Emsradweg 1. & 2. Etappe: Von der Emsquelle bei Hövelhof via Rheda-Wiedenbrück nach Telgte

Der Emsradweg ist ein ausgesprochen flacher Radweg. Dennoch verbindet er unterschiedliche Landschaften. Ich hätte nicht erwartet, dass er mir so viel Spaß macht.

Ausnahmsweise fuhr ich den Emsradweg mal wieder etwas gemütlicher. Ich war anstatt mit meinem Gravelbike mit meinem Reiserad unterwegs.

Der Start war sogar etwas regnerisch – wie ja der ganze Sommer 2020 etwas regnerisch war – aber im weiteren Verlauf sollte das Wetter ziemlich schön werden. Am letzten Tag, als ich in Richtung Nordsee unterwegs war, war es sogar ziemlich heiß.

Der Emsradweg ist 380 Kilometer lang. Ich hatte ihn ungefähr in 50-Kilometer-Etappen aufgteteilt. Insofern war das wie reiner Urlaub für mich. So viel Zeit hatte ich auf den kurzen Etappen und konnte mir auch mal etwas anschauen und mehr Zeit fürs Fotografieren verbringen.

Um zur Emsquelle zu kommen, stieg ich am Bahnhof Hövelriege aus und fuhr die paar Kilometer dann zum Ausgangsort. Dort südlich von Schloß Holte-Stukenbrock startet der schöne Emsradweg, der die meiste Zeit nach Norden führt.

Emsquelle bei Hövelhof am Emsradweg
Quellgebiet der Ems bei Hövelhof. Hier ist es echt schön!

Von der Emsquelle über Hövelhof zum Steinhorster Becken

An die Emsquelle kommt man gar nicht mit dem Fahrrad. Ich stellte mein Reiserad oben ab und musste eine Treppe hinunter, um zur Quelle zu gelangen.

Sie befindet sich mitten im Wald und ist also nur spazierend zu erschließen. Da die Quelle gut ausgeschildert ist, ist sie auch ein beliebter Ort.

Ein Spaziergänger sprach mich an. Er war wohl als Kind hier schon auf dem Jugendlager gewesen, fragte mich ob ich Pferde gesehen hätte. Ich verneinte. Hier gibt es wohl welche, die Wiesen sind da. Aber bei dem regnerischen Wetter blieben wohl selbst die Pferde gerner im Stall.

Jedenfalls beginnt der Radweg an dieser Stelle, ist auch gleich ausgeschrieben und man fährt wieder aus dem Wald hinaus, entlang der Pferdewiesen bis zum Ems Infozentrum. Dieses informiert über die gesamte Ems, hier findet man schöne Bilder als auch ein Schiff der Mayer-Werft in Papenburg besichtigen, das hinaus in die Weite Nordsee fährt.

Infozentrum Ems an der Emsquelle in Hövelhof.
Das Ems Infozentrum am Beginn des Emsradwegs bei Hövelhof.

Über Feldwege kommt man dann gleich zum ersten Ort, nach Hövelhof. In der Stadt befindet sich eine Kirche, ein paar wenige Fachwerkhäuser und sogar die Interessensgemeinschaft Emsradweg.

Nach einer kleinen Kapelle hinter dem Wohngebiet fährt man ein Stück entlang der Landstraße. Es gibt hier einen Radweg, insgesamt also alles angenehm zu fahren.

Über Feldwege geht es dann etwas nach Westen. Man sieht außer Feldern nur ein paar Höfe, die auch aus Fachwerk bestehen. Idyllisch ist es hier, ländlich und natürlich flach.

Das erste große Natur-Highlight ist schließlich das Steinhorster Becken, welches man ungefähr nach 23 Kilometern erreicht.

Dort gibt es Aussichtstürme, auf die man steigen kann und die artenreiche Landschaft betrachten kann. Viele Vögel kann man sehen. Wer keine Ahnung von Tierarten hat wie ich kann auch einfach die dortigen erklärenden Tafeln betrachten.

Jedenfalls hatte man eine Ruhe am Steinhorster Becken, das war richtig schön. Ich war jetzt echt entspannt. Dazu klarte das Wetter auf, der Regen war verzogen und es kam auch etwas die Sonne hinaus.

Steinhorster Becken mit Reiserad am Emsradweg.
Steinhorster Becken mit Reiserad.

Vom Steinhorster Becken nach Wiedenbrück

Nachdem man einmal um das komplette Steinhorster Becken gefahren ist, verlässt man es wieder Richtung Süden. Wer will kann hier am Café Brinkeier einkehren, ein schönes großes Fachwerkgebäude.

Es geht jetzt so weiter über Feldwege mit agrarischen Strukturen. Bauernhöfe wechseln sich ab. Mal gibt es auch eine große Biogasanlage (oder was das ist).

Man streift Schöning, hat eine Allee vor sich und dann einen Schotterweg entlang des Flusses. Bis dato hat man ja den Fluss immer wieder überquert und war ihm entfolgt.

Jetzt fährt man direkt neben ihm. Er ist natürlich noch sehr jung und nicht sehr groß am Beginn des Emsradwegs.

Man folgt der Ems bis kurz vor Rietberg. Nun wird es entsprechend städtisch, wobei groß ist der Ort auch nicht. Aber dafür idyllisch und schön.

Figuren in Rietberg. Gesehen auf meiner Emsradweg-Radtour.
Sehr große Figuren in Rietberg.

Etwas muss man über Kopfsteinpflaster fahren, das aber nichts ist im Gegensatz zum Kopfsteinpflaster, den ich z.B. aus dem Osten kenne.

Jedenfalls hat Rietberg eine wunderhübsche kleine Altstadt mit weißen Fachwerkhäusern. Viel war nicht los, es war ja noch Post-Corona-Zeit, aber hier wäre eine Pause gemütlich gewesen.

Überall waren hier erstaunlicherweise sehr große Figuren aufgestellt. Was das für eine Bedeutung hatte? Ich weiß es nicht, vielleicht irgendeine christliche oder einfach eine geschichtliche.

Weiter geht es direkt an der Ems entlang von engen Radwegen, meist auf Schotter. Man gelangt sogar an einem Emssee vorbei, der aber hinter Gestrüpp versteckt ist.

Windkraftanlagen tun sich aus, man kommt man Industriegebiet von Rheda-Wiedenbrück (oder besser von Wiedenbrück) vorbei.

In der Doppelstadt würde ich heute übernachten, allerdings eben nur in einem Teil davon. Zuerst kommt Wiedenbrück, morgen würde ich dann weiter nach Rheda fahren.

Über einen gemütlichen und sehr grünen Radweg kommt man in die Stadt. Das hat wirklich Spaß gemacht. Nach der Fahrt entlang des Aegidienwalls war ich dann schließlich bei meiner Unterkunft angekommen.

Es war noch wenig los nach der Coronazeit und gab noch nicht viele, die übernachteten. Jedenfalls war ich froh: Die nicht einmal 50 Kilometer lange erste Etappe hatte ich geschafft. Morgen war das Ziel Telgte, auch noch in Nordrhein-Westfalen.

Wartburg Hotel in Wiedenbrück, Rheda-Wiedenbrück am Emsradweg.
Erstes Ziel: Hotel zur Wartburg in Wiedenbrück. Direkt am Emsradweg gelegen.

Von Wiedenbrück über Rheda bis nach Harsewinkel

Am nächsten morgen sollt ich erstmal den obligatorischen Covid-Test machen, ein neues Handy-Kabel kaufen (meins hatte ich vergessen) und dann ging es auch schon los.

Wiedenbrück mit seinen schöne Gassen und Fachwerkhäusern hatte ich mir dazu angeschaut. Hier kann man wundervoll flanieren und auch Pause machen.

Um den Nordwall fährt man einmal um den Ort herum, es geht dann über eine Brücke über die Ems.

An dieser Stelle ist man nun in einem wunderbaren gewässerreichen Park, der einen nach Rheda führt. Ein schönes Highlight an diesem Morgen auf dem Emsradweg.

Nach dem Schloss Rheda zu meiner Rechten kommt man dann auf die Straße, wo die Stadt auf meiner Linken ist. Kurz schaute ich mir diese an. Wiedenbrück fand ich etwas gemütlicher, aber auch Rheda ist von Fachwerkhäusern geprägt. Auch hier lässt es sich Leben.

Innenstadt von Rheda mit Fachwerkhäusern - Emsradweg.
Die schöne Altstadt von Rheda.

Kurz ist man an der Hauptstraße und nach Rheda hat man wieder Ruhe für sich. Man überquert die Ems nochmal, fährt am Freibad vorbei und unter den Bahnschienen durch. Dahinter entfernt man sich etwas von der Ems und hat wieder landwirtschaftliche Fläche vor sich.

Nach der Emssiedlung geht es wieder au die andere Seite der Ems.

Aber auch an diesem Ort passiert weiter nichts Spektakuläres. Weiterhin hat man Asphaltwege durch landwirtschaftliches Gebiet vor sich.

Das Wetter war heute wirklich toll. Nach den letzten Regentagen konnte ich mich in den nächsten Tagen auf ziemlich viel Sonnenschein und sogar auf etwas Hitze freuen.

Nachdem man die nächste landwirtschaftlich geprägte Strecke geschafft hat, landet man nun in Marienfeld. Zuerst überquert man eine vielbefahrene Kreuzung und dann landet man direkt gegenüber beim Kloster Marienfeld.

Kloster Marienfeld - Emsradweg.
Kloster Marienburg!

Seit 2004 wird hier tatsächlich wieder klösterliches Leben aufgebaut.

Es geht weiter über die Felder und nach ein paar Kilometern landet man sogar noch in einem Wald. Der endet schnell. Anschließend ist man in Harsewinkel.

Um die 25 Kilometer hatte ich nun schon geschafft. Das war doch schon mal etwas.

In Harsewinkel fährt man jetzt nur an der vielbefahrenen Hauptstraße vorbei. In die Stadt selbst kommt man nicht.

„Mähdrescherstadt“ ist die Stadt überschrieben. Und vom Emsradweg aus sieht man auch die große Fabrik, wo wohl Mähdrescher tatsächlich hergestellt werden. Es gibt die Firma Claas in der Stadt.

Ems von Brücke hinter Harsewinkel.
Ems hinter Harsewinkel.

Von Harsewinkel nach Telgte

Kurz nach Harsewinkel, direkt hinter einer Emsbrücke, suchte ich mir eine Bank und verweilte dort etwas. Eine kleine Pause hatte ich mir verdient! Ich aß einen leckeren Kuchen und genoß das Leben.

Wenn man nur 50-70 und keine 100 Kilometer pro Tag anpeilt ist Radfahren tatsächlich so etwas wie Urlaub. Unfassbar!

Nach meiner Pause ging es dann landwirtschaftlich geprägt weiter. Zwischendurch kommt man aber an einer Baum-Allee vorbei, man streift hier den Wald etwas und das nächste Ziel war Greffen.

Dort begrüßte mich die Ems wieder, nachdem ich etwas von ihr entfernt war. Ich überquerte sie, um schließlich Greffen lediglich zu streifen.

Motorradmuseum bei Greffen am Emsradweg.
Ein Motorradmuseum. Aber ich sehe hier auch Fahrräder… Hinter Greffen.

Man fährt nämlich nicht durch Greffen durch, sondern biegt bevor man hineinfährt links ab. Auf dem Warendorfer Landweg ist man nun wieder etwas entfernt von der Ems, fährt aber parallel zu ihr.

Jedenfalls war es schön, dass es bei diesem guten Wetter in dem Gebiet hin und wieder mal einen kühlenden Baum gab. Bäume sind superwichtig! Gerade für Radfahrende.

Man überquert nochmal die Ems, auf einem Radweg entlang einer Schnellstraße, um diese dann zu verlassen und quasi parallel auf der südlichen Seite der Ems nach Warendorf zu fahren. Kurz vor der Stadt wechselt man nochmal die Flussseite.

Dort bei der „Alten Herrlichkeit“ gönnte ich mir noch eine leckere Pommes und ein Getränk. Durch die Hitze brauchte ich viel Trinken.

Wieder landwirtschaftlich geprägt ist’s hier. In Warendorf aber wird man ganz idyllisch begrüßt. Viel grün findet man vor und fährt an einem weiteren Emssee vorbei.

Die Altstadt Warendorfs ist klein, aber fein. Sie war sehr belebt. Es befanden sich schöne, offene Cafés mitten auf dem Marktplatz. Dazu fuhren hier übrigens auch viele Radler durch. Die Saison hatte richtig begonnen. An den Punkte, wo man Einkehren kann, trifft man sich dann schließlich!

Warendorf - Marktplatz - Emsradweg.
Innenstadt Warendorfs. Schön belebt war es hier.

Die Dächer hatten hier schöne Abstufungen, ich weiß nicht wie man das nennt. Dazu hatten die Häuser unterschiedliche Farben, was den Charme dieser Innenstadt Warendorfs ausmachte.

Über eine Holzbrücke verlässt man die Stadt und hat jetzt entlang der Ems endlich das volle Flussradweg-Erlebnis. Wenige Kilometer geht es jetzt nur am Fluss entlang.

Man umrundet die Kottruper Seen, die aber zum Großteil hinter Gebüschen versteckt waren. Etwas erdgeschichtliches war hier draußen ausgestellt, so ganz verstand ich es nicht, aber ich nahm mir auch nicht zu viel Zeit.

Da es heiß war, wollte ich jetzt weiter und möglichst bald in Telgte – an meinem Zielort – ankommen.

Entfernt von der Ems geht es bis Müssingen und Einen, wo man den Fluss dann wieder überquert und auf der nördlichen Seite landet.

Über landwirtschaftliches Gebiet, das hier aber durchaus einige Bäume aufweist, fährt man nun nach Telgte.

Innenstadt von Telgte. Am Emsradweg.
Die wunderbare Innenstadt von Telgte mit dem alten Gasthof Seiling.

Kurz vor der Stadt wird es aber wieder grüner. Man gelangt zum Fluss und hat zum Abschluss einen wunderschönen Schotterweg durch leicht bewaldetes Gebiet vor sich.

Durch einen bewaldeten Stadtpark, so kam mir es jedenfalls vor, ist man dann plötzlich kurz vor der Altstadt. Dort sollte ich auch übernachten und lecker essen können.

Ich hatte Telgte erreicht. Mein zweiter Teil des wunderbaren und wunderschönen Emsradwegs war erreicht!

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