweg. Aber eben auch historisch sehr bedeutsamen Radweg. Es geht um den deutschen Limesradweg, der vom Rhein bis zur Donau führt.

Start ist zwischen Koblenz und Bonn am Rhein in Bad Breisig. Das Ziel ist in Regensburg an der schönen Donau. Wer will kann natürlich noch am Donauradweg weiter nach Passau fahren.

Besonders macht den deutschen Limesradweg eben, dass die Römer hier früher ihren Limes errichtet hatten. Dieser trennte den „wilden“ Norden Germaniens von der damals zivilisierten Welt der Römer.

Deshalb findet man heute noch im Süden von Deutschland alte Landhäuser (villae rusticae), die die Römer zu dieser Zeit bewohnten.

Da wir eigentlich in Remagen starteten kamen wir noch über die letzte Ahrbrücke, bevor der Fluss in den Rhein fliesst. Leider wurde die Brücke 2 Monate später durch das heftige Hochwasser von 2021 zerstört. Sie schien noch intakt, aber das Treibgut hatte ihr den Rest gegeben. Das macht einen vom Gefühl her eben nochmal mehr betroffen. Mich zumindest.

Ahrmündung in den Rhein - Brücke - Am Limesradweg.
Ahrmündung Brücke Mai 2021.
Zerstörte Ahrbrücke - Ahrmündung in den Rhein - Hochwasser 2021.
Zerstörte Brücke nach dem Hochwasser im Juli 2021

Der Limes wurde durch unwegsames Gelände gebaut. Gerade am Anfang in Rheinland-Pfalz und Hessen war die Radtour unglaublich anstrengend. Überall war Schotter.

Vor allem viele Höhenmeter sammelten wir über die kommenden 8 Tage. Wir wollten ca. 800 Kilometer in dieser Zeit schaffen: Eine krasse Leistung von uns! 🙂

Ich habe die Etappen nun zusammengefasst. In diesem Artikel stelle ich die ersten beiden Etappen vor (die wir aus Gründen nicht ganz schafften, das erkläre ich weiter unten).

Schiff Bad Breisig - Bad Hönningen - Über den Rhein - Start Limesradweg.
Mit diesem Schiff überwanden wir den Rhein und begannen so unsere Radreise am Limesradweg.

Von Bad Breisig nach Höhr-Grenzhausen

Der Beginn war vor allem davon geprägt nochmal ein Covid-19-Testzentrum zu finden, was wir in Remagen taten. Von dort geht es einfach am Rhein entlang nach Bad Breisig, wo schließlich der offizielle Radweg beginnt.

Der Anfang war einfach. Für ein paar Euro schipperten wir mit dem Schiff über den Rhein nach Bad Hönningen. Dort stand schon der erste Limesturm am Ortseingang von Rheinbrohl. Hier geht es dann erst so richtig los.

Zuerst mal kommt man durchs Dorf, doch anschließend geht es gleich richtig los. Der Anstieg beginnt sofort! Es geht gleich ans Eingemachte.

Wir starten also auf diesem eher schlechten Asphaltweg. Eigentlich ist er nicht eng, da uns aber ein paar Autos überholten wurde er es.

Bergauf hinter Rheinbrohl - Deutscher Limesradweg
Harter Start! Es geht erstmal nur bergauf.

Schließlich schaffen wir es in den Wald und haben die ersten holprigen Stücke vor uns. Es geht schon zu fahren, aber auch der Waldboden ist hier und da kaputt und man muss eben aufpassen.

Dennoch ist dies ein schönes Stück Radtour. Vor Rodenbach geht es dann schließlich den Berg hinunter nach. Hier war die Straße zwar wieder asphaltiert, aber auch nicht im besten Zustand!

Nach Rodenbach fuhren wir über die Straße nach Segendorf. Alles eher unspektakuläre Orte wie ich fand.

Man muss vielleicht dazu sagen: Wir versuchten weitgehend der Strecke, so wie sie ausgeschildert war, zu folgen. Aber komplett klappte das nicht, weil mein Kumpel ein Rennrad hatte. Dieses Rennrad hatte recht dünne Reifen und war für den Schotter nicht immer geeignet. Also wechselten wir oft auf die Straße.

Römerkastell Niederbiber am Limesradweg.
Das Römerkastell in Niederbiber am Limesradweg.

In Niederbieber fanden wir dann mitten im Dorf Römer-Ausgrabungen. Das war wohl das Nordtor des Römerkastells Niederbiber gewesen. Das spektakuläre war, dass das mitten im Wohngebiet war.

Es folgt Oberbieber, wo man am Ortsausgang in der Nähe eines Limesturms einen spektakulären Radweg hat. Dieser führt ausschließlich auf der Erde, auf einem engen Weg den Berg hinunter.

Für mich als „Angsthase“ beim Bergabfahren durchaus eine Herausforderung, die ich aber meisterte.

Oberbiber - spektakulärer Radweg abwärts am Limesradweg.
Trail-artiger Radweg bei Oberbiber.

Es folgte so ein Pferdehof und bei Gladbach suchten wir erstmal einen Supermarkt auf, um uns einzudecken.

Nach Bendorf, wo man wieder recht nah am Rhein ist und wo es viel Autoverkehr gab, ging es erstmal raus in die Natur. Durch den Wald fährt man teilweise über einen Asphaltweg, was auch mal ganz angenehm war.

Spektakulär schön war dann Höhr-Grenzhausen mit vielen Fachwerkhäusern und einer tollen, relativ engen, aber nicht zu engen Altstadt. Viel Zeit hatten wir dort nicht, weil wir noch viele Kilometer vor uns hatten. Dennoch war der Anblick sehr schön.

Höhr-Grenzhausen am deutschen Limesradweg
Höhr-Grenzhausen sind auch toll aus mit den Fachwerkhäusern.

Von Höhr-Grenzhausen via Bad Ems nach Marienfels

In Höhr-Grenzhausen ging es immer weiter runter und sie war auch etwas belebt. Man musste sich etwas konzentrieren, da man in den verkehrsberuhigten Bereichen bergab nicht zu schnell fahren durfte.

Anschließend kommt noch ein Asphalttradweg und bei Hillscheid geht es dann ein ganzes Stück holprig den Berg hinunter. Ich hatte ja schon ein Gravelrad. Aber auch mit den groben Steinen war das eine echte Vorraussetzung.

Für meinen Kollegen war es mit 28-Millimeter-Reifen wohl noch schwerer!

Nachdem wir in Eitelbronn wieder den rettenden Asphalt erreicht hatten, hatte er dann aber kurioserweise dann seinen ersten Platten, den er rasch wieder reparierte.

Wir fuhren dann anstatt auf dem Schotterweg lieber auf dem Asphaltradweg ins wundervolle Bad Ems ein.

Bad Ems am Limesradweg
Bad Ems am Limesradweg – stattliche Gebäude an der Lahn.

Von Bad Ems waren wir beide überrascht. Nach eher „langweiligeren“ Orten war diese Stadt herausragend. Die Stadt besteht aus herausragenden Gebäuden mit vielen Verzierungen und Säulen. Sie ist eine Kurstadt und ein paar Wochen nachdem wir dort waren, wurde sie sogar UNESCO-Weltkulturerbe.

Ob wir das beeinflusst haben? Wer weiß!

Jedenfalls waren wir beeindruckt als wir hier an der Lahn entlang fuhren und die Stadt betrachteten. Der Lahnradweg kreuzt hier im Übrigen (ein paar Wochen später würde ich ihn komplett fahren).

Spielplatz Geisig - Limesradweg.
Spielplatz in Römermanier designt: „Unser kleines Fort“.

Zuerst versuchten wir nach Bad Ems noch auf dem Waldweg entlang zu fahren, doch dann entschieden wir uns komplett für die wenig befahrene Straße. Hier ging es Auf und Ab.

Man hatte also nochmal ein paar Höhenmeter vor sich. Über Becheln, Schweighausen, Dessighofen und Geisig – alles kleine unscheinbare Dörfer – gelangt man schließlich zu unserem Ziel Marienfels.

Dort hatten wir unsere erste Unterkunft. Es war gar nicht so einfach hier etwas zu essen zu bekommen. Nach drei Anrufen bei Pizzalieferdiensten hatten wir es aber geschafft und aßen lecker auf dem Boden kulinarisch hochwertige Pizza!

Morgen sollte es dann weiter gehen. Die nächste Etappe auf dem Limesradweg versprach auch anspruchsvoll zu sein!

Marienfels - Deutscher Limesradweg
Kirche von Marienfels.

Von Marienfels nach Adolfseck

Von Marienfels fährt man den Berg hinunter und muss dann den Eingang zum Wald finden. Wir verpassten ihn erst um ein paar Meter, fuhren dann aber zurück.

Der Wald war wieder holprig, schotterig. Für mich kein Problem. Für meinen Kumpel aber mit dünnen und angeschlagenen Reifen eher schwierig.

Nach dem kurzen Stück Wald hat man einen weiten romantischen Blick über diel Felder, unter anderem über das Dorf Hunzel. Das klingt vielleicht nicht so romantisch, sah aber an diesem morgen so aus!

Von Pohl aus fuhren wir geradewegs nach Holzhausen. Sowohl den das Limeskastell in Pohl als auch den Limeswachtposten hinter Pohl ließen wir links liegen. Grund war einfach, dass wir heute einiges vorhatten und weniger zum Sehenswürdigkeiten gucken da waren. Wenn man mehr Sehenswürdigkeiten sehen möchte, muss man den Limesradweg auf 1,5-2 Wochen ausdehnen.

Es folgt Holzhausen an der Haide, ein unscheinbarer Ort, der wohl für Nicolaus August Otto bekannt ist, den Erfinder des Otto-Motos. Am Ortseingang gibt es ein Museum mit ihm.

Geburtshause Nicolaus August Otto - Erfinder des Ottomotors - Limesradweg. In Holzhausen an der Haide.
Museum über Nicolaus August Otto, den Erfinder des Ottomotors. In Holzhausen an der Haide.

Anschließend hat man einen wunderbarer Anblick von Landschaft und Windkrafträdern.

Man kommt nach Martenroth und wir fuhren weiter auf Asphalt (statt auf Schotter) und der Radweg war hier schön und wenig befahren. Auch Verkehr von seiten PKWs hatte es kaum.

Man fährt wieder durch einen Wald mit Schotterwegen. Eigentlich kein Problem – nur die Reifen von meinem Kumpel waren dafür eigentlich zu dünn.

Es folgten Heidenrod, Huppert und Kemel. Auch hier gab es wieder viel weite Landschaft und Windrädern im Blick.

Windräder und Straße zwischen Martenroth und Grebenroth.
Windräder, Raps & eine schöne Asphaltstraße.

Dann vor Lindschied! Schon wieder ein Platten von meinem Kumpel. Richtig ärgerlich.

Es war jetzt klar: Der Reifen war gerissen und wir hatten ein Problem. Er konnte jetzt kaum noch weiterfahren. Ich versuchte gleich verzweifelt in Facebook zu fragen, ob in der Nähe jemand ein Reifen hat.

Denn es war Sonntag und am nächsten Tag Feiertag. Einen offenen Radladen zu finden war also unmöglich.

Am Abend klappte es tatsächlich. Aus drei Möglichkeiten wurde eine sinnvolle. Mein Kumpel übernachtete in Wiesbaden, weil er da Verwandtschaft hatte und konnte einem Rennradfahrer aus Idstein einen Reifen abkaufen.

Sehr gut. Wir konnten also mit Verzögerung weiterfahren.

Da wir aber die Hotels schon gebucht hatten, fuhr ich weiter in Richtung Butzbach und würde die morgige Etappe alleine absolvieren. Bei Stockstadt am Main, was nicht weit von Aschaffenburg ist, würden wir uns zur 4. Etappe wieder treffen.

Die Lösung war also gefunden!

Nach einem kurzen Stopp an der Tankstelle in Bad Schwalbach ging es für mich dann weiter, während mein Kumpel mit dem Bus nach Wiesbaden fuhr.

Bergauf nach Adolfseck am Limesradweg.
Bergauf hinter Adolfseck. Man fährt allerdings gleich weg von der Straße auf einen schönen, aber anstrengenden Überland-Radweg.

Von Adolfseck nach Glashütten

Ich fuhr also weiter. Der nächste Ort hieß Adolfseck. Von dort aus hat man über ein Gebiet mit viel Wiese einen harten Anstieg. Anschließend erreicht man nun Watzhahn.

Anschließend folgt ein sehr gerader Weg durch den Wald, direkt entlang des historischen Limes. Hier war nun einiges los. Man merkte man war im Freizeitgebiet für Wanderer und Fahrradfahrer. Dieses Stück Radweg machte wirklich Spaß.

Es folgen Orlen und Eschenhahn (südlich von Idstein) und über eine Schotterstrecke unter Engenhahn nach Niederseelbach. Man befindet sich nun im Taunus nördlich von Wiesbaden.

Reste eines römischen Doppelwachtrums am Limes in Orlen.
Reste eines römischen Doppelwachturms am Limes. Direkt am Radweg gelegen…

Insgesamt hat man den Rhein ja eigentlich nie wirklich verlassen. Man fährt nur in seiner weiten Peripherie. Das ändert sich nun, im Prinzip kann man sich jetzt am Main orientieren, den man auf der dritten Etappe schließlich auch erreicht.

Über teilweise Trailstrecken mit Schotter geht es in den nächsten kleinen Ort nach Engenhahn.

Als nächstes geht es wieder durch Dörfer und ständig Auf und Ab, das ganze war schon etwas zermürbend und anstrengend. Irgendwie war ich heute auch nicht ganz so fit. Zu dem Zeitpunkt hoffte ich es noch zu schaffen.

Bei Heftrich verfuhr ich mich dann sogar und war irgendwie rechts abgebogen statt geradeaus zu fahren. Über einen holprigen Waldweg hatte ich einen unnötigen Umweg genommen.

Kurz nach dem Heftrichter Moor hatte ich dann noch einen echt groben und holprigen Boden mit kleinen Steinen vor mir. Da meine Reifen nicht mehr die besten waren, schob ich sogar. Ich wollte unbedingt einen Platten vermeiden!

Nach einem Anstieg kam ich in Schlossborn an und schaffte es noch bis Glashütten.

Grober holpriger Boden zwischen dem Heftrichter Moor und Schlossborn.
Über diesen Radweg macht es selbst mit Gravelbike nicht so richtig Spaß zu fahren. Übelst krass holprig.

Nicht mehr nach Butzbach heute…

Ich setzte mich an eine Bushaltestelle in Glashütten und checkte nun die Lage. Eins war klar: Ich würde die Etappe heute nicht mehr komplett schaffen. Aber es gab nun auch in der Nähe keine Möglichkeit mit dem Zug zu fahren.

Straßenbahn und Zug war keine Möglichkeit. Erst in Butzbach gab es wieder einen Bahnhof – und da musste ich eben hin.

Es gab also nur die Möglichkeit in Richtung Frankfurt zu fahren und dahin ging es wenigstens bergab. Über Königsstein im Taunes fuhr ich Richtung Bad Homburg.

Bahnhof Butzbach mit Gravelbike am Limesradweg.
Butzbach am Bahnhof. Mit meinem Gravelbike.

Zwar war das alles auf einer vielbefahrenen Straße, es war Feierabendverkehr, aber wenigstens ging es schnell.

In Oberursel stieg ich dann in die Straßenbahn ein. Ich hatte Glück, dass das so klappte. Anschließend musste ich nur in Frankfurt-Eschersheim und Frankfurt-West umsteigen, um schließlich nach Butzbach zu kommen.

Am nächsten Tag würde ich dann dort starten und meinen sehr guten Kollegen dann abends in Stockstadt am Main wieder treffen.

Mein Ziel ist es nun die ersten beiden Etappen in drei aufzuteilen und möglichst nächstes oder übernächstes Jahr nochmal zu fahren. Diese sind eben wirklich von den Höhenmetern und vom Untergrund her gar nicht so einfach!

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