Nord-Süd-Route Schweiz: 3. Etappe von Göschenen auf den Gotthard bis Bellinzona

Diese Etappe war die Königsetappe der Nord-Süd-Route, die ich im Herbst 2021 fuhr. Während es unten noch super Wetter hatte, würde es heute – je höher ich kam – ziemlich neblig werden.

Ich wollte es aber unbedingt schaffen auf den Gotthard zu kommen und war schon etwas aufgeregt. Normalerweise bin ich das bei Radtouren nicht so arg, aber heute war ich es.

Insgesamt 96 Kilometer würde ich auf dieser Etappe absolvieren, aber entscheidend waren die Höhenmeter. Ich war in Göschenen und würde erstmal über Andermatt nach Hospental kommen. Dann ging der Berg so richtig los.

Interessanterweise war ich 2020 2x in Andermatt gewesen und 2021, eben auf dieser Etappe, schon wieder. Die Gegend ist gerade fürs Rennradfahren äußerst spannend.

Meine bisherigen Etappen auf der Nord-Süd-Route der Schweiz lassen sich übrigens an dieser Stelle nachlesen:

Innenstadt Göschenen - in Richtung Andermatt.
Göschenen: Von hier aus geht es hoch nach Andermatt.

Von Göschenen bis zum Gotthardgipfel

Der Start in Göschenen ist besonders. Man fährt hier auf einer historischen Straße, die lange Zeit als unüberwindbar galt und das Nadelöhr hoch zum Gotthard war.

Es geht um die Straße zwischen Göschenen und Andermatt. 2020 bin ich hier schon, ganz naiv, ohne zu wissen, um was für eine Straße es sich hier handelt, gefahren.

Seit 2019 gibt es bergauf noch einen extra Radweg, was das ganze besonders angenehm zu fahren macht. Anstrengend bleibt es natürlich trotzdem. Der Radweg ist eng und darf nur nach oben gefahren werden.

Allerdings ist er von der Aussicht her absolut spektakulär. Insgesamt 5, fast 6 Kilometer geht es hoch nach Andermatt.

Man kommt am historischen Restaurant Teufelsbrücke vorbei, was an der gleichnamigen Brücke liegt. Diese Brücke in der Schöllenen-Schlucht ist auch ein historisches Nadelöhr hoch zum Gotthard. Mit einer Holzbrücke im 13. Jahrhundert wurde sie überwunden. Diese Brücke wurde später eine Steinbrücke.

Teufelsbrücke zwischen Göschenen und Andermatt an der Nord-Süd-Route in der Schweiz.
Teufelsbrücke Schöllenenschlucht. Vom Radweg aus gesehen.

Im schönen engen kleinen Andermatt angekommen versorgte ich mich in einem Coop erstmal kulinarisch. Bevor es jetzt richtig hochging, wollte ich wenigstens versorgt sein. In Andermatt gibt es viele Supermärkte, Bäcker und Restaurants.

Man fährt durch den ganzen Ort, biegt eben nicht links ein, um zum Oberalppass zu kommen. Vielmehr geht es nach rechts, um weiter durchs schnuckelige Andermatt zu kommen.

Die Häuser mit schönen Verzierungen sind eine Augenweide. Anschließend geht es raus aus dem Ort. Auf der Straße (ohne eigenen Radweg) ist das Ziel nun Hospental.

Man fährt durch den Ort, heute war hier wenig los. Man kann auch daran vorbeifahren, doch die Beschilderung der Nord-Süd-Route führt direkt durch denselben.

Schachi - Schachmann auf dem Gotthardpass aufgemalt. Es geht hoch auf der Nord-Süd-Route.

Es wurde jetzt langsam kälter. Heute war ohnehin nicht der wärmste Tag und je höher ich stieg, desto mehr spürte ich den Wind und die Kälte.

Nun fährt man beim Kreisverkehr geradeaus. Würde man die rechte Ausfahrt nehmen, käme man nach Realp und eben auf den Furkapass. Doch ich wollte zum Gotthard.

Gotthardpass mit Gravelbike erreicht auf der Nord-Süd-Route in der Schweiz.
Geschafft! Glücklich am nebligen Gotthardpass.

Jetzt beginnt der eigentliche Anstieg. Es wird hart. Neben Autos, die einen ständig überholen, muss man mit mehr Kälte kämpfen. An Pässen gibt es äußerst selten einen eigenen Radweg.

An einer Stelle waren noch Radprofi-Fahrer aufgemalt. U.a. erkannte ich Schachmann. Ansonsten wird die Landschaft hier immer karger. Man hat dennoch noch etwas Ausblick aufs Grüne.

Als man dann von der Straße weg ist, an der Stelle, an der das Kopfsteinpflaster anfängt, hatte ich mit purem Nebel zu kämpfen. Das war wirklich nicht einfach. Ich sah nichts und fuhr auf Kopfesteinpflaster.

Ich war komplett eingepackt, hatte Handschuhe an. Kurios war ein Rennradfahrer, der mir in kurzem Hemd entgegenkam. Bei der Abfahrt müsste der doch jetzt super frieren!

Gute und flexible Kleidung ist bei solchen Anstiegen alles.

Gotthard - Hotels und Hospiz - davor der Lago della Piazza, der Gotthardsee.
Der Lago della Piazza vor der kleinen Siedlung auf dem Gotthard.

Schließlich kam ich dem Ziel immer näher und der Neben ließ nach. Ich war so glücklich!

Oben nebelte es nicht mehr so. Man sah den See und die Hotels sehr gut. Ein kleiner Imbiss hatte auf und ich hätte hier etwas angekommen.

Ich war hier oben nicht der einzige Radfaher. Es war schon ziemlich etwas los. Neben den obligatorischen Rennradfahrern gab es auch mutige Reiseradler mit sehr viel Gepäck. Ich mit meinem Gravel-Bikepacking-Stil bin da irgendwo dazwischen.

Zu lange sollte ich mich nicht hier aufhalten. Aber das große Tagesziel war erreicht. Der Rest war Formsache, wie man sagt.

Hinunter zur Tremolo Straße.
Hinunter nach Airolo über die Val Tremola.

Vom Gotthard hinunter nach Airolo

Jetzt hieß es: Auf einer historischen Kopfsteinpflaster-Straße (mit nicht mehr den neuesten Bremsen) bergab fahren!

Val Tremola heißt diese Straße. Das ist ganz und gar nicht Rennrad-tauglich. Und auf nassem Kopfsteinpflaster mit nicht mehr perfekt eingestellten Bremsen muss man auch vorsichtig sein.

Dazu kam der Nebel. Ich fuhr also nicht schnell, sondern tastete mich eher vor.

Die Straße sieht wirklich spektakulär. Doch nicht bis ganz hinunter ist man auf Kopfsteinpflaster. Ich vermute, das ist dann das Ende der historischen Via Tremola. Nach einiger Zeit folgte Asphalt und ich atmete etwas auf. Jetzt musste ich es nur noch rollen lassen.

Val Tremola, hinunter vom St. Gotthard in Richtung Airolo. Historisches Kopfsteinpflaster.
Die historische Val Tremola hinunter nach Airolo.

Es ist wirklich ein besonderer Ort hier. Denn wenn man einmal unten ist, dann ist man in der italienischen Schweiz.

Das wunderschöne Tessin beginnt, das aber auch ziemlich neblig sein kann. Was aber gut war: Je tiefer man kommt, desto wärmer wird es wieder. Man spürt das richtig. Ganz oben wäre es ohne Handschuhe nicht zu machen gewesen. Weiter unten zog ich sie wieder aus.

Dazu hat man diesen wirklich faszinierenden weiten Blick, den mir auch der Nebel nicht vermiesen konnte.

Nur muss man aufpassen auf den Verkehr! Es geht weiter bergab.

Airolo an der Nord-Süd-Route in der Schweiz. Von oben betrachtet.
Airolo von oben betrachtet. Mit Nebel.

Airolo selbst ist dann eigentlich gar nicht so spektakulär. Hier war vor allem gar nichts los, obwohl das ja ein ultra-wichtiger Ort am Gotthard ist. Hier ist das Gegenstück Göschenens, die andere Seite des Gotthardtunnels.

Ab jetzt hieß es italienisch denken, wenn man Radler und Spaziergänger begrüßt. Kein „Grüezi“ mehr, sondern „Bon giorno!“.

Die Kirche im Ort hat irgendwie etwas Römisches, sie sieht auf jeden Fall anders aus als auf der Deutschschweizer Seite. Ich mag das. Hier ist alles etwas anders.

Airolo - wieder im Tal nach dem Gotthardpass - Beginn des Tessins an der Nord-Süd-Route der Schweiz.
Chiesa Santi Nazario e Celso in Airolo. Eine schöne, kleine Kirche. Irgendwie römisch!

Im Tessin: Airolo bis Bellinzona

Nach Airolo geht es jetzt erstmal auf der Straße weiter. Es geht weiter bergab, wenn auch nicht mehr so stark. Dazu fährt man durch Tunnel durch.

Insofern bleibt es weiterhin nicht ungefährlich. Allerdings ist es jetzt etwas wärmer und ich konnte aufatmen, den ganz „gefährlichen“ Teil geschafft zu haben. Ich war im Tal und fühlte mich recht sicher.

Noch ungefähr 60 Kilometer sind es nach Bellinzona, mein heutiges Tagesziel. Dort am Ortseingang würde ich übernachten.

Leicht nass war es auch noch, aber so arg störte das nicht. Es gab keinen Regen und von daher kam ich gut voran.

Bei Quinto, dem Ortsteil Ambri verlässt man nun schließlich die Straße wieder, unmittelbar nach dem Flughafen.

An einem kleinen idyllischen See, wo sich ein paar Leute vergnügten, kommt man vorbei. Es folgt eine Unterquerung einer Autobahn und jetzt ist man wieder auf einem Radweg, der gerade am Fluss entlang führt.

Hier an der Stelle sah ich auch den Esel, der oben auf einer Wiese starte und mich neugierig anschaute.

Der Radweg hat jetzt einen Flussradweg-Charakter. Es geht leicht bergab und man fährt im Tal der Fiume Ticino.

Es folgt nun ein Radweg in Richtung Rodi. Von dort aus wechselt man noch einmal auf die Straße und hat neben großen Felsen eine spektakuläre Abfahrt vor sich. Das ist wirklich sehr schön hier, außer eben, dass es keinen eigenen Radweg gibt.

Faido - Innenstadt - Schild nach Bellinzona vor dem Rathaus.
In Faido sind noch 46 Kilometer nach Bellinzona.

Ich kam nun in die Innenstadt von Faido, die ganz nett war. Es steht dort ein Wahrzeichen eines alten Schweizer Freiheitskämpfers. Es gibt ein Rathaus und ein Café. Hier waren ein paar Leute.

Endlich verlässt man die Straße und kommt auf einen guten und schönen Radweg.

Doch bald schon führt dieser Naturradweg zur Autobahn. Man fährt parallel zu ihr und das „Naturgefühl“, wenn man so will ist etwas vorbei. Aber man kommt gut voran, es geht ja bergab.

Kurz nach dem Überqueren des Flusses Ticino (das heißt übrigens einfach Tessin) endet der Radweg wieder und man gelangt wieder auf die Hauptstraße unterhalb der Eisenbahnstrecke. Wieder hat man eine kurze, spektakuläre Abfahrt vor sich. Es kam mir ein wirklich superschwer bepackter Reiseradler entgegen. Ich weiß gar nicht, wieso die Leute immer ihren ganzen Hausstand auf Radreisen mitnehmen!

An der Einfahrt Giornicos machte ich auf einer Bank eine Pause und genoss es etwas zu essen.

Giornico im Tessin an der Nord-Süd-Route.
Giornico. Spektakuläre Kirche.

Giornico schließlich hat ein italienisch anmutendes Flair. Die Steinkirche ist spektakulär und es ist wunderschön wie man auf den Fluss hinunterblicken kann. Das ist wirklich Urlaubsfeeling. Hier kann man es sich wahrscheinlich gut gehen lassen im Sommer!

Die Straßen sind eng und insgesamt ist das Dorf oder die Stadt hier ziemlich schnuckelig. Kontrastiert wurde das ganze damit, dass jemand hier sehr laut Schlagzeug spielte. Das fand ich super!

An römischen Gemäuern kam man vorbei. Dann folgte der Ort Bodio mit Sportplatz. Hier gab es einen Umweg zu bewältigen, der aber – wie man es in der Infrastruktur-Schweiz vermutet – gut ausgeschildert war.

Dazu hat man einen tollen Blick auf die Berge, auf die Weite.

Aussicht auf die Berge bei Claro.
Blick auf die Berge bei Claro.

Es kommt dann Personico, da fand ich die Beschilderung etwas unklar, fand mich aber dann zurecht. Auch der Ort hat eine schöne Kirche am Eingang. Jetzt ist erstmal der klasse Radweg zu Ende und man muss sich kurz zurechtfinden.

Es geht dann an Biasca vorbei, man streift den Ort nur. Nach einem Kreisverkehr muss man rechts fahren, um wieder auf die Straße zu kommen. Hier war mir die Beschilderung auch nicht klar.

Es geht ein kurzes Stück auf der Straße entlang. Es ist von der Topografie her weiter etwas abfallend, wenn auch nicht stark. Das Wetter übrigens war immer besser geworden. Es war noch wolkig, aber kaum noch nass.

Kurz hinter Biasca, nach dem Stück Hauptstraße, folgt dann wieder ein Wirtschaftsweg, ein asphaltierter Radweg.

Hotel Liberty in Bellinzona, direkt an der Nord-Süd-Route.
Hotel Liberty in Bellinzona.

Nach einem weiteren Stück „Weite“ und einem schönen Blick auf die Berge, kommt man aufs Güter-Bahngelände von Bellinzona zu. Hier verfuhr ich mich kurz, aber ich wusste: Weit kann es nicht mehr sein.

Man muss dann noch einmal nach links und ich würde gleich am Anfang der Stadt beim Hotel Liberty übernachten. Ich war kaputt, die Königsetappe der spektakulären Schweizer Nord-Süd-Route war geschafft!

Morgen würden es nur noch 70 Kilometer sein, mit einem Anstieg auf den Monte Ceneri. Leider regnete es morgens, sodass ich Bellinzonas Altstadt nur im Regen bestaunen konnte. Schade, aber ich komme einfach wieder. Das Tessin ist superschön. Man muss nur den Gotthard überwinden, schon ist man da!

2 Gedanken zu „Nord-Süd-Route Schweiz: 3. Etappe von Göschenen auf den Gotthard bis Bellinzona“

  1. Hi Markus, bin bei der leidigen Fahrrad&Bahn-Suche auf Deinen Blog gestossen.
    Gerade mit Genuss Deine Alpenüberquerung gelesen.
    Vom Schwarzwald kommend via Engen, Singen, Konstanz dann CH Rheinroute, Graubündenroute, bin ich dann in Belinzona auf die Nord-Süd-Route gestossen. Es ging dann weiter an Mailand via Monza vorbei nach Piacenza. Der Gag ist mir am San Bernardino passiert. Es war Mai und der Pass war noch geschlossen. Sollte aber am nächsten Tag geöffnet werden. Fuhr noch bis Hinterrhein. Von dort konnte ich einen Großteil der unteren Passstrecke einsehen. Strassenwärter waren dabei Lawinenschäden auszubessern. An der Absperrung vorbei kurbelte ich gute 10 Haarnadeln zu ihnen hinauf mit dem Risiko wieder umdrehen zu müssen. Nichts da . Ich durfte weiter. Vollkommen allein und in aller Stille überquerte ich den Pass. Mir gehörte die ganze Fahrbahn.

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