Oder-Neiße-Radweg 2. Etappe: Von Görlitz nach Guben

Die zweite Oder-Neiße-Radweg-Etappe war jetzt dran. Nachdem es am Vortag ziemlich regnerisch am Anfang gewesen war, später aber schön, hatte ich heute einen Tag mit gutem, ja recht heißem und drückendem Wetter vor mir.

Zu Beginn konnte ich nochmals die wunderbare Altstadt von Görlitz bestauen. Schon bald ging es aber los.

Am Vortag hatte ich mich ja ziemlich gut verköstigt. Es gab schlesisches Essen. Etwas, was ich in Süddeutschland eher nicht so bekomme. Das Restaurant war auch lecker und ich mochte die Abenstimmung in der Stadt sowie das gute Hotel.

Ich war am Abend nochmals in der Stadt herumgelaufen und die Stimmung war einfach nur gut. Aus einem Restaurant kam Musik und man konnte es hier genießen!

Görlitz bei Nacht - Oder-Neiße-Radweg
Das beleuchtete und wunderschöne Görlitz am Vorabend der Etappe.

Von der Altstadt von Görlitz bis Rothenburg/Oberlausitz

Görlitz zu verlassen ist nicht nur wegen seiner Schönheit nicht einfach. Zusätzlich befindet sich zum Start des Wegs an dieser Stelle ziemlich viel Kopfsteinpflaster. Man rumpelt also so über den Radweg.

Das ist zwar ganz nett zum Anschauen, aber nicht zu genießen. Durch ist man erst, wenn man an durch diesen Torbogen hinter der Altstadt gelangt war und wieder auf den Asphalt kam. Hinter dem Bogen steht das Scharfrichterhaus: Dort geht es um Denkmalschutz.

Nach dem Bogen fuhr man erstmal auf Wirtschaftwegen weiter, die sich teilweise mit einer Straße kreuzten. Kurzzeitig war hier mal viel Verkehr, aber nur weil irgendwas gesperrt war.

Tor hinter Görlitz am Oder-Neiße-Radweg.
Hinter Görlitz ist dieses Tor. Über Kopfsteinpflaster kommt man dorthin.

Auf Straßen mit recht viel Wohnbebauung ging es weiter. Dennoch war es im Folgenden recht ruhig, ohne viel Verkehr.

Hinter dem gemütlichen Ludwigsdorf geht es dann nach rechts ab und man kommt wieder zur Neiße. Entlang von saftigen grünen Wiesen hat man nun ein tolles Stück Radweg vor sich. Zuvor war ich ja eher etwas abseits vom Fluss gewesen, jetzt war ich in der Nähe der Neiße.

Obwohl man anschließend wieder ein Stück nach Westen weg von der Neiße fährt, ist man in Zodel als Teil von Neißeaue jetzt im östlichsten Punkt der Republik. Mehr Osten geht gar nicht mehr!

So viel kann man von dem Ort allerdings gar nicht erzählen. In der Mitte der Gemeinde steht die Jesus-Christus-Kirche. Ein Herr, der gegenüber wohnt, fragte mich, ob ich in die Kirche schauen wolle.

Jesus-Christus-Kirche in Neißeaue - Oder-Neiße-Radweg
Jesus-Christus-Kirche am östlichsten Ort in Deutschland: In Neißeaue.

Ich verneinte allerdings, da ich ja weiterfahren wollte und musste: Die Etappe heute würde lang werden!

Am Ausgang des Ortes sah ich noch eine „Radler-Tankstelle“. Das war einfach eine Bank, aber ich finde es schön, wenn man an die Radler eben denkt.

Geradeaus geht es nach Deschka. Dort sah ich auf der Straße einen Trabi. Sehr cool, das ist Osten, so kann man ihn fühlen und sehen. In Deschka, was auch noch zu Neißeaue gehört, musste man aufpassen.

Die Beschilderung war nicht so eindeutig, wie ich finde, es wurde mir aber klar nach etwas Recherche, dass ich nach links musste.

Rechts würde es zum östlichsten Punkt Deutschlands gehen. Soweit ich sehe ist dieser mit dem Rad aber gar nicht so einfach erreichbar.

So folgte ich einfach der Beschilderung. Nachdem es kurz rechts entlang ging, musste man wieder nach links fahren, um gan lange geradeaus auf einem asphaltierten Feldweg zu fahren. Hier konnte man jetzt ordentlich Strecke machen!

Kulturinsel - Die Geheime Welt von Turisede - Oder-Neiße-Radweg
Kulturinsel – Die Geheime Welt von Turisede: Eine Fantasiewelt mitten im Wald bei Neißeaue.

Nach einer Brücke gelangt man in einen schönen Wald. An diesem Ende befindet sich dann etwas Besonderes: Hier fanden sich lauter bunte kleine Häuser mit Fantasiefiguren. Das ganze ist für Kinder macht und nennt sich Kulturinsel Einsiedel.

Das sieht ziemlich toll aus und es scheint so, dass hier auch etwas los war. Man fährt noch ein Stück an dieser Kulturinsel vorbei, um schließlich rechts abzubiegen. 17% stand dort auf einem Schild. 17% würde es jetzt bergab gehen. Ich fand es unspekakulär, aber für Brandenburg ist das wohl etwas!

Der nächste Ort nach ruhigem Radweg ist Niederneundorf. Nachdem man dort durch ist fährt man ins Grüne bis nach Rothenburg in der Oberlausitz.

Dort habe ich lediglich 30 Kilometer geschafft und heute sollten es 130 Kilometer werden.

Rothenburg/Oberlausitz - Oder-Neiße-Radweg
Rothenburg an der Oberlausitz. Nix los hier!

Von Rothenburg/Oberlausitz nach Bad Muskau

Ruhig ist’s in Rothenburg, auch wenn der Marktplatz hier eine große Ausdehnung hat. Irgendwie wohnen hier wohl nicht so viele Menschen oder sie sind immer alle Zuhause. Wer weiß.

Jedenfalls hat Rothenburg eine tolle Fußgängerzone mit Kirche und modernen Gebäuden in der Mitte der Stadt. Ich würde diese entlang einer Straße auf einem engen Radweg verlassen.

Dieser Radweg zieht sich etwas. Es folgt der Flugplatz in Rothenburg, von dem ich aber bis auf ein Schild nichts sah und Lodenau, ein Ortsteil von Rothenburg.

Nach Lodenau kommt man endlich wieder an die Lausitzer Neiße und kann den Fluss etwas genießen, der aber immer wieder im Wald oder hinter Büschen sich versteckt.

Nun kommt man durch einen richtigen dichten Wald. Dort befinden sich Gras und ziemlich viele Bäume.

Die Wolken hatten den Himmel schon immer mehr verdunkelt, doch ich dachte nicht, dass es so schnell geht. Im Wald platzte auf einmal ein richtig krasser Regen auf mich herein.

Ich wurde sehr schnell sehr nass, weil ich nicht dazu kam meine Regenklamotten anzuziehen. Obwohl ich im Wald war, ging das alles richtig schnell. Der Regen war schon recht heftig.

Regen im Wald bei Krauschwitz - Oder-Neiße-Radweg
Richtig hart zu regnen begann es im Wald bei Krauschwitz.

Ich fuhr dann dennoch weiter bis zum nächsten Ort in Krauschwitz. Da waren sie alle untergestellt! Da ich nicht der einzige war, der dort unterwegs war, standen hier überall Radler unter, die sich trockneten.

Es regnete dann immer noch ein bisschen, aber ich entschied mich fürs weiterfahren. Ich war pitschnass und auf einmal kamen mir Radler entgegen, die komplett trocken waren!

Der Regen war also ein sehr heftiges, aber lokales Ereignis gewesen. Er ließ auch inzwischen nach.

Man kommt auf das nächste Dorf zu und fährt auf Wald und Wiesen. Alles ist hier wirklich toll. Der Radweg macht unfassbar Spaß an dieser Stelle.

Man fährt jetzt komplett durch die Gemarkung von Krauschwitz. Bei Werdeck ist ein kleines Restaurant, wo man draußen sitzen kann. Hier saßen auch schon einige Radfahrerinnen und Radfahrer, die Pause machten.

Über Felder und Wälder geht es nun nach Pechern und dann in den Hauptort von Krauschwitz.

Auch Krauschwitz ist jetzt nicht besonders groß, sondern ein ländlicher schöner Ort. Von dort aus sind es nur noch wenige Kilometer nach Bad Muskau.

Übers Grüne und entlang der Straße kommt man schlussendlich in die Stadt.

Es war jetzt ziemlich heiß dort, ein paar Motorradfahrer machten Pause. Man befindet sich direkt an einer Neiße-Brücke, über die man nach Polen (nach Lugknitz) kommt.

Bad Muskau mit Gravelbike am Oder-Neiße-Radweg.
Bad Muskau, mein Gravelbike macht kurz Pause. Warm und drückend war es an diesem Tag.

Bad Muskau nach Guben

In Bad Muskau machte ich ein bisschen Pause und gönnte mir einen Döner. Das Wetter war weiterhin drückend und lähmte mich etwas.

Optimal war das nicht. Aber nach dem vegetarischen Döner war ich schließlich gestärkt und konnte mit Engagement weiterfahren. Bad Muskau verlässt man nach … Kilometern und jetzt brechen auch die letzten Meter in Sachsen an. Es folgt: Brandenburg.

Nachdem man durch Köbeln, dem letzten Stück von Bad Muskau durch ist, folgt wirklich pure Natur. Erst kommt ein kleines Stückchen Wald.

Anschließend ging es an einer Kuhwiese vorbei mit hoffentlich glücklichen Kühen.

Naturschutzgebiet „Schwarze Grube“ hieß das hier. Wiesen, die manchmal geflutet waren und der Wald machten es zu etwas Besonderem.

In der Hitze hat man nach dem Naturschutzgebiet kleine Dörfer vor sich und vor allem viel Radweg und viel weites Land. Es folgen Zelz (wo ich kurz mal die Flussseite wechselte und in Polen war, dann aber wieder auf den Oder-Neiße-Radweg zurückfuhr) und Bahren.

Bahren am Damm an der Neiße - Oder-Neiße-Radweg
Bahren an der Neiße. So viel Wiese ist hier überall.

Ab Bahren hat man dann noch 15 Kilometer bis nach Forst in der Lausitz. Jetzt hat man einen asphaltierten Weg auf dem Deich vor sich, bei dem man einfach nur Strecke machen kann. Es geht gar nicht anders, als dass man hier auf die Tube drückt!

Erwähnenswert ist noch, dass hier alles zweisprachig ausgeschildert ist. Ich gehe davon aus, dass das sorbisch ist, dass hier in Brandenburg sowie in Sachsen von einer Minderheit noch gesprochen wird.

Man sieht noch ein paar Stauwehre und schließlich und endlich gelangt man in die Rosenstadt Forst (Lausitz). Das erkennt man auch gleich, weil es an einem großen Rosenpark vorbeigeht.

Ostdeutscher Rosengarten heißt dieser Park. Sehr spannend, obwohl ich von Blumen normalerweise keine Ahnung habe. Man muss hier wohl Eintritt zahlen, wenn man rein will.

Forst an der Lausitz mit Riesenrad - Oder-Neiße-Radweg
Forst an der Lausitz mit Riesenrad.

Entlang von schön hergerichteten stattlichen Häusern, die man linker hat vor sich hat und entlang der Neiße rechter Hand, geht es dann auf Forst zu.

Bei der langen Brücke, eine Brücke, die wohl im 2. Weltkrieg zerstört wurde und nicht wieder aufgebaut wurde, kann man dann nach links fahren und in die Stadt schauen.

Der offizielle Oder-Neiße-Radweg geht allerdings einfach geradeaus weiter.

Ich schaute in die Stadt Forst hinein. Dort war gerade so etwas wie ein Volksfest mit Riesenrad und Buden. Bei der Kirche von Forst drehte ich wieder um und fuhr zu der langen Brücke. Ab dort ging es dann weiter auf Wegen auf dem Damm entlang der Neiße weiter.

Grün ist es hier weiterhin und weitläufig. Man sieht Bäume und Windräder.

Erst bei Briesnig, einem ruhigen Ort, endet dann auch Forst in der Lausitz. Die Stadt zieht sich ziemlich. Ein Stück hinter Briesnig entfernt man sich etwas von der Lausitzer Neiße und fährt übers Land mit sehr viel grünem Gras und Wirtschaftswegen.

Radweg entlang der Neiße - Oder-Neiße-Radweg
Hinter Forst an der Lausitz, wunderschöne Abendsonne. Es geht nach Guben.

Links von einem befindet sich der Tagebau Jänschwalde, wo derzeit noch Kohle abgebaut wird. Er wird aber wohl nur bis 2023 betrieben werden. Das Dorf Grießen befindet sich von dem Tagebau umgeben.

Ich fand auch im Dorf Hinweise darauf, aber irgendwie habe ich auf dem Radweg ihn nicht zu Gesicht bekommen.

Nach Grießen fährt man auf einem Radweg entlang der Straße immer gen Guben. Ich war jetzt eher spät dran und bald würde die Abenddämmerung starten. Aber es war eine schöne Sommerstimmung hier. Sehr grün ist es entlang der Neiße und echt richtig schön.

Der Radweg ist toll asphaltiert die ganze Zeit, man kann Strecke machen.

Guben am Neißeradweg.
So sieht die Innenstadt Gubens aus.

Von Guben sieht man bald erst das Industriegebiet und ein paar Menschen waren jetzt auch endlich unterwegs. Man biegt schließlich links in die Stadt ein und kommt direkt auf einen Platz zu, wo noch eine Eisdiele aufhatte.

Viel zu essen fand ich nicht mehr, nur noch ein Grieche hatte auf. Und der hatte außer etwas Schafskäse nicht viel Vegetarisches.

Leider musste ich am Nebentisch ein paar Querdenkern zuhören. Etwas schade als Abschluss für so eine tolle Etappe.

Guben Gubin - Oder-Neiße-Radweg
Von der Brücke fotografiert zwischen Guben und Gubin.

Ich sah mich dann in Guben noch etwas um. An die Innenstadt schließt in Richtung Neiße eine Brücke an, die einen direkt ins polnische Gubin führt.

Die Stadt ist eine deutsch-polnische Doppelstadt, aber formal sind das natürlich unterschiedliche Städte.

Jedenfalls hatte ich die ersten beiden Etappen geschafft! Es war bis dahin schon spannend und abwechslungsreich tief im Osten zu fahren. Die nächsten beiden Etappen würden mich dann von der Neiße weg an die Oder führen.

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